Hallo Zusammen,
ich bin der Meinung, dass jede oder jeder von uns chronisch Erkrankten diese Erfahrungen gemacht haben! Es beginnt mit dem Erhalt der Diagnose und es ist schwerer zu akzeptieren, dass man dauerhaft erkrankt ist und nicht wie z.B. bei einem entzündeten Blinddarm = Operation und gut ist es. Unsere ganze Welt wird mit einer chronischen Diagnose auf den Kopf gestellt und nichts ist wie früher. Selbst bei milden Verläufen bestehen Ängste und man stellt sich oftmals die Frage „Warum ausgerechnet ich?“ oder ähnliches. Ich habe bisher niemanden kennen gelernt, der sofort seine Diagnose angenommen hat und sofort verarbeitet hat. Für mich und ich glaube auch für viele Andere sprechen zu können, war das ein steiniger und langer Weg. Und selbst wenn man meint, dass man diese endlich angenommen und akzeptiert hat, kommt es zu Rückschlägen, die einen wieder zweifeln lassen. Wie zum Beispiel nach einem schweren Schub oder eine zusätzliche neue chronische Erkrankung. Ich finde das nur natürlich, da wir alle nur Menschen sind und keine gefühlskalten Roboter. Wichtig dabei ist nur, dass man Wege kennt um aus dieser natürlichen Reaktion so schnell wie möglich wieder heraus kommt und nicht dort stecken bleibt. Mir haben dabei der steinige Weg des Akzeptieren, dass es so ist wie es ist und viele Gespräche mit meinem Hausarzt, der mein Koordinator für alle meine Erkrankungen ist, sehr dabei geholfen. Zudem waren für mich die zahlreichen Rehamassnahmen sehr hilfreich dabei. Dort werden einen viele Möglichkeiten vermittelt um mit der Erkrankung besser umgehen zu können und nicht nur mit Physiotherapie, die man zu Hause weiterführen soll oder eigenständige Übungen, sondern auch mental. Das ist die eine Baustelle bei chronischen Erkrankungen!
Die zweite Baustelle ist aus meiner Sicht der innere Kreis um einen herum, wie Partner oder Ehemann und Kinder. Auch für diese verändert sich durch eine chronische Erkrankung eines geliebten Menschen mit der Diagnose alles! Auch sie haben Angst und wissen nicht wie sie damit umgehen sollen. Wir können nur froh sein in einem Zeitalter zu leben, wo es relativ einfach ist durch das Internet an Informationen und Auswirkungen der chronischen Erkrankung zu gelangen.
Nur haben enge Angehörige kaum Möglichkeiten im Gegensatz zu uns durch eine Reha zum Beispiel das richtige Handwerkszeug zu bekommen, sie sind auf sich alleine gestellt. Und so bunt wie unser Leben sind dann auch die Reaktionen, Strategien und das Verhalten damit umzugehen
wie verdrängen oder übervorsichtigkeit. Und dann kommt noch die unterschiedliche Art von uns Erkrankten dazu! Ich habe zu der Kategorie der Erkrankten gehört erst einmal alles nur mit sich selbst auszumachen, nach meiner anerzogenen Einstellung sich bloß nicht hängen zu lassen und Schwäche zu zeigen! Ich werde nie die Reaktion meines Mannes vergessen, wo ich nicht mehr die Starke „spielen“ konnte, sondern offen und ehrlich mit ihm war und gesagt habe wie es in mir aussieht und welche Schmerzen ich habe. Ich habe mit allem möglichen gerechnet u.a. mit einer so kranken und schwachen Frau möchte er nicht alt werden etc.!
Aber nicht damit, dass er mich mit Tränen der Freude in den Arm nimmt und sich bedankt, dass ich ihn zum ersten Mal ehrlich in mein Inneres und Gefühlsleben ungeschönt herein gelassen habe!
Da war ich baff! Mir war wirklich nicht klar, dass er ohne Worte doch genau wusste wie es mir geht!
Eine Aussage war z.B. ja meinst du ich bin blind und sehe nicht was du durch machst! Es hat mich mehr belastet, dass du die harte taffe Frau versucht zu spielen hast und mich nicht dabei ehrlich einbezogen hast. Auch darüber sollten wir nach denken.
Und dann gibt es aus meiner Sicht noch die 3. Baustelle oder der äußere Kreis, dass ist unsere Umwelt! Egal ob im Berufsleben, der weitläufigen Familie oder Freunde!
Und auch da muss man sich mit auseinander setzen und seinen Weg finden.
Und auch der ist nicht einfach und auch steinig.
Ich habe für mich entschieden, dass ich dort besser radikal damit umgehe. Das heißt, ich habe meinen Freundeskreis richtig gehend ausgemistet! Die echten und wahren Freunde sind immer noch da und auf diese kann ich mich in vielen Fällen verlassen, da sie wirklich zu mir stehen! Ich muss bei Ihnen nicht stundenlang erklären oder diskutieren, warum ich eine Stunde vor einer Einladung für das Treffen absage! Sondern sie wissen sofort, wenn ich es mache, dass ich dafür meine Gründe habe! Und ich muss nicht meine kostbare Zeit mit Erklärungen verplempern und mir anhören z.B. ja was mach ich nun mit dem vielen Essen……
Und auch im Berufsleben habe ich meine Prioritäten anders gesetzt, wo bei Ich sagen muss, dass ich von je her das Motto hatte Dienst ist Dienst und Privat ist Privat,
Aber ich musste auch erst lernen, dass mein geliebter Beruf nicht alles im Leben ist und das ist dort zum Schutz meiner Gesundheit engere Grenzen ziehen muss!
Und auch jetzt als nicht mehr Berufstätige und als Frau mit längeren und mehreren chronischen Erkrankungen ist nicht alles eitel Sonnenschein! Auch wenn ich mich damit abgefunden habe, dass ich 2 Leben habe, das 1. Leben, wo auch trotz Erkrankungen einiges oder vieles möglich war und mein jetziges Leben 2.0 als schwer chronisch Erkrankte mit einem völlig neuen Leben, welches zwar andere Schwerpunkte beinhaltet, aber mir meine Lebensfreude und Lebensqualität nicht genommen hat. Es ist eben anders als früher, wo ich z.B. tagelange Hüttenwanderungen in den Bergen gemacht habe oder 6 Wochen mit Rucksack durch Venezuela gezogen bin. Jetzt hat sich zwar die Art geändert, aber z.B. Dank wahrer Freunde und deren Hilfe und Organisation komme ich immer noch in meine geliebten Berge nur eben anders mit der Seilbahn und Hilfe um dort überhaupt hinein zu kommen etc.
Und trotzdem gibt es immer noch diese Tage, wo ich denke es reicht nicht noch mehr! Und ich weiß heute, ja ich darf auch mal ein Paar Tage jammern! Und Jammer dann eben! Nur weiß aber auch wie ich da wieder hinaus komme und wie ich an Lebensfreude und Lebensqualität komme!
Liebe Abendröte mach dich nicht verrückt! Vielleicht haben manche das große Glück mit ihrem Mann oder engster Familie und den dann folgenden Personen! Aber ich bin der festen Überzeugung, dass das nicht sofort geht und ein längerer und andauernder Prozess ist!
Bin scheinbar aus der Übung mit dem Schreiben oder meine Else hat es verlernt oder hat gestreikt. Habe den Bericht vor Stunden diktiert und mich jetzt gewundert, dass er nicht da war!
Schick in jetzt noch ein Mal ab, zwar zeitverzögert. Und hoffe, dass es endlich klappt und die viele Schreiberei nicht für die Katz war.
Wünsche Euch allen eine gute und erholsame Nacht