Meinem Vater geht es immer noch sehr schlecht - von Tag zu Tag schlechter. Meiner laienhaften Meinung nach liegt er im Sterben, denn viel schlechter kann es eigentlich keinem Menschen gehen. Aber irgendwie relativieren die Ärzte das ... "ja, die Prognose ist sehr schlecht, aber man weiß es nie und das Delir könnte sich auch noch wieder bessern .... !"
Als meine Mutter gestorben ist, da kündigte sich das an - sie war herzkrank und dialysepflichtig und irgendwann wurden ihre Werte so schlecht und sie selbst wollte es auch, dass die Dialyse eingestellt wurde und sie nur noch mit Schmerz- und Beruhigungsmitteln versorgt wurde. Da wussten wir, es ist nur noch eine Frage von wenigen Tagen - und so war es dann auch. Wir haben Urlaub genommen und waren bei ihr, die letzte Nacht habe ich bei ihm im KH-Zimmer geschlafen. Das war, obwohl natürlich traurig, auch irgendwie schön, rund um die Uhr war jemand bei ihr. Und auch für mich war es sehr tröstlich, meine Familie um mich zu haben - wir haben uns getroffen, abgewechselt, wir hatten uns zum Reden.
Nun bin ich allein.
Da ja niemand weiß, wie lange es dauert, kann ja niemand so lange Urlaub nehmen. Ich bin krank geschrieben - ich bin also da und kann ins KH fahren. Natürlich unterstützt mich mein Bruder und auch mein Mann ... aber wie gesagt, die müssen ja arbeiten und sind auch örtlich viele Kilometer entfernt, so dass sie nicht auf Zuruf kommen können. Ich selbst leide an Depressionen, Angstzuständen, Panikattaken ... da kann sich jeder vorstellen, wie schwer mir die Betreuung eines Sterbenden fällt. Noch dazu allein. Ich halte die Besuche eher kurz - anders geht es für mich nicht - aber gleichzeitig habe ich auch schlechtes Gewissen, obwohl mein Vater nicht mehr viel von den Besuchen mitzubekommen scheint.