Hallo alle,
ratet mal, wer schon wieder zuhause ist?
Die Klinik hat mich "rausgeworfen". Ich bin gestern hingefahren, alle waren sehr freundlich zu mir, wegen meines Autismus ist mir sogar ein Einzelzimmer ermöglicht worden... alles klang gut und ich hatte ein super Gefühl (war vorher ja noch nie irgendwo stationär).
Dann kam das Gespräch mit dem Arzt. Der wurde sofort schonmal motzig, weil in einem meiner Arztbriefe der Hausarzt empfohlen hatte, dass ich nach xy in die Uniklinik gehen soll und falls sich dort nichts ergibt, dann in diese Schmerzklinik. (Mit der Uniklinik war die dortige Rheuma-Ambulanz gemeint, in der ich ja letztendlich gar nicht untergekommen bin.) Er meinte dann gleich: "Achso, erst gehen Sie dahin und wenn Sie da nicht zufrieden sind, sind wir die zweite Wahl?" Dabei hatte Rheuma-Ambulanz und diese orthopädische Schmerzklinik doch überhaupt nichts miteinander zu tun.
Nunja, da war ich schon etwas eingeschüchert. Ich musste dann nochmal aufzählen, was bisher gemacht wurde und bei welchem Arzt usw. Über die eigentlichen Symptome wurde nur mega kurz gesprochen.
Daraufhin hat er einen Zettel genommen und angefangen, Medikamente aufzuschreiben. Dreimal täglich Novalgin plus Ortoton plus noch was anderes. Das sollte ich ab sofort nehmen. Da sind mir erstmal die Kinnladen runtergefallen und ich hab angemerkt, dass ich das gerade vom Sinn her nicht so ganz verstehe. Es war ja noch nichts gemacht worden, keine Untersuchung, kein Gespräch darüber, welches Therapieziel wir haben, gar nichts.
Ich hab dann versucht, ihm zu erklären, dass meine Rückenschmerzen ja nur nachts sind. Und dass ich in die Klinik geschickt wurde, weil es bisher keine Idee über die Ursache gibt und ich ambulant nicht mehr weiterkam (überall ewige Wartezeiten, dann die ganze Organisation, die mich zuletzt doch sehr überfordert hat usw.). Dass ich wahrscheinlich auch Krankengymnastik o. Ä. bräuchte, aber so, dass der Physiotherapeut vielleicht auch mal Rücksprache mit einem Arzt halten kann, eben weil es bisher oft erstmal nach hinten los ging. Ich bräuchte eine Strategie, die ich auch zuhause mit einem Physiotherapeuten vor Ort weiterführen kann. (Die Physiotherapeuten hier hatten mich ja auch wieder weggeschickt und mir geraten, erst mit einer Diagnose wiederzukommen).
Bezüglich der Medis hatte ich vieles zuhause ja schon ausprobiert. Ortoton hatte mir überhaupt nicht geholfen. Novalgin schon, aber ich wurde ja in die Klinik geschickt, weil ich eben nicht komplett ohne Diagnose jetzt auf unbestimmte Zeit (für immer???) Schmerzmittel nehmen wollte und fertig. In der Dosis, die er mir da verordnet hat (viel mehr, als ich vorher genommen hatte!), wäre ich ab sofort komplett schmerzfrei gewesen. Aber dafür hätte ich ja nicht in die Klinik gehen müssen?? Ich hätte dann ja nicht mal beurteilen können, wie die Therapien auf mich wirken etc., die ich zuhause ja gerne erstmal ohne Medikamente weitermachen würde.
Langer Rede, kurzer Sinn: Über Therapieziele sprechen, weitere Diagnostik versuchen, falls möglich, und Therapien ausprobieren in Rücksprache mit einem Arzt vor Ort - all das geht in dieser Klinik nicht, ohne die Palette an Medis einzuwerfen. Ich hab dann noch versucht zu sagen, dass es ja noch Medis gibt, die bisher nicht ausprobiert wurden und vielleicht einen Erkenntnisgewinn bringen könnten (Cortison etc.): Hat ihn nicht interessiert. Auch mit der Frage, welches Therapieziel ER denn verfolgt, konnte er nix anfangen. Irgendwann rückte er damit raus, dass man das so, wie ich mir das vorstellen würde, nicht bei der Krankenkasse abrechnen könnte. Und dann sagte er: "Okay, dann müssen wir das hier abbrechen. Therapien gibt es hier nur zusammen mit Medis, nicht umgekehrt. Wenn Sie Krankengymnastik und Massagen machen wollen, müssen Sie in eine Reha-Klinik gehen, dann sind Sie hier falsch."
Er hat dann noch dreimal betont, soviel Zeit wie mit ihm jetzt würde ich sonst bei keinem Arzt bekommen und ob ich jetzt besser auf der rechten oder linken Seite schlafen würde - da würde ich auch keinen Arzt finden, der mir das sagt.
Und das war's dann. Er hat aufgeschrieben, dass eine Behandlung nicht möglich gewesen wäre, weil ich die Medikamentengabe verweigere, und mich nachhause geschickt. Ich war komplett eingeschüchtert, hab mich noch mehrmals dafür entschuldigt, seine Zeit geraubt zu haben und dass ich jetzt umsonst ein Zimmer belegt hab, hab meinen Koffer wieder eingepackt, noch vier Stunden lang heulend vor der Klinik gesessen, bis mein Freund mich wieder abholen konnte - und dann war ich wieder zuhause.
Ich bin immer noch mega geschockt. Weiß gar nicht, was ich jetzt machen soll. Ich habe aus der Klinik auch nichts mitbekommen, keine schriftliche Weiterempfehlung, keinen Krankenschein für die Arbeit. Mit sowas hatte ich einfach überhaupt nicht gerechnet.
War ich da wirklich mit meinem Anliegen komplett an der falschen Stelle? MUSS man in einer Schmerzklinik zu allererst mit Schmerzmitteln anfangen, weil das sonst die Krankenkasse nicht akzeptiert? Gibt es keine Klinik, in der erstmal Diagnostik (vielleicht sogar interdisziplinär?) weitergeführt wird, wenn noch keine Diagnose besteht, und bei der man einen Therapieplan erarbeiten kann für zuhause?
Falls ich mich jetzt gar nicht rühren könnte vor Schmerzen, eine komplett kaputte Wirbelsäule oder Hüfte hätte wie meine Tante, oder wenn ich nachgewiesen eine chronische Erkrankung wie entzündliches Rheuma hätte, bei der man nunmal Medis nehmen sollte, um schlimmere Schäden zu verhindern - all das würde ich ja einsehen. Aber warum bei meinen Symptomen nicht andersrum beginnen und die Medis einsetzen, wenn sonst nichts wirkt? Ist mein Anliegen wirklich soooooo weltfremd, wie dieser Arzt das dargestellt hat?
Ich bin einfach nur noch geschockt, wie das abgelaufen ist
