B.one,
es gibt Situationen, wie z.B. lebensgefährlich erkrankt auf einer Intensivstation, die ein Wechsel des Arztes bzw. des Krankenhauses unmöglich machen.
Wenn dann in solch einer existentiell bedrohlichen Situation, das Handeln und die Entscheidungen des dich behandelnden Arztes nicht evidenzbasiert (wie es offenkundig war und später auch so von dritter Seite bestätigt wurde), sondern vor allem von der Herkunft des Patienten geleitet werden, dann geht das weit darüber hinaus, dass die Chemie nicht stimmen könne.
Zugegeben ist das eine Ausnahme und bestimmt nicht den Arzt-Patienten-Alltag.
Aber z.B. das Problem, das ich letzten Herbst im KH hatte, was hier schon so einige im Forum auch erlebt haben.
Ich muss wegen unerträglichen Magenschmerzen (und ich bin Magenschmerzen gewöhnt, (mein Mann vermutete einen Magendurchbruch) in die Notaufnahme. Dort hat man die gleiche Vermutung wie mein Mann, null Wartezeit, sofort beginnen die Untersuchungen. Das Resultat ist, dass sich Unmengen an Gallensäure im Magen befinden. Galle, Bauchspeicheldrüse etc. waren alle vollkommen in Ordnung.
Sowohl der mich untersuchende Gastroenterologe in der Notaufnahme, wie auch der für mich zuständige Stationsarzt auf der Gastro, stimmen darin überein, dass es in keinem Fall die Galle ist, sondern die viele Gallensäure im Magen.
Der Gastro in der Notaufnahme warnt mich auch noch davor, dass z.Z. auf der Gastro-Station gern viele Gallenleiden diagnostiziert werden.
Bei jeder Visite erklärt mir der Stationsarzt den Zusammenhang zwischen diesen unerträglichen Magenschmerzen und der vielen Gallensäure in meinem Magen. Am 3. Tag ist Oberarztvisite und der fragt seinen Stationsarzt, ob es denn nicht die Galle sein könne. Dieser verneint mit Hinweis auf die Klinik und all den Untersuchungen (CT, Sono, Schall, Blutuntersuchungen) und verweist auf den Befund der Magenspiegelung.
Der Oberarzt beharrt aber darauf, von der Frage zur Diagnoseänderung in wenigen Minuten. Plötzlich weist er den Stationsarzt an, dies so zu vermerken und für mich einen OP-Termin in der Chirurgie zu vereinbaren.
Ich habe natürlich versucht, mit diesem Oberarzt zu reden, erfolglos. Er meinte , dass er der Mediziner wäre und nicht ich. Auf meinen Einwand, dass seine Kollegen, die die Untersuchungen befundet hätten, auch Mediziner wären, hat er nur sehr verägert reagiert und dreist behauptet, dass ich das missvertanden hätte. Nur hatte sein Stationsarzt genau dies versucht, ihm vor ca. 1 Minute zu erklären
Ich lehnte eine OP-Termin-Vereinbarung ab. Zum Glück (und das kann ich nur jedem raten) hatte ich meine Akte mitbekommen, als ich nochmals zur Sono sollte (bestand der Oberarzt darauf). So ging ich mit der Akte auf Toilette und fotografierte mit dem Handy die Befunde des CT, der ersten Sono und v.a. der Magenspiegelung und was handschirftlich vermerkt war, nämlich Galle o.B.
Denn in meinem Entlassungsbericht steht, dass die Magenspiegelung o.B. ergab und dass in der Sono eindeutig eine verdickte Gallenblase und ein Ödem (so ähnlich, müßte sonst jetzt nachschauen) sichtbar wäre.
Ich habe dann aber sogar noch einmal die Gelegenhet gehabt auch den Befund der 2. Sonographie der Gallenblase zu fotografieren und auch die war o.B.
Ich habe versucht mit Hinweis auf beide Sonografiebefunde, des CT-Befunds, der Blutergebnisse eine Korrektur des Entlassungsberichts zu erwirken, leider erfolglos. Ganz im Gegenteil, man drohte mir gegen mich vorgehen zu wollen, weil das Fotografieren meiner Befunde angeblich nicht rechtmäßig gewesen sei (was natürlich nicht stimmt, sowohl mein gesunder Menschenverstand als auch eine diesbezügliche juristische Beratung ergab das Gegenteil).
Ich kann jetzt natürlich versuchen dagegen juristisch vorzugehen und in langwierigen juristischen Auseinandersetzungen, eine Korrektur dieses Entlassungsbriefs zu erzwingen, aber soviel Zeit und Kraft brauche ich für meine Gesundheit.
Wenn ich nun bei zukünftigen Krankenhausaufenthalten die falsche Diagnose entkräften möchte, muss ich mich outen und mitteilen, dass ich die Befunde abfotografiert habe. Das könnte von Anfang an zu Missstimmungen führen und ist für das Arzt-Patienten-Vertrauensverhältnis nicht sehr förderlich.
Den Ärzten zu denen ich ein gutes Vertrauensverhältnis habe, habe ich es bereits wissen lassen. Meinem verunfallten Hausarzt habe ich alles per Email gesendet, die abfotografierten Befunde und den Entlassungsbrief.
Ich möchte diesen Text nicht noch länger werden lassen.
Aber als ich ein Jahr lang an einer Schilddrüsenüberfunktion litt, konsultierte ich zig Ärzte. Das Wechseln, so wie du es empfiehlst O.bone, brachte in diesem Fall rein gar nichts. Immer endete alles mit einer Empfehlung zu einer Psychotherapie. Geendet hat das dann, wie ich hier bereits ausführlich erzählte, viele Wochen auf einer Intensivstation.
Aber, wie ich oben bereits erläuterte, habe ich auch sehr gute Erfahrungen mit Ärzten gemacht. Hier ging es darum, dass man jeden, solange es nicht beleidigend wird, kritisieren darf und zwar ganz unabhängig von seinem Beruf.
Denn unfehlbar und v.a. unantastbar ist niemand, auch Ärzte nicht.