Hallo,
da wird mir Angst und Bange. Alles, was gedacht werden kann, kann irgendwann Wirklichkeit werden.
Ob innerhalb oder außerhalb der Psychiatrie: der Arzt schläge vor, berät nur, der Souverän bleibt der Patient. Ein Psychiater, der sich nur unter Psychiatern aufhält, die alle die gleine Ansicht haben, ein widersprechender Patient sei nicht krankheitseinsichtig und deswegen könne man mit ihm nach sonst unüblichen (weil ohne Zustimmung verbotenen) Maßnahmen umgehen, wird bald wirklich daran glauben, es sei erlaubt. Wer kontrolliert denn dann den/die Psychiater, der behauptet, der Patient sei eben nicht krankheitseinsichtig, wenn er der Behandlung widerspricht? Was kann die Psychiatrie nicht alles erklären, und mit wieviel Erklärungsmodellen "beweist" sie uns "wissenschaftlich" in "unabhängigen" Gutachten, damit im Recht zu sein? Das ist keinesfalls auszuschließen. Dass in bestem Willen so gedacht und gehandelt wird, macht es nicht besser -im Gegenteil. Das ist für mich ne Sache des Respekt vor anderer Leben und So-Sein.
Und das soll jetzt auf Schwerkranke außerhalb der Psychiatrie zugelassen werden? Auch der Staat ist niemandes Vormund, wie er auch nicht Garant fürs ewige Leben sein kann. Dann wäre ich wohl vor rd. 12 Jahren wegen Krankheitsuneinsichtigkeit leicht ein psychiatrischer Patient gewesen, weil ich ein Immunsuppressiva abgelehnt hatte -und das, weil ich keine Übersicht, keine Kenntnis zu Morbus Wegener, insofern auch keine Einsicht entwickeln konnte, unbehandelt aber innerhalb von ein paar Monaten hätte sterben können, was ich aber auch nicht wußte. Naja, das Beispiel hinkt ein bißchen. Jedenfalls hat der Arzt -trotz versuchter Aufklärung- meine Entscheidung respektiert. Diesen mir entgegengebrachten Respekt vor meiner Entscheidung rechne ich ihm hoch an.
Welches Menschenbild steckt überhaupt hinter dem Gedanken von Zwangstherapie? Das eines (trotz Krankheit) noch freien und selbstbestimmten Geschöpfes mit innewohnenden Rechten? Sicher nicht. Das von Ärzten, die über einem Patienten stehen? Hm, möglich. Diese Rechte aber werden übrigens nicht vom Arzt verliehen, insofern sind sie auch nicht, von wem auch immer, zu nehmen. Mein zutiefst liberales Herz steht Kopf! Ich werde in meine Vorsorgevollmacht einen Passus zu Medikamentengaben und -ablehung aufnehmen, und der Bevollmächtigte ersetzt meine Krankheitseinsicht und gibt meiner Ablehnung für solche Situationen eine Stimme.
LG