... nichts für ungut, aber grad fällt mir doch fast das Essen aus dem Gesicht ...
Wenn ein Unternehmen, ein Medikament vom Markt nimmt, weil es gewisse Risiken gibt, die im Zweifelsfalle erst jetzt bekannt werden (dies kann und will ich nicht abschließend beurteilen), dann wundert es mich doch sehr, wenn die Infos zu einer Sammelklage prompt die Runde machen.
Damit will ich denjenigen, die einen Schaden durch dieses Medikanment erlitten haben, ihr Recht auf Schadenersatz nicht streitig machen, ganz im Gegenteil.
Meine ganz persönliche erste Reaktion auf diesen Beitrag: im Grunde genommen können mir als Pharmaunternehmen die Schmerzen der Rheumakranken mal völlig egal sein, also verlege ich mein Geschäft auf banale Vitamin- und Nahrungsergänzungsprodukte (auch damit läßt sich heute genug Geld verdienen), anstatt in die Entwicklung neuer Medikamente zu investieren, wenn nachher doch nur die Klage droht.
Ich will damit weiß Gott keinen Freibrief für "Schlamperei" zu Lasten der Patienten ausstellen, aber bleiben wir mal realistisch: jeder, der sich ein wenig mit den Medikamenten, die er nimmt, beschäftigt, weiß, daß er keine Bonbons nascht. Risiken gibt es, viele sind bekannt, einige werden wahrscheinlich so selten auftreten, daß der Zusammenhang zu einem bestimmten Medikament nie hergestellt wird.
Irgendwie erinnert mich der Hinweis an folgendes Szenario: ein Flugzeug stürzt ab, und da ich letztes Jahr mit einem Flugzeug dieses Herstellers geflogen bin, klage ich erstmal ...
Wollen wir doch bitte die Kirche im Dorf lassen: Wer Schaden durch Vioxx erlitten hat, dem steht der Rechtsweg zur Durchsetzung seiner Ansprüche zu Recht offen. Allerdings halte ich eine "Generalklage", nur weil ich mal VIOXX genommen habe und eventuell ein erhöhtes Risiko haben könnte, für maßlos übertrieben und im Sinne einer Weiterentwicklung von Rheumamedikamenten sogar für kontraproduktiv.
Vielleicht bin ich, berufsbedingt, da etwas pragmatischer als normal, aber ich bin jahrelang Hubschrauber geflogen und habe genug meiner Kameraden durch Abstürze verloren, aber ich bin jederzeit wieder eingestiegen und geflogen - das Risiko war bekannt und in gewisser Weise kalkulierbar.
Noch einmal, es gibt ein paar alte, aber zutreffende Gesetzmäßigkeiten, angefangen von Actio = Reaction. Keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Der neuere Begriff der unerwünschten Wirkung ist meines Erachtens sogar zutreffender. Und derjenige, der glaubt, alle Wirkungen, ob erwünscht oder unerwünscht, eines Medikamentes auf den menschlichen Körper umfassend zu kennen und jedes Risiko kalkulierbar machen zu können, der, davon bin ich überzeugt, lügt.
Wer weiß, was mir in zehn oder zwanzig Jahren infolge der längerfristigen Konsums von Leckerli wie MTX, Ibuprofen, Cortison oder sonstigem passiert. Ich weiß es nicht, aber ich weiß, daß diese Mittel ihre (derzeit) positive Wirkung haben, und daß ist nun wirklich ein Gewinn.
Ich will damit nicht sagen, daß wir den Pharmakonzernen pauschal ewig dankbar sein sollen für ihre uneigennützige Linderung unsere Schmerzen und Leiden, aber irgendwo muß alles im Rahmen bleiben. Wer vorsätzlich oder fahrlässig einen anderen schädigt, der soll auch dafür haften, aber die pauschle Werbung für eine Sammelklage, weil es mal wieder einen Grund gibt, finde ich ausgesprochen sonderbar. Noch haben wir im deutschen Schadensersatzrecht keine amerikanischen Verhältnisse erreicht, aber sollte es soweit kommen, dann können wir uns beim Rheumatologen vielleicht noch unsere Smarties und sonstige Bonbons abholen, aber Medikamente werden wir nichtmehr bekommen, daß Risiko von Schadensersatzansprüchen könnte unkalkulierbar werden.
In diesem Sinne alles Liebe und Gute
Robert
der sich morgen in die Hände seiner Rheumatologin begibt und sicher ist, daß er von ihr nach bestem Wissen und Gewissen behandelt wird und ihr einfach, auch hinsichtlich der Medikamente, vertraut ...