Die Disziplin Psychiatrie entspringt dem ehemaligen Fachbereich
Nervenheilkunde, der auch das Gebiet der heutigen
Neurologie umfasst. Im Zuge des medizinischen Fortschrittes haben sich innerhalb der Psychiatrie viele Spezialfächer entwickelt, die eine eigene Erwähnung verdienen. Dabei ist im Besonderen festzustellen, dass das Wesen der Psychiatrie vor allem in der Erkenntnis des Zusammenwirkens psychosozialer
und biologischer Faktoren auf den psychopathologischen Befund des Patienten liegt. So ist es nicht verwunderlich, dass neben den psychologischen Disziplinen innerhalb der Psychiatrie auch viele Teilbereiche biologisch-naturwissenschaftlicher Art zu finden sind:
Die
Psychopathologie beschäftigt sich mit den Formen eines (krankhaft) veränderten Gefühls- bzw. Seelenlebens. Hierbei geht es um das Studium der Ursachen und Prozesse in der Entwicklung psychischer Erkrankungen und die Beschreibung ihrer Symptome bzw. Erscheinungsweisen.
Die
biologische Psychiatrie ist ein Sammelbegriff für psychiatrische Forschungsansätze, die auf biologischen Methoden beruhen. Dazu zählen
neuroanatomische,
neuropathologische,
neurophysiologische,
biochemische und
genetische Ansätze.
Die
Psychopharmakologie und
Psychopharmakotherapie beschäftigen sich mit der Beeinflussung des Seelen- bzw. Gemütszustandes durch Medikamente. Diese
Psychopharmaka machen heute den weitaus größten Teil der somatischen Behandlungsmethoden in der Psychiatrie aus.
Die
Allgemeinpsychiatrie ist der klinische Teil des Faches, welcher sich mit den psychischen Erkrankungen und Störungen des Erwachsenenalters beschäftigt. Die Akutpsychiatrie behandelt psychiatrische Notfälle.
Die
Militärpsychiatrie befasst sich mit geistigen Störungen innerhalb militärischer Konstellationen mit dem Ziel, die Gesundheit von so vielen Militärangehörigen wie möglich sicherzustellen sowie auch mit der Behandlung der infolge von psychischen Erkrankungen als untauglich angesehenen Armeeangehörigen.
In der
Suchtmedizin werden Patienten mit stoffgebundenem (Alkohol, Nikotin, Cannabis, Heroin etc.) oder stoffungebundenem (Spielsucht etc.) Missbrauchs- oder Abhängigkeitsverhalten behandelt.
Gerontopsychiatrie wird allgemein als Psychiatrie für Menschen im höheren Lebensalter verstanden, wobei das Lebensalter (60 Jahre) nur eine ungefähre Richtmarke ist. Dabei geht es zum einen um Menschen, die bereits in jüngeren Jahren psychisch erkrankt sind und deren Behandlung unter Berücksichtigung altersbedingter Besonderheiten fortgesetzt werden muss, und zum anderen um Menschen im höheren Lebensalter, deren psychische Erkrankung aus dem Alterungsprozess resultiert.
Die
Forensische Psychiatrie befasst sich mit der Behandlung und Begutachtung von psychisch kranken und suchtkranken Rechtsbrechern (siehe auch
Maßregelvollzug).
Die
Kinder- und Jugendpsychiatrie genannte Unterdisziplin ist ein eigenständiges medizinisches Fachgebiet geworden. Sie befasst sich mit den psychischen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen bis maximal zum 21. Lebensjahr.
Die
psychosomatische Medizin ist aus der Psychiatrie hervorgegangen, stellt aber ein eigenes Fachgebiet dar und ist meist der
Inneren Medizin zugeordnet. Sie beschäftigt sich mit Erkrankungen, bei denen Wechselwirkungen zwischen psychischen und körperlichen Faktoren (
Psychosomatik) wesentlich sind.
Die
transkulturelle Psychiatrie befasst sich mit den kulturellen Aspekten der Ätiologie, der Häufigkeit und Art psychischer Störungen sowie mit den sogenannten
kulturgebundenen Syndromen.
[h=2]Sozial- und Gemeindepsychiatrie[/h] Mit dem Begriff
Sozial- und Gemeindepsychiatrie wird das Konzept der sogenannten gemeindenahen psychiatrischen Versorgung umschrieben. Es sieht vor, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen genauso wie Menschen mit körperlichen Erkrankungen in der Nähe ihres Wohnortes behandelt werden können.