Ein paar Gedanken dazu
man sollte berücksichtigen, dass es eben auch andersherum geht, also nicht psychosomatisch, sondern somatopsychisch. Sicherlich kann man sich fragen, wer war zuerst da, die Henne oder das Ei.... und natürlich kann es auch sein, dass während der Anamnese etwas übersehen wird ( wenn man sich medizinische Fachbücher anschaut, dann verwundert das auch nicht, es wird dort nahegelegt, vor allem die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung zu berücksichtigen ) und fälschlicherweise eine psychosomatische Erkrankung diagnostiziert wird. Wenn aber ein Mensch körperliche Probleme und Symptome hat, dann sollte doch zunächst abgeklärt werden, ob diesen eine Erkrankung zugrunde liegt. Mein Eindruck, insbesondere bei weiblichen Patienten ist, dass sehr schnell die Schublade "psychosomatisch" aufgezogen wird. Man muss nur sagen " Kopfschmerzen / Bauchschmerzen / Herzrasen / SCHMERZEN (!!!) - zack, ganz klar, psychosomatisch. Vor allem, wenn man attraktiv ist, kann es ja gar nicht sein, dass da eine organische Erkrankung hinter stecken kann. Wenn man genau schaut und sucht, dann gibt es sicher kaum einen erwachsenen Menschen, der frei von Sorgen und Nöten ist. Die Frage ist, wie geht der / diejenige damit um ? Erst wenn man keine adäquaten Möglichkeiten hat und es vor allem nie gelernt hat, diese seelischen Probleme zu kanalisieren und / oder damit umzugehen, manifestieren sich psychosomatische Erkrankungen ( nicht bei allen natürlich ). Eine Depression ist nebenbei KEINE psychosomatische Erkrankung ! Anders als vielleicht depressive Verstimmungen - man muss hier schon genau abgrenzen. Ebenso die psychiatrischen Erkrankungen - hat GAR nichts mit Psychosomatik zu tun.
Die Ausprägungen einer psychosomatischen Erkrankung können mitunter sehr dramatisch sein, jedoch wird man KEINE spezifischen Werte beispielsweise im Labor, EKG etc. nachweisen.
Und hier unterscheidet sich dann die Autoimmunerkrankung - genau wie viele andere Erkrankungen - von der Psychosomatik . Kein Mensch würde bei einem erkranktem Säugling z.B. an psychosomatische Erkrankung denken. Da läuft einfach etwas "schief" im Bauplan, auch die Natur ist nunmal nicht perfekt.....es gibt Ansätze wie in der anthroposophischen Medizin, wo Ursache und Wirkung und auch der familiäre Kontext eine Rolle spielen, jeder also "eine Aufgabe" hat, aber damit kann ich mich gar nicht identifizieren, auch wenn es interessant ist, sich damit auseinander zu setzen. Ich erlebe, dass viele chronisch Kranke sich schuldig fühlen, versuchen, "ihre Laune zu verbessern" , an sich zu arbeiten, Kerzen aufstellen, Tee trinken, Buddhist werden und in allem und jedem einen tieferen Sinn versuchen wollen zu verstehen..... ( Achtung : Ironie an und auch Übertreibung

). Gerade in unserer Zeit, in der "man" immer gut gelaunt, aktiv, jung und voller Elan und Energie sein soll, hat man als chronisch Kranker das Gefühl, ein Totalversager zu sein - und fängt an, sich selbst unter Druck zu setzen und nach Gründen zu suchen - denn so besteht ja auch ein wenig die Möglichkeit der "Kontrolle" ( Kontrollverlust ist eine der Ursachen für somatopsychische Symtome ) und die Hoffnung einer Heilung. Manchmal funktioniert es ja auch, denn - und das glaube ich sicher - das wollen und das Glauben an etwas kann Kräfte frei setzen und vieles bewirken.... aber ohne Garantie !!! Kein Umkehrschluss !!
Sich mit seiner Seele und seiner Psyche auseinanderzusetzen, gerade auch im Hinblick auf die Einschränkungen, die jede chronische Erkrankung mit sich bringt, ist wichtig. Zu lernen, jeder auf seine Art, wie es sich am Besten lebt, was einem gut tut - klar. Und wenn man "gut drauf" ist und schöne Erlebnisse hat, spürt man seine Schmerzen in dem Moment nicht so - auch klar.
Aber Rheuma im Sinne einer psychosomatischen Erkrankung zu verstehen - no way.
Persönlich noch eine Anmerkung : durch Schmerzen bin ich manchmal "nicht gut drauf". Ich verstelle mich auch nicht ( mehr ), sondern sage auch, " heute gehts mir nicht so gut, ich muss alles etwas langsamer angehen". Da kommt dann schonmal die Frage " kommen die Schmerzen vielleicht daher, weil es dir nicht so gut geht ?" ----- und mittlerweile macht mich das wütend. NEIN, denn ohne die Schmerzen ginge es mir blendend... nicht immer und jeden Tag, das wäre ja auch utopisch, nur Idioten laufen mit einem Dauergrinsen durch die Gegend. Bei mir kommt aber der Appell an " Hypochonder".... und ich fühle mich in einer Verteidigunssituation.
Denn natürlich leidet die Seele, wenn man chronisch krank ist. Hat sich doch keiner so bestellt im großen Universum " jo, ich hier, ich nehm dann mal Lupus, am besten gleich die große Nummer, mit Organbeteiligung und so, wär ja sonst auch zu langweilig, das Leben.. !"
Psychosomatisch - Somatopsychisch : ein Unterschied !! Von daher sollten es meiner Meinung nach auch andere therapeutische Konzepte geben....
Gute N8 @ alle wünscht Tina
Ps. @ liebe Gitta, Studien in den USA haben ergeben, dass bei Studenten, denen Schlaf enzogen wurde, also eine künstliche Stresssituation geschaffen wurde, ähnliche Symptome auftraten wie bei Soldaten mit einem posttraumatischen Syndrom und diese wiederum zum Bild einer Fibromyalgie passten. Da kann ich mir Zusammenhänge mit seelischen / psychischen Belastungen wohl vorstellen, zumindestens im Sinne einer Verstärkung. Was auch immer Fibro genau ist, denn das weiß man ja letztlich immer noch nicht wirklich, ist es zumindestens nach derzeitigem Wissen jedoch keine entzündliche rheumatische Erkrankung. Ich bin bei der Frage " Rheuma - psychisch - psychosomatisch" schon von den entzündlichen Formen ausgegangen, die sich im Sinne einer klassischen Autoimmunerkrankung ausprägen.