Heinz Erhard

Fast eine Fastenkur

Alte Brötchen. Saure Weine.
Ein Salatblatt. Guß auf Beine.
Hunger nagt im Magen-Sektor.
Und er knurrt. Wie draußen Hektor.


Will nicht mehr gesund und schlank sein!.
Will dann lieber dick und krank sein!


Kehrt zurück, ihr großen fetten
Schnitzel oder Schweinskotletten
und auch ihr, ihr Leibbeschwerden!
Bin es satt, nie satt zu werden!
 

Anhänge

  • erhardt.jpg
    erhardt.jpg
    1,8 KB · Aufrufe: 173
Die Sängerin

Reihen, Stühle, braune, harte.
Eintritt gegen Eintrittskarte.
Damen viel. Vom Puder blasse.
Und Programme an der Kasse.
Einer drückt. Die erste Glocke.
Sängerin rückt an der Locke.

Leute strömen. manche kenn ich.
Garderobe fünfzig Pfennig.
Wieder drückt man. Zweite Glocke.
Der Begleíter glättet Socke.
Kritiker erscheint und setzt sich.
Einer stolpert und verletzt sich.

Sängerin macht mi-mi-mi.
Impresario tröstet sie.
Dritte Glocke. Schrill und herrisch.
Sie erscheint. Man klatscht wie närrisch.
Jemand reicht ihr zwei Buketts,
Dankbarkeit für Freibillets.

Und sie zuckt leis mit den Lippen.
Beugt sich vor, als wollt sie kippen.
Nickt. Der Pianist macht Töne.
Sängerin zeigt weiße Zähne.
Öffnet zögernd dann den Mund.
Erst oval. Allmählich rund.

Und - mit Hilfe ihrer Lungen
hat sie hoch und laut gesungen.
Sie sang Schumann, Lincke, Brahms,
Der Beginn war acht Uhr ahms.
Und um elf geht man dann bebend,
aber froh, daß man noch lebend,
heimwärts. Legt sich müde nieder.---
Morgen singt die Dame wieder.
 

Anhänge

  • sängerin.jpg
    sängerin.jpg
    20 KB · Aufrufe: 173
Hier ist auch noch eins, gehört zwar schon in die Osterzeit, aber urig ist es doch:

Ein Ostergedicht

( von Heinz Erhardt,
* 20. Februar 1909, † 5. Juni 1979 )

Wer ahnte, daß zum Weihnachtsfest
Cornelia mich sitzenläßt?

Das war noch nichts: zu Ostern jetzt
hat sie mich abermals versetzt!

Nun freu ich mich auf Pfingsten –
nicht im geringsten!
 
Hallo, Schwan!

Schon lange vor der Eisenbahn
gab`s als Transportmittel den Schwan.
Wolltst du verreisen noch so weit:
ein Schwam mit Kahn stand stets bereit!
Du nanntest ihm das Endziel bloß,
stiegst ein, und, hui, schon ging es los!
´
Nun war - ganz in der Nähe vom Grale -
so eine Art von Schwan-Zentrale,
in der errregt ein Herr erschien
und rief: "Ich bin der Lohengrin!
Und haben Sie wohl an der Hand
`nen Schwan? Ich muß gleich nach Brabant!
Ich bitte um ein schnelles Tier,
denn Elsa ruft schon sehr nach mir.
Auch hätt ich - sagen Sie`s der Leitung! -
den Schwan gern mit Musikbegleitung!" -

Was weiter war - und wie`s gewesen,
bitt ich bei Wagner nachzulesen!
 

Anhänge

  • schwaene.jpg
    schwaene.jpg
    10,2 KB · Aufrufe: 125
Der Mathematiker

Es war sehr kalt, der Winter dräute,
da trat - und außerdem war`s glatt -
Professor Wurzel aus dem Hause,
weil er was einzukaufen hat.

Kaum tat er seine ersten Schritte,
als ihn das Gleichgewicht verließ,
er rutschte aus und fiel und brach sich
die Beine und noch das und dies.

Jetzt liegt er nun, völlig gebrochen,
im Krankenhaus in Gips und spricht:
"Ich rechnete schon oft mit Brüchen,
mit solchen Brüchen aber nicht"
 

Anhänge

  • krankenhaus.gif
    krankenhaus.gif
    17 KB · Aufrufe: 130
Zuletzt bearbeitet:
Eine verfahrene Geschichte

Ich sah dich in der Straßenbahn,
sah dich von allen Seiten an,
doch du, mein Schatz, du machtest dir nichts draus!
Ich bot dir meinen Sitzplatz an,
weil ich ja auch mal stehen kann,
doch du, du sagtest "danke" und stiegst aus!

Dies "danke" oh, gab mir den Rest....
Du bist`s, die mich nicht schlafen lässt!

Nun fahr ich mit der Straßenbahn,
wann immer ich nur fahren kann,
doch leider, Schätzchen, treffe ich dich nie!
Mich fragte schon die Schaffnerin,
ob ich wohl nicht bei Troste bin,
doch was, ich bitte Sie, versteht denn die?

Vor Kummer bin ich schon ganz dumm....
Vielleicht ist`s besser, ich steig um?

Nun fahr ich mit dem Autobus,
wann immer ich nur fahren muß,
doch leider werd ich deiner nicht gewahr!
Bist du am Ende gar erkrankt?
Vielleicht verreist? Bist du in Sankt
Maurice, fährst Ski und abends in die Bar?

Werd ich nicht bald verrückt vor Qual,
dann bin ich wirklich nicht normal !
 

Anhänge

  • strassenbahn.jpg
    strassenbahn.jpg
    15 KB · Aufrufe: 172
Ein Männergesangverein

Fünfzig Herren über fünfzig
sitzen um des Tisches Rund.
Und sie essen und sie trinken
und sie wischen sich den Mund.

Da! Der Vorstand schwingt die Glocke,
und es wird ganz mäuschenstill,
denn die Glocke ist das Zeichen,
daß er etwas sagen will.

Und als er genug geklingelt -
ja, das Klingeln macht ihm Spaß -
steht er auf und spricht gewichtig:
na, ich denk, wir singen was!

Der Kapellmeister sucht emsig,
wo die Stimmgabel wohl steckt -
in der hintern Hosentasche
hat er sie endlich entdeckt.

Und er führt zum Ohr die Gabel
und macht "aaaah" - das ist der Ton,
den man nötig für den Einsatz
hat; doch, horch, sie sie singen schon!

Und sie singen viel von Liebe
und von Sehnsucht und vom Mai,
und elf Verse hat dies Liedel,
dann gehet auch das vorbei.

Müde von der Armbewegung
senkt der Dirigent den Stab,
müde von den tiefen Tönen
wischt der Baß den Schweiß sich ab.

Der Tenor erzählt begeistert,
wie ihm heut das "fis" gelang,
und der Bariton, sich räuspernd,
sagt: "Wie gut ich heute sang!"

Doch dann sitzen alle fünfzig
wieder um des Tisches Rund.
Und sie essen und sie trinken
und sie wischen sich den Mund...
 

Anhänge

  • erhardt2.gif
    erhardt2.gif
    2,3 KB · Aufrufe: 157
Die Kuh

Auf der saftiggrünen Wiese
weidet ausgerechnet diese
eine Kuh, eine Kuh.

Ach, ihr Herz ist voller Sehnen,
und im Auge schimmern Tränen
ab und zu, ab und zu

Was ihr schmeckte, wiederkaute
mit der Schnauze, dann verdautse
und macht muh, und macht muh.

Träumend und das Maul bewegend
schautse dämlich in die Gegend,
grad wie Du, grad wie Du.
 

Anhänge

  • kuh.jpg
    kuh.jpg
    123,9 KB · Aufrufe: 159
Gänseblümchen

Ein Gänseblümchen liebte sehr
ein zweites gegenüber,
drum rief`s: "Ich schicke mit `nem Gruß
Dir eine Biene rüber!"

Da rief das andere: "Du weißt,
ich liebe Dich nicht minder,
doch mit der Biene, das laß sein,
sonst kriegen wor noch Kinder!"
 

Anhänge

  • web. zwei gänseblümchen.jpg
    web. zwei gänseblümchen.jpg
    6,1 KB · Aufrufe: 128
Der Schmetterling

Es war einmal ein buntes Ding,
ein sogenannter Schmetterling,
der war wie alle Falter,
recht sorglos für sein Alter.
Er nippte hier und nippte dort,
und war er satt, so flog er fort,
flog zu den Hyazinthen
und guckte nicht nach hinten.
Er dachte nämlich nicht daran,
dass was von hinten kommen kann.
So kam's, daß dieser Schmetterling,
verwundert war, als man ihn fing.
 

Anhänge

  • schmetterling.jpg
    schmetterling.jpg
    5,8 KB · Aufrufe: 108
Hund und Herrchen

Egal, von welcher Art und Rasse,
ob tief er bellt, ob hoch er kläfft,
der Hund macht alles auf der Straße -
und auf die Straße sein Geschäft.

Die Katze ist da etwas feiner;
sie hat ihr Klo, auf das sie geht,
und wie sie liebt, das sah noch keiner -
man hört es höchstens, abends spät.

Der Hund dankt stets für jede Strafe,
er leckt die Hand, die ihn versehrt.
Er ist des Herrchens treuster Sklave -
doch meistens ist es umgekehrt
 

Anhänge

  • hund.jpg
    hund.jpg
    2,3 KB · Aufrufe: 1.227
Gestern hab ich eine Sendung über Heinz Erhardt gesehen.
Da fiel mir dieser Thread wieder ein, den ich jetzt wieder
nach oben schiebe.
 

Anhänge

  • Heinz Erhardt.jpg
    Heinz Erhardt.jpg
    6,3 KB · Aufrufe: 146
Auch schiebe..

Die Sendung war klasse. Ich habe sie zum Glück beim zappen gefunden.
Gestern war ich Herrin der Fernbedienungen, da geht das.
Liebe Sonntagsgrüße
Gitta
 
Hallo, liebe Gitta,

und ich wollte die Sendung auf DVD aufnehmen,
aber leider hat es nicht geklappt.

Ich selbst hab Heinz Erhardt schon einmal bei einem
Auftritt in einem Neusser Kino
erlebt, das war wohl so Anfang der Fünfziger Jahre.

Viele liebe Grüße
Neli
 

Anhänge

  • Heinz Erhardt 2.jpg
    Heinz Erhardt 2.jpg
    12 KB · Aufrufe: 117
Löwenzahn

Löwenzahn ist schon seit jeher
als höchst kriegerisch verschrien,
denn er läßt bei gutem Winde
Fallschirmtruppen feindwärts ziehn.
Und ich sitz auf der Veranda
und verzehre meine Suppe
und entdecke in derselben
zwei Versprengte dieser Truppe.

Heinz Erhardt
 

Anhänge

  • April 1a 064 400X600.jpg
    April 1a 064 400X600.jpg
    105,9 KB · Aufrufe: 114
Ich mag ihn auch sehr, also dann los


An einen Pessimisten
Jede Sorge, Freund, vermeide,
jedes Weh sollst du verachten.
Sieh die Lämmer auf der Weide:
sie sind fröhlich vor dem Schlachten.
Ahnst du nicht, wie dumm es wär,
wären sie's erst hinterher



Depressionen


Vorvorgestern war ich fröhlich,
vorgestern hat sich's gegeben,
gestern schlug ich Purzelbäume,
heute will ich nicht mehr leben. Solch ein Zustand ist entsetzlich,
mich und meine Umwelt quäl ich,
doch er dauert nicht sehr lange:


erhardt2.gif

morgen bin ich wieder fröhlich!





Nächstenliebe

Die Nächstenliebe leugnet keiner,
doch ist sie oft nur leerer Wahn,
das merkst am besten du in einer
stark überfüllten Straßenbahn.
Du wirst geschoben und mußt schieben
der Strom der Menge reißt dich mit.
Wie kannst Du da den Nächsten lieben,
wenn er dich auf die Füße tritt?



erhardt4.gif
 
dieser Thread ist toll,
wir haben vor ca 3 Wochen ganz verzweifelt nach Heinz Erhard gedichten gesucht,
aber auf die Idee, das hier solche stehen könnten, sind wir leider nicht gekommen.

DANKE!!!!!!
 
Hallo,
mal wieder hoch schieb...


Warum die Zitronen sauer wurden

Ich muß das wirklich mal betonen:
Ganz früher waren die Zitronen
(ich weiß nur nicht genau mehr, wann dies
gewesen ist) so süß wie Kandis.

Bis sie einst sprachen: "Wir Zitronen,
wir wollen groß sein wie Melonen!
Auch finden wir das Gelb abscheulich,
wir wollen rot sein oder bläulich!"

Gott hörte oben die Beschwerden
und sagte: "Daraus kann nichts werden!
Ihr müßt so bleiben! Ich bedauer!"
Da wurden die Zitronen sauer . . .

Heinz Erhardt


Ausserem habe ich ein super tolles Kochbuch entdeckt: http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3830330529/ref=wl_it_dp/303-9478849-2704215?%5Fencoding=UTF8&coliid=I5LWZGKYUA6KT&colid=WLZ5UB9HL6SL

Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
gisela
 
Der Brummer


Der Brummer, der mich so geplagt
und den ich hundertmal gejagt,
und den ich niemals kriegen konnte,
weil er ja leider fliegen konnte,
und der mir manchen Schlaf verdorben,
der Brummer ist, gottlob, verstorben.
Er starb an Bauchweh und Migräne. —
De mortuis nil nisi bene!*
 

Anhänge

  • muecke.jpg
    muecke.jpg
    7,3 KB · Aufrufe: 123
noch zwei Klopfer :-))

Aus dem Schornstein quillt der Rauch....soll er auch!

(darüber kann ich mich immer wieder schräglachen!)

Alle Bäume haben Äste.....

das ist für sie auch das Beste....

sonst wären sie ganz kahl....

und...sähen aus wie ein Pfahl!
​
 
Zurück
Oben