Aloha puffelhexe,
ich faste fast jedes Jahr oder mache jedenfalls den Versuch. Denn manchmal schaffe ich es einfach nicht. Der Einstieg ist auch nach vielen Jahren für mich sehr hart. Zudem habe ich alle 4 bis 7 Tage handfeste Fastenkrisen, in denen ich den Putz von den Wänden lecken könnte, so hungrig bin ich (in diesen Momenten belege ich die Leute, die behaupten, sie hätten nach der Darmentleerung keinen Hunger mehr, mit Schimpfnamen wie "erbärmlicher Aufschneider"). Die vielseitig geprieseneren Fastenhochs erlebe ich selten in der geschilderten Intensität, mein Schlafbedürfnis ist riesig. Klingt furchtbar, ich weiß. Aber: wenn ich mindestens (!) 3 Wochen durchhalte, reduzieren sich meine Beschwerden deutlich - und das für Wochen, manchmal 4 Monate. Wenn. Fasten ist kein Heilmittel für mich, denn es ist eine Rosskur für mich. Weniger als 3 Wochen bringen mir nichts. Ich war vor einigen Jahren mal in einer Buchingerklinik (und danach pleite bis in die Steinzeit). Der begleitende Arzt hat mir erklärt, dass gerade Rheumatiker ( er hielt mich schon lange vor der offiziellen Diagnose für schwer rheumakrank -zurecht, wie ich heute weiß) lange fasten müssen, ehe sich die das Immunsystem regulierende Wirkung einstellt, weil eben dieses so sehr aus dem Ruder gelaufen wäre. Und das strengt an. Alles andere sei Wellness für gestresste Leute, die mal so richtig aus den gewohnten Rhythmen genommen werden und so einen Neustart schaffen können. Ich kann das inzwischen nachvollziehen. Was ich an diesem Arzt sehr angenehm fand, war sein moderner, wissenschaftlicher Ansatz. Er verschonte uns mit den üblichen Märchen und Legenden von Schlacken in Zellen und Geweben. Damit entfielen auch diese rigiden Reinigungszwangansprachen, die ich persönlich immer als sehr freudlos und irgend wie beleidigend empfinde, weshalb ich mich normalerweise von Fastengruppen etc fernhalte. Letztes Jahr war ich in einem Fastenhotel. Da kam sehr viel Halbwissen gemischt mit Hildegard von Bingen Mystik und Mythen sowie jede Menge Reinigung für Körper, Geist und Seele. Total zwanghaft. Gruselig. Der Gipfel war dann die russische Krankenschwester bei der Colonhydrotherapie. Ich hatte dabei Visionen von KGB Folterkellern und sowjetischen Kugelstoßerinnen. Ich hab das dann sein gelassen und weiter mit Glaubersalz "gereinigt". Fazit: ich hab über die Jahre "mein Buchingerfasten" entwickelt. Ich halte mich an die meisten Grundsätze Buchingers. Aber ich genehmige mir bei entsprechend großer Not auch mal einen Löffel Honig, etwas gesalzenen Gemüse- oder Tomatensaft, einen Klecks Naturjoghurt gegen den Eiweißmangel oder ein Tässchen schwarzen Kaffee bei Kopfweh. Ich erspare mir die für mich belastenden Darmspülungen und Einläufe. Manchmal finde ich es angenehmer, in einer Umgebung zu fasten, wo für alles gesorgt wird inkl. medizinischer Betreuung. Manchmal mach ich es lieber für mich allein Zuhause. Manchmal ist es hart. Manchmal sehr hart. Manchmal unmöglich. Es bringt mir viel, wenn ich es schaffe. Es ist für mich ein völliger Ausstieg aus meinem Alltag. Ich gönne mir alle Launen, die damit einhergehen. Ich schlafe so viel, wie ich will und kann. Ich lasse die mein Leben bestimmende Disziplin sausen. Wenn ich es schaffe, sind die Entlastungs- und Aufbautage ein durch die Reduzierung intensiviertes Geschmackserlebnis. Und wie gesagt: die Wirkung kann ich bestätigen. Aber.
Liebe Grüße und alles Gute für Dich!
kitkat