Dann müsste es aber jedes Jahr so sein.
Kann es sein, dass es an der ärztlichen Versorgung liegt, dass so viele Menschen verunsichert sind? Es hat sich ja alles ein wenig geändert.
Ich wurde damals auch nicht wirklich aufgeklärt, erfuhr vieles erst hier, und im Moment stehe ich ohne fachärztlichen Beistand da, denn meine Ärztin wurde aus der Ambulanz abgezogen und ich habe keinen Ansprechpartner fürn Notfall.
Ja, ich kann mir gut vorstellen, dass Du damit ins Schwarze triffst.
Ich weiss, dass ich nicht allein bin mit meiner Kritik am Gesundheitswesen derzeit. Kritikpunkte sind:
1. Patienten werden trotz akuter Probleme abgelehnt oder bekommen Termine angeboten, die erst Monate später liegen.
Das widerspricht jedwedem Verständnis von Medizin. Eine akute Geschichte ist eine akute Geschichte, sie kann eben nicht Wochen oder gar Monate warten.
2. Der Blick über den Tellerrand fehlt.
Egal ob im KH oder ambulant: Schafft der Patient es nicht in Eigenregie, die Fäden in der Hand und einen Überblick zu behalten, laufen die Dinge schief.
3. Medizinisches Personal trifft Entscheidungen, für die es nicht qualifiziert ist - damit schliesst sich der Kreis zu Punkt 1. Die Damen am Empfang können meist nicht beurteilen, wie ein Patient, der wegen akuter Beschwerden anruft, einzuschätzen ist. Wer dann reflektorisch stur Termine nach Verfügbarkeit gibt, lässt Menschen mit teils erheblichem Leidensdruck allein.
Ein Schwank aus der Praxis: Ich war Patientin bei einem Anästhesiologen. Er behandelte mich wegen meiner massiven Migräne. Ich vollzog irgendwann eine radikale Ernährungsumstellung. In den folgenden zwei Jahren reduzierte sich meine Migräne sukzessive sowohl hinsichtlich der Anzahl der Schmerztage, als auch der Intensität der Attacken. Die Ernährungsumstellung griff - eigentlich wunderbar, nicht? Leider führte das auch dazu, dass ich aus der Patientenkartei flog, weil ich die Dienste des Arztes nicht mehr benötigte. Als ich kürzlich anrief, weil ich
AKUT SCHLIMME
Schmerzen (nein, die Migräne ist nicht zurück gekehrt) Schmerzen hatte und
DRINGEND
Hilfe gebraucht hätte, erfuhr ich von der Dame am Empfang lapidar, dass ich als Neupatientin behandelt würde. Eigentlich nehmen sie keine Neupatienten mehr an. Aber weil ich ja schonmal Patientin war, bot sie mir, als ich insistierte, großzügig einen Termin an.
Im April 2019.
Das heisst also konkret, dass ich als Patient besser regelmässig Termine ausmache, um dann mit dem Arzt einen Kaffee zu trinken, in dieser Zeit einem Patienten, der tatsächlich behandlungsbedürftig ist, den dringend benötigten Termin wegnehme, aber dafür in der Kartei bleibe und darauf hoffen darf, zeitnah geladen zu werden, wenn das notwendig wird.
Völlig gaga.