Als mein Opa noch lebte, habe ich oft meine lieben Großeltern angeschaut und gedacht:"Das die so jung geblieben sind, so frisch, vital und zufrieden, kann nur daher kommen, dass ihr Sexualleben intakt ist..."
Das nur mal vorweg, da hat das Zwischnmenschliche nichts anrüchiges und ich glaube fest daran, das in manchen Fällen ein intaktes Liebesleben besser ist, als so manche Medikamente.
Ja, ich kenne die Tage an denen man sich am liebsten verbuddeln möchte, aber ich muss sagen, ich habe wirklich das Gefühl, der Liebesakt und alles was damit zu tun hat füllt meine Akkus auf, ich kann endlich mal drei Stunden am Stück schlafen, mir geht es am nächsten Tag viel besser...
ABER...
...auch erst, seit ich die Diagnose Fibromyalgie habe. Vorher bekam ich auch sehr häufig zu hören :"dir tut doch immer alles weh..." Oder :"am besten ich fasse dich gar nicht mehr an!" Das Tat mir in der Seele weh und nur ich wusste, das der Schmerz ja nun mal da ist, was ich nicht wusste war, ob irgendwas an mir kaputt geht, wenn da diese Schmerzen sind...tief in mir verankert war die Angst, "wenn da etwas so weh tut, kann es doch nicht gut sein, oder? Macht das jetzt alles noch schlimmer?" Deswegen war meine Lust auf Sex sehr dezimiert...
Nach der Diagnose dann brach die große Kriese aus, mein Freund glaubte nichts was nicht greifbar war, er konnte nicht verstehen warum ich mir nicht einfach eine Tablette hole und dann alles wieder gut wird. Er glaubte, ich würde nicht über die richtigen Dinge mit den Ärzten reden, er kam mit zum Orthopäden und bekam das erste Mal mit wie ich eine Art Nervenzusammenbruch hatte, mein Orthopäde (ist auch seiner!) war sehr hilfreich, danach begann der Aufbau unserer Beziehung.
Ich sollte meinem Freund immer jeden Schmerz erzählen, wie stark, wie es sich anfühlt, wo...usw. usf.
Ich hab das keine ganze Woche ausgehalten, es hat mich total fertig gemacht ständig über diese Schmerzen nachzudenken, aber diese knappe Woche hat ihm geholfen zu verstehen, was bei mir abgeht.
Nun passen wir unser Sexualleben an meine Krankheit an, geht es mir gut, freu ich mich, mal mehr zu machen, geht es mir schlecht, freut es uns Beide das wir angenehmen Sex (oder alles andere drum herum) haben und es mir danach auch noch besser geht...ich entdecke da eine ganz neue Seite an meinem Freund und der offene Umgang mit all dem, hat unsere angeknackste Beziehung wirklich sehr gestärkt!
Ich wünsche nur jedem, einen verständnisvollen Partner!