@Tunichtsoviel
Liebe Yvonne,
ich denke, Du bist nicht die Einzige, die sich über Sex und Liebe Gedanken macht, Du hast es lediglich deutlich angesprochen *lächel*
Ich habe den Eindruck, daß es bei Euch nicht bzw. nicht nur um den Sex geht, sondern Dein Mann ein Problem mit Deiner Erkrankung und anderen Erkrankungen hat.
Das ist garnicht selten, eher recht häufig. Männer möchten nicht über Erkrankungen reden. Männer sind stark, groß und männlich und deshalb können sie selbst nicht krank sein bzw. doch nicht über Krankheit reden. Krankheit bedeutet ja auch Verletztlichkeit und viele Männer haben Probleme mit der Verletztlichkeit, mit dem Zeigen von Schwäche und noch viel schlimmer mit dem Zeigen von Tränen.
Häufig ist es aber auch Angst. Angst zu erkennen, daß sie selbst krank und verletztlich sind und auch Angst, daß die geliebte Partnerin krank sein könnte bzw. ist.
Wenn die eigene Frau krank ist, ist nicht immer der männliche Mann gefragt, sondern der verständnisvolle, weiche, zurückhaltende Mann, der Mann der zuhört und nicht selbst redet, der Mann, der nur in den Arm nehmen soll, statt über Sex nachzudenken.
Wenn ein Partner krank ist, müssen beide darüber reden und nicht nur einer. Schließlich muß der gesunde bzw. nicht betroffene Partner wissen, wie sich der kranke Partner fühlt. Geht es ihm gut oder nicht? Hat er Schmerzen oder nicht? Braucht er Unterstützung oder nicht?
Ich habe damals eine Selbsthilfegruppe besucht, die jungen Rheumatiker. Mein Ehemann war der erste Partner, der mit in die Gruppe gekommen ist. Dies hat anderen Partnern den Weg erleichtert. Sie konnten sehen, daß die Schmerzen und Einschränkungen nicht erfunden, sondern tatsächlich vorhanden sind.
Wir haben in der Gruppe auch Freizeitaktivitäten unternommen, die gesunden und die kranken Menschen, so daß die Partner eingebunden waren.
Es ist wichtig miteinander zu reden, aber es ist auch wichtig, es nicht zu zerreden. Es ist wichtig über die Erkrankung zu reden, es ist aber genauso wichtig über andere Dinge zu reden.
Die Akzeptanz der Erkrankung hängt meines Erachtens mit der eigenen Akzeptanz zusammen. Wenn ich meine Erkrankung akzeptiere (oder es versuche), dann hat mein Partner die Chance, sie auch zu akzeptieren.
Dazu gehört Offenheit auf beiden Seiten.
Offenheit ist aber auch notwendig, wenn es um Sex geht. Schmerzen können so schlimm werden, daß allein der Gedanke an eine Umarmung schon Schmerzen verursachen kann.
Solche Situationen häufen sich, wenn sich der Mensch über lange Zeit in einer Schubsituation befindet. Ich kann verstehen, daß der Partner irgendwann "einfach normal lieben und leben will".
In diesem Fall stellt sich mir die Frage:"Wie gefestigt ist die Beziehung". Die Beziehung muß schon sehr gefestigt und gut sein, um eine "Sexfreie" Zeit zu überstehen. Das muß jedes Paar für sich entscheiden, ob und wielange es ohne Sex leben kann.
Wie Elke schon schrieb, wird häufig der Sex weniger, weil Schmerzen und Einschränkungen die Lust nehmen können. ABER weniger heisst nicht zwangsläufig schlechter
Zum Thema "Das Äussere". Ja es stimmt, "das Auge isst mit".
Die Gesellschaft, die Werbung und viele andere Dinge leben (oder schreiben??) vor, wie Frau, Mann, Kind auszusehen hat.
Frau und Mann haben jung, hübsch, schlank und erfolgreich (gesund ist selbstverständlich) zu sein. Ich finde es sehr schlimm, daß der Druck immer größer wird und sich so mancher Mensch diesem Druck beugt.
Ich kenne so manchen kranken Menschen. Ok, die Figur ist nicht mehr wie früher (meine ja auch nicht *g*), der elastische Gang auch nicht *lächel*, aber kennt Ihr diesen Blick, dieses Lachen, diese Lebensfreude, die manchen Menschen aus den Augen springen??? Nein, sie sind vielleicht nicht hübsch, in dem Sinne, wie die Werbung es vorgibt, aber sie haben das, was einen Menschen meines Erachtens ausmacht: Charisma.
Ich bin der vollen Überzeugung, daß jeder seine Art von Charisma in sich trägt. Mal ist es mehr vorhanden, mal weniger. Das ist verständlich, denn man ist ja nicht jeden Tag gleich gut gestimmt.
Aber jeder hat es auf seine Art und dafür ist ganz sicher weder eine Hose in der Größe 38 noch ein sportlicher Gang notwendig.
Viele Grüße
Sabinerin