Guten Morgen, Mara,
ich bin seit meiner Kindheit krank. Es begann mit Ernährungsstörungen, da meine Mutter sich nicht informiert hatte, wie man richtig abstillt. Ich denke, diese Situation, die dazu führte, dass sie in letzter Minute beim Kinderarzt aufschlug, als ich schon sehr dehydriert war, hat den Grundstein gelegt für meine gesundheitlichen Probleme. Es folgte ein allergische Asthma und auch schon früh die Migräne. Ich machte daher schon in der Kindheit erste Erfahrungen mit Kortison.
Mit etwa 15 gesellte sich dann der Morbus Crohn hinzu, der in den folgenden 10 Jahren teilweise so heftig verlief, dass ich dem Tod einmal nur sehr knapp von der Schippe sprang.
In dieser Lebensphase machte ich auch Bekanntschaft mit Sulfasalazin und Azathioprin, allerdings nur kurz, denn ich hatte keinen für mich spürbaren benefit davon. Seither habe ich auf Medikamente aus irgendwelchen Stufenschemata, auch "Basismedikation" genannt, verzichtet.
Im Schub wurde ich deshalb nur mit Kortison behandelt - bei MC steigt man idR recht hoch ein und reduziert dann langsam, bis man ausschleichen kann.
Nachdem 1995 ein stark vernarbter / stenoisierter Darmabschnitt entfernt worden war, wurde die Lage in Sachen MC etwas ruhiger.
Ich lernte in den Jahren, die folgten, wie eine gute Psychohygiene ausschaut, das beruhigte die Lage noch einmal signifikant. Mein Asthma wurde schon lange nicht mehr mit systemischen Glukos behandelt, sondern lokal mit einem Akutspray (Salbutamol) und im Sommer, während meiner "heissen" Allergiezeit, dem Viani Diskus.
Für die Migräne gab es irgendwann Anfang der 2000er Triptane.
Den Rest kennst Du - ich war jetzt seit 2006 schubfrei in Sachen MC, die Migräne habe ich über die Ernährung seit 2016 befriedet.
In den letzten beiden Jahren gab es jedoch noch einmal grundlegende Veränderungen:
1. Im August 2017 hatte ich das bislang letzte Mal meine Mensis --> Beginn der Menopause
2. Ich habe 2016 eine weitere therapeutische Ausbildung begonnen --> Stress
3. Im Sommer ging es mir sehr schlecht, weil ich Brüllsonne und Dauerhitze schlecht vertrage. Ich bin ein sehr nordischer Typ und brauche die Kälte oder zumindest Kühle. In Sommern wie dem letzten nimmt zudem die Schimmelsporenbelastung stark zu - und dagegen bin ich nun einmal massiv allergisch. Es entstand eine Art Furunkel oder Abszess oberhalb des rechten Sinus ethmoidales, der, nachdem er gesichtschirurgisch eröffnet und mit einer Antibiose behandelt worden war, von einer Sinusitis im selben Bereich, also Sinus ethmoidales und frontalis rechts abgelöst wurde.
Das hat mir irgendwie "den Rest" gegeben.
Dadurch erwachte der MC sehr begrenzt im Bereich der alten Fisteln in einer Form, die ich bis dato nicht gekannt hatte. Meine Ärzte schlugen vor, die alten Fisteln zu entfernen, diese OP erfolgte im Oktober 2018, war ein weiterer, für mich IMMENSER Stressor - und der wiederum löste dann offenbar die für mich vollkommen neuen Gelenk/Muskelbeschwerden aus, die erst einmal genauer abgeklärt werden mussten. Meine Rheumatologin geht von einer enteropathischen Arthritis aus, also einer Arthritis, die mit dem MC zusammen hängt.
Meine Aufgabe besteht jetzt darin, ein neues Gleichgewicht zu finden und zu etablieren. Derzeit ist ein erster Schritt, sehr sorgsam darauf zu schauen, was mir wie bekommt und Milchprodukte komplett wegzulassen.
Du fragst nach den Auswirkungen:
Ich habe den Wechsel wie für mich typisch gleich konsequent hart durchgezogen. Das sollte man als Mensch, der vielleicht nicht ganz so sicher in solchen Sachen ist, NICHT tun, denn erwartungsgemäss hatte ich zunächst einmal eine ordentliche Keto-Grippe. Der Entzug der KH äusserte sich durch
Schwindel, Kopfschmerzen, Tachykardie, Kurzatmigkeit, Muskelschwäche.
Das dauerte aber nur sehr kurz an. Ich merkte in den Tagen danach umgehend, dass sich in meinem Kopf etwas änderte, so, als ob sich da etwas verschob. Meine Laune stieg, ich war ausgeglichener und die erste Migräne, die ich dann wieder bekam, hatte schon die eine oder andere Spitze eingebüsst. Das ging aber zunächst alles sehr langsam.
Im Winter 2014/2015 bekam ich dann eine echte Virusgrippe. Ich lag zwei Wochen lang fast ausschliesslich im Bett und lebte von Tee und der Brühe einer hausgemachten Hühnersuppe, konnte kaum etwas essen - es ging mir sehr, sehr schlecht. Nachdem ich diese Krise überstanden hatte, ging es in Riesenschritten aufwärts. Ich legte binnen weniger Monate 5 Kilo Gewicht zu, so dass ich ein für mich sehr gutes Gewicht erreichte - weitere Auswirkung der ketogenen Ernährung. Nie zuvor hatte ich an der 60 kg Marke gekratzt!
Jetzt legte mein Organismus auch in Sachen Migräne den Turbo ein - die Attacken veränderten sich massiv in Bezug auf Dauer und Intensität.
Gleichzeitig fiel mir auf, wie ruhig mein Bauch geworden war - so, als wäre auch dort die ultimative Entspannung eingetreten. Ich vertrug plötzlich auch Spinat wieder, konnte Nüsse essen und einiges andere mehr.
Toll fand ich auch die Ruhe, die in mir einkehrte - man muss in Ketose, die ja dem Fastenstoffwechsel entspricht, nicht permanent essen. Man kann problemlos fasten. Es gibt keine Unterzuckerungen und Energiekrisen mehr, der Stoffwechsel tuckert ruhig vor sich hin.
Ich bin ein Mensch, der nie aufhört zu lernen, zu forschen und zu studieren. Und so bemerkte ich noch etwas: Mein Kopf war wieder so frisch und klar wie in meinen 20ern. Das ist ein tolles Gefühl und für mich doppelt bedeutsam, denn mein Vater erkrankte sehr früh (bereits in seinen 50ern) an M. Alzheimer. Das bedeutet automatisch, dass wir Kinder, mein Bruder und ich, mit einiger Wahrscheinlich genetisch vorbelastet sind. Über die ketogene Ernährung betreibe ich automatisch eine Prophylaxe. Das ist keine Garantie - aber ein guter Anfang.
Noch eine Auswirkung gab es: Meine Laborwerte, die früher recht häufig defizitär in Hinblick auf Ferritin gewesen waren, normalisierten sich vollkommen, ich hatte permanent einen für mich sensationellen, völlig normalen HB, Ferritin und Eisen wiesen super Werte aus.
Dahin möchte ich wieder kommen. Dazu gilt es, jetzt wieder ein Gleichgewicht zu finden. Ich arbeite dran.