Hallo liebe Katharina und herzlich willkommen!
Ich hab hier schon lange nichts mehr geschrieben, aber natürlich hab ich einige Threads abonniert und bekomme Benachrichtigungen per Mail, wenn sich darin was Neues tut.
Wirklich schwer, zu entscheiden, was ich dir jetzt als erstes schreiben soll! Vielleicht dies: Du hast mein Mitgefühl, tut mir wirklich leid zu hören, wie's dir geht.
Wie alt bist du denn? Deutet das 81 in deinem Nick auf dein Geburtsjahr hin? Ich weiß, der Schutz der persönlichen Daten ist wichtig... aber vielleicht solltest du sie trotzdem in dein Profil eingeben. Ich fand es hier im Forum oft hilfreich, wenn man, zusätzlich zu den persönlichen Schilderungen, nachsehen kann, wie alt jemand ist, um sich ein Bild zu machen. Gerade wenn's um Knochen und Gelenke geht, ist es nicht ganz unwesentlich, ob jemand 18 ist oder 80.

Du kannst es so einstellen, dass in deinem Profil nur dein Alter, nicht aber dein voller Geburtstag angezeigt wird. Und wenn du auch die Region eingibst, in der du lebst, kann dir vielleicht irgendwann jemand einen guten Arzt oder Therapeuten in deiner Gegend empfehlen.
Nun, soviel zu den technischen Aspekten.
Diese Art der Erkrankung erfordert es, dass du ganz bei dir bist, dass du die volle Verantwortung für dich übernimmst und sie nicht irgendwelchen Ärzten überlässt. Nimm die Dinge selbst in die Hand! Wenn du ein MRT deines Brustbeins willst, setz dich dafür ein. Ob der Orthopäde nun denkt du spinnst oder nicht, ist völlig nebensächlich - und ganz offensichtlich will er dich ja ohnehin schon an den nächstbesten Psychotherapeuten 'abgeben'. Wenn er dich nicht zum MRT überweist, dann tut es vielleicht der Rheumatologe.
Falls es dir schmerzmäßig und seelisch zu schlecht geht, um dich durchzusetzen, dann nimm dir jemanden mit, dem du vertraust, und der das für dich tut. Auch ihm sollst du nicht die Verantwortung geben; es hilft aber, wenn man nicht allein kämpfen muss, besonders, wenn man bereits geschwächt ist und Schmerzen hat.
Und nicht nur das MRT - ich würde auch andere brustkorb- bzw. atmungsbezogene Untersuchungen machen lassen: Lungenröntgen; EKG; HNO-Untersuchung wegen der Atmung. Nur zur Sicherheit, und damit du auch beruhigt bist.
Die meisten Ärzte sind allergisch auf das Wort 'Internet' - das solltest du wissen. Sie übersehen gern, dass der Patient den besten Überblick über seine Beschwerden hat und sich selbst gegenüber angesichts eines Bildschirms mitunter ehrlicher ist als einem Arzt gegenüber - und dass der Bildschirm auch wesentlich geduldiger ist, man also dabei auch mehr Zeit zur Verfügung hat, um alle Aspekte zu besehen. Sie glauben vielmehr, dass man sich Krankheiten 'anliest', wenn man sich im Internet informiert. Und nicht zuletzt müssen sie dann mit dir 'auf Augenhöhe' kommunizieren, was du ja eigentlich für die meisten Ärzte nicht bist, als Patient.
Außerdem gilt das Aufzählen von vielen Symptomen als Hinweis auf eine 'psychische Auffälligkeit' - kein Mensch darf mehr als drei, vier Symptome gleichzeitig haben, weil das den Arzt überfordert.

Also im Gespräch immer schön auf die wichtigsten Aspekte konzentrieren.

Und kurz fassen. Die Aufmerksamkeit deines Gegenübers lässt nach 12 Sekunden signifikant nach.
Ok, ich merk schon, bei mir bricht der Sarkasmus durch. Natürlich sollst du alle Symptome aufzählen, wenn du beim Arzt bist. Aber es schadet nicht, wenn man sich der möglichen Wirkung dieser Aufzählung auf den Arzt bewusst ist. Sei trotzdem ein unbequemer, ein mündiger Patient, der Fragen stellt, die er sich vorher notiert hat, um nichts zu vergessen; der sich nicht abwimmeln lässt; der seine Sorgen kundtut auch
ausspricht, dass er sich nicht ernstgenommen fühlt. Manchmal ist es in der Tat nicht schlecht, sich zum nächsten Arzt 'abschieben' zu lassen oder sich selbst einen neuen zu suchen; viele Ärzte haben meiner Erfahrung nach weder die Geduld noch die Hartnäckigkeit noch das diagnostische Genie, um dich mit chronischen Beschwerden wirklich richtig und umfassend zu beraten und zu behandeln. Dem ersten Orthopäden, bei dem ich damals war, war es nicht zu peinlich, den Satz "Das Brustbein KANN einem nicht wehtun" auszusprechen. Spätere Untersuchungen zeigten, dass in meinem Brustbein eine Knochenentzündung getobt hatte.
Wenn ich dort geblieben wäre, wär ich heute vermutlich tot - nicht wegen der Entzündung, sondern wegen des Fenstersprungs.
Was hast du denn bisher therapiemäßig unternommen und ausprobiert? Und was hilft dir bisher am besten?
Es ist unheimlich wichtig, frühzeitig mit einer adäquaten Schmerztherapie zu beginnen. Ich weiß, natürlich hoffst du, dass mit ein paar wenigen Maßnahmen dem Schmerz innerhalb kürzester Zeit beizukommen ist; Tatsache aber ist, dass das Gehirn sich sehr schnell an den Schmerz gewöhnt und ein sog. Schmerzgedächtnis ausbildet; dieses sorgt dafür, dass auch kleinste Reize aus der 'überreizten' Region fortan als Schmerz interpretiert werden, und dass im schlimmsten Fall auch noch dann Schmerz registriert wird, wenn die ursprüngliche körperliche Ursache des Schmerzes gar nicht mehr besteht.
Du kannst also weiterhin hoffen; aber du brauchst eine effektive Schmerztherapie! Kortison war für mich zu Beginn der Retter in der Not - und seine Wirkung für mich der Beweis, dass sich da zusätzlich zum Fibromyalgie-Verdacht ja doch entzündliche Prozesse abspielen. Das erste Abklingen der Entzündung war so eine Erleichterung! Mit Kortison ist natürlich bei Osteoporose Vorsicht geboten - aber den Versuch mit einer kleinen Dosis oder einer Stoßtherapie ist es dir vielleicht trotzdem wert.
In meinem Blut fanden sich immer Hinweise auf eine Entzündung; zu Beginn massiver, dann nicht mehr so stark - es wurde aber auch irgendwann während dieser Jahre der Referenzwert hinaufgesetzt, sodass die früheren 'starken Entzündungszeichen' später nur noch unter 'vernachlässigbar' fielen. Klingt sonderbar, is aber so.
Die meisten standardmäßigen Entzündungshemmer haben bei mir zwar nur wenig geholfen (bis auf Aspirin, Celebrex und Kortison), mir dafür aber den Magen gründlich ruiniert. Lass dir also immer magenschützende Medikamente verschreiben, wenn du Kortison oder
NSAIDs nimmst (nonsteroidal(=Kortisonfreie) anti inflammatory drugs, also alle -profene, Aspirin, etc).
Manche Ärzte sind der Ansicht, das sei nicht nötig, oder sie denken einfach nicht dran und fragen auch nicht nach, was du davor schon alles probiert hast und für wie lange - frag trotzdem den Arzt danach.
Zur Not kriegst du zumindest Säckchen mit Flüssigmagenschutz (Ulcogant; Sucralan) in der Apotheke bestimmt auch ohne Rezept. Schmerzen in den Knorpeln, Gelenken oder Knochen reichen - auf zusätzliche Magenschmerzen, Gastritis, auf Speiseröhrenentzündungen wegen Reflux und auf Magengeschwüre kann man ohne weiteres verzichten.
Bei mir war's die Schmerztherapeutin, die sich sehr für mich eingesetzt hat und wirklich
mit mir gemeinsam alle Möglichkeiten durchgegangen ist, mich auch zu diversen Untersuchungen überwiesen hat; die mir mit ihrer Akupunktur sehr, sehr geholfen hat; die mir zugehört hat, mich ernstgenommen hat, mich getröstet hat - und das voller Geduld und jahrelang. Vielleicht gibts ja einen Schmerztherapeuten in deiner Nähe, und du hast Glück mit der Auswahl. (Du bist ja nicht zufällig aus Wien, oder?)
Was bei mir am besten gewirkt hat: Wärme; Aspirin; Kortison; die Akupunktur bei der Schmerztherapeutin; Celebrex (ein Entzündungshemmer, der sich nicht auf den Magen schlägt - nehme ich heute noch bei Bedarf). In der schlimmsten Phase hab ich ein Opioid verschrieben bekommen (Tramal) - und war dafür sehr dankbar.
Das Sulfasalacin (Jahre später, Ende 2008) hat bei mir nicht spürbar gewirkt, dafür nach 12 Wochen eine massive Magen-/Zwölffingerdarmentzündung ausgelöst - seither nehme ich es nicht mehr. Trotzdem gehts mir heute wesentlich besser - nach fast zehn Jahren der Krankheit, und gut acht Jahren der verschiedensten Therapien.
Es hilft, eine Diagnose zu haben. Man hat sonst keine Ruhe. Wir sind definitiv schulmedizingläubig. In meinem Fall hatte die Diagnose so gut wie keine therapeutische Konsequenz - und trotzdem bin ich jetzt ruhiger, obwohl ich weiß, dass das im Grunde auf einer Illusion beruht.
Ich glaube, dass wir Rheumis und chronisch Kranken die Psychotherapie deshalb ablehnen, weil sie uns als quasi 'letzte Alternative' angeboten wird, und nicht als Begleitung. Aus heutiger Sicht würde ich erwägen, das Angebot wahrzunehmen - als Begleitmaßnahme! - aber trotzdem nicht aufhören, meinem Orthopäden oder Rheumadoc auf die Nerven zu gehen.

Die psychosozialen Auswirkungen chronischer Schmerzen sind massiv, dabei Unterstützung zu kriegen kann definitiv nicht schaden.
Außerdem solltest du in der Tat einen Blick auf deine seelische und soziale Situation werfen. Ich habe oft gemerkt, dass die Rheumatiker bzw Schmerzpatienten, mit denen ich näheren Kontakt hatte, allesamt welche von den 'guten Menschen' sind, jederzeit für andere da, tragen die Lasten für alle, lösen anderer Menschen Probleme oder befassen sich zumindest intensiv damit; dass sie für alles mögliche zuständig und verantwortlich sind - und darüber ihre Verantwortung sich selbst gegenüber vergessen. Ich würde dir empfehlen, alles aus deinem Leben zu entfernen, was dir Druck macht - was dir 'auf dem Herzen' liegt, was du 'auf deinem Buckel schleppst' - vermeid alle bedrückenden und belastenden Situationen, von denen du nur glaubst, dass du sie anderen zuliebe 'durchstehen musst'. Übernimm die Verantwortung für dich selbst - und gib den anderen die ihrige zurück! Das mag hart klingen, ist aber das beste für dich - und auch für alle anderen, denn ihre Verantwortung gehört
ihnen.
Egoismus ist in unserer Gesellschaft verpönt, insbesondere unter Frauen. Aber dich zu allererst um dich selbst zu kümmern bedeutet nicht, dass du kalt bist, dass du über Leichen gehst und kein Mitgefühl mehr haben kannst. Es bedeutet nur, dass du dir selbst die Liebe und Fürsorge zukommen lässt, die du brauchst.
Du kannst mir auch gern eine Privatnachricht schicken, oder wir können über Skype chatten, wenn dir danach ist und du Unterstützung brauchst. (Skype-Benutzername in meinem Profil und Link unter jedem Beitrag)
Liebe Katharina, ich hoffe, ich konnte dir ein paar brauchbare Hinweise geben. Ich kann dir nur eine Richtung zeigen, den Weg musst du selber gehen. Aber wenn ich deinen Schmerz wegschnippen könnte, würd ich es tun, da kannst du ganz sicher sein. Und vergiss nicht, dass du eine Heldin bist, wie du das alles durchstehst!
Alles Liebe!

Shae