rheuma zählt nicht zu den zoonosen, ist also nicht zwischen mensch und tier übertragbar, das würde bedeuten, wenn aktuell existierende murmeltiere rheuma hätten, dann hätte sich die gleiche krankheit bei beiden spezies im gleichen zeitraum entwickelt, oder?
Hallo Murmeltierforscher
Nein, nein, nein! Das Murmeltier löste das Rheuma aus. Als Professor h.c. der Fakultät für Unwissenheit und unbeleckter Denkschulung muss ich das der ehrenwerten Leserschaft mit linkem Zeigefinger und vier Fingern rechts in die Tasten hauen. Selbstverständlich war es nicht die gemeine Murmeltierzecke, welche dem Menschen das Rheuma übertrug. Die hinterlistige Zecke mochte nur Murmeltier kein Mensch. Sie hielt einen ausgiebigen Sommerschlaf, um im Winter über die dösenden, fetten Murmeltiere herzufallen. Im Frühjahr, wenn die Zecke sich schlafen legte, krochen die Murmels völlig träge, mit schmerzenden Gliedern und Fieberschüben auf die Alpenmatten und pfiffen nicht mehr. Mutter Natur konnte es nicht mehr mit ansehen. Sie stattete die Murmels mit intensiver Cortisolproduktion aus. Die Murmeltierzecken schrien "BÄHHH!" und wanderten aus, irgendwohin, ganz weit weg und mutierten zu himmelblauen Wasserflöhen oder so. Die Murmels haben das Problem heute nicht mehr, aber produzieren weiterhin massenhaft Cortisol.
Noch vor 100 Jahren lernte jedes Kind der alpenländischen Bergdorf-Einklassenschule die Geschichte von UrUrUrGroßvater Ötzi. Wie alle Erstgeborene wurde auch er Ötzi gerufen. Als Ötzi, Sohn von Ötzi-neben-dem-dicken-gestreiften-Gneisfelsen, 13 Jahre alt war, war er es leid wie ein dummes Kind Hilfsarbeiten für die Erwachsenen zu übernehmen. Er ging zum Schamanen und bat um seine Initiation. Der Magier sagte: "Bitte deinen Vater um die metallene Pfeilspitze, die du als Erwachsener tragen sollst. Putze sie blitzblank und komme wieder." Ötzi tat, was von ihm verlangt wurde. Einen Tag später fand er sich wieder beim Magier ein. "Nun," sagte dieser, "deine Aufgabe ist es, den Berg hinaufzusteigen, über die Felsen zu klettern, über den Gletscher zu laufen, dich auf die höchste, schneebedeckte Spitz des Gipfels zu setzen. Dort wartest du das Morgenglühen ab. Mit den ersten Sonnenstrahlen halte die Pfeilspitze so, dass ich ihr Blinken von meinem Schamanenthron aus sehen kann. Bist du zurück im Dorf, werden wir dich als Erwachsenen in unsere Gemeinschaft aufnehmen und feiern, dass sich die Eichen biegen." Ötzi rannte nach hause, schnürte seinen Beutel, schmiss sich das Fell für die kalte Nacht über die Schulter. Seine Suppe löffelte er im Stehen. Mutter stopfte ihm noch eine geräucherte Ferkelhaxe in die Tasche. Er wetzte den Berg hinauf, hangelte sich an der Felswand hoch, schlidderte über das Eis und fror sich nachts auf dem schneeigen Gipfel fast den A.... ab. Er döste ein bisschen vor sich hin. Mit dem Morgengrauen wurde er hellwach. Er fror wie ein Schneider, obwohl der Beruf noch gar nicht erfunden war. Der erste Sonnenstrahl tauchte die eisige Welt in ein so goldenes Licht, Ötzi vergaß vor Staunen was jetzt seine Aufgabe war. Zum Glück hatte die Sonne einen Eispacken auf dem Gipfel erwärmt, der den Jungen mit lautem Knack in die Gegenwart zurückholte. Mit klammen Fingern angelte er die Pfeilspitze aus der Tasche, wischte sie an seinem Fell trocken. Er konnte im noch dunklen Tal die Erdhuckel der Dorfbewohner nur erahnen. Vorsichtig drehte er die Pfeilspitz, bis sie den Sonnenstrahl einfing und richtete ihn zitternd in Richtung des Schamanen aus. Zehn Minuten verharrte er in dieser Stellung. Dann antwortete ihm ein Feuer aus dem Dorf. Er hatte es geschafft. Er fühlte sich wie der Herr von Sonne und Bergen. Kälte und Müdigkeit waren überwunden. Er hatte kein Sitzfleisch mehr. Er verstaute die Pfeilspitze wieder in seinem Beutel. Dann stürmte er den Berg hinab, sauste über den Gletscher. Sein Fell zappelte im Wind. Die Fußlappen flatterten, wie bei allen Jugendlichen unordentlich gebunden, hinter ihm her. Mehr sprang als kletterte er den Felshang hinab und ließ sich auf die ersten grünen Matten fallen. Er umrundete Steinbrocken, hüpfte über die Wurzeln der Krüppelkiefern. Und dann... rums, ratsch, eine Wurzel, ein Erdloch, autsch. Das tat weh. Nichts war schlimmer, als sich auf dem Berg den Fußknöchel zu brechen. Er krabbelte zu einem Holzstamm, der ihm als Krücke dienen konnte, versuchte damit zu gehen. Unmöglich. Er kroch zu Büschen, futterte Beeren. Er nagte an der geräucherten Ferkelhaxe, beobachtete die Murmeltiere. Ob die Eltern ihn suchen würden? ... Gesucht schon. Aber es hat ihn niemand gefunden. .... Ötzi kroch jeden Tag ein Stückchen den Hang hinunter, bis das Gelände so steil wurde, dass er ohne zu klettern nicht weiter konnte. Ötzi war auf dem Flecken gefangen, ernährte sich vegetarisch und wurde gut Freund mit den Murmeltieren. Sie betrachteten ihn als ein etwas wunderliches Murmeltierkind, was man in die Gruppe integrieren muss. Der Junge sammelte sich einen Wintervorrat an getrockneten Beeren und Flechten. Im Spätherbst legte er sich mit den Tieren unter der Erde schlafen.
Ötzi lag trocken und warm. Die fettigen Murmelfelle taten seiner Haut gut. Die Murmeltierhöhle war durch die Atemluft der Tiere geschwängert von Cortisol. Zum Frühling hin fühlte Ötzi sich zwar mager und schwach, aber über die Maßen voll mit Lebensenergie. Er kroch aus der Höhle, setzte sich auf einen Felsen. Sein Knöchel war verheilt! Er konnte gehen! Bedächtig wie ein vierzigjähriger Greis kletterte er zwei Finger links, zwei Finger rechts den Steilhang hinab, weiter und weiter. Als er in Sichtweite des Dorfes kam, rannten ihm alle Bewohner entgegen, konnten nicht glauben, dass sie ihn wirklich wieder hatten. Sie feierten drei Tage lang sein Initiationsfest und die glückliche Heimkehr.
Ötzi futterte und futterte. Bald staunte seine Sippe nicht schlecht über seine kugelige Gestalt. Nach ein paar Monaten jedoch wurde er schwach, extrem dünn, kriegte Beulen und Löcher in die Haut. Alles schmerzte. Seine Müdigkeit nannte man Murmeltierkrankheit. Seine schwarzen Fingerspitzen schob man auf Erfrierungen. Ötzi wollte erwachsen und stark sein. Er war unter dem Zeichen des Steinbockes geboren. Er entschloss sich mit letzter Energie zu den Murmeltieren zurückzukehren. Dort kam er wieder zu Kräften. ... So pendelte er viele Jahre zwischen Murmeltieren und Dorf hin und her. Weil er nur schlecht bei der Jagd mithalten konnte, schulte er um. Er hatte auf dem Berggipfel so gefroren, dass er den Beruf des Schneiders erfand. Er nähte Fußlappenschuhe, die nicht im Wind flatterten, er nähte Fellmäntel, die mit einer Fibel den ganzen Mann bedeckt hielten. Hätte er den Beruf des Arzt erfunden, hätte er erkannt, dass hochgeschwängerte Cortisolluft in Murmeltierhöhlen über einen langen Zeitraum genossen die körpereigene Cortisolproduktion verringert, ja letztendlich sogar zum versiegen bringen kann. Was ja der Grund von Ötzis "Rheuma" war.
Bei der psychosomatisch offene Gesinnung der Ötzimenschen ahmten viele Dorfbewohner Ötzis Krankheit nach. Fatalerweise führte die Empathie, welche diese netten Bergbewohner füreinander empfinden nicht nur zu Mitleid, helfen und mittun. Nein, durch das Bewusstsein eines jeden, welches noch zum Miteinander-Ich fähig war, wanderte "Rheuma" durch Astralleib und Ätherleib bis in die schnöde Physis, das Erbgut der Menschen jener steinernen Region. Den selben Weg nahm auch die Erkenntnis, dass nur Murmeltier gegen die Krankheit helfen kann. Immer mehr Ötziverwandte und Freunde entwickelten aus sich heraus Rheumasymptome, welches kluge Menschen später entzündliches Rheuma tauften und von Autoimmunkrankheit sprachen. Mit künstlich hergestelltem Murmeltier-Cortisol versuchen sie es zu mildern, was auch meistens gelingt. Die Murmeltiere spielen nun unbehelligt auf den Alpenwiesen.
Und wer hat nun Schuld? Die gemeine Murmeltierzecke, Mutter Natur, die Murmels, Ötzi, der Schamane?
Ich sage es euch: Hätte das ganze Dorf gründlich nach Ötzi gesucht, hätte er nicht bei den Murmels schlafen müssen. Hätte sich Ötzi bei seiner Initiation wie ein Erwachsener benommen, der er sein wollte, hätte er sich die Fußlappen fest gewickelt und wär überhaupt nicht mit dem Fuß im Erdloch umgeknickt. - Naja, dann würde es aber auch keine Schneider geben und keine Ärzte und keiner wüßte was über Murmeltiere und deren Cortisolfett und es gäbe kein Cortison. Ich bin zwar ein armes Rheumaopfer, aber Socken, Hosen und Jacken finde ich ganz gut.
Liebe Grüße
Clara