was kann man denn tuen als "Patient"
Hallo in die Runde,
durch diesen Thread habe ich mal versucht, mich selber etwas kundig zu machen und bin auf diese Arbeit gestoßen
http://www.arztpraxis-roloff.de/2010/Hausarbeit-St-Falk.pdf. In dieser Arbeit wird anhand einer Praxis einer Internistin mit hausärztlicher Versorgung aufgeführt, was so alles in dieser Praxis läuft.
75 Patienten innerhalb von 9,25 Stunden = 7,63 Minuten pro Patient
220.000 EUR Umsatz jährlich
hiervon müssen Fixkosten für Miete, Personal, Versicherung ... abgezogen werden.
Auch muß man sich noch vor Augen führen, daß KV-Ärzte in Leistung gehen für ein Quartal, aber die Bezahlung für dieses Quartal erst 2 Monate später erfolgt. Im schlimmsten Fall wird eine Arztinanspruchnahme sage und schreibe 5 Monate später bezahlt. Meine KFZ-Werkstatt würde mir einen Vogel zeigen, wenn ich damit ankäme. Und die GKV heimst die Zinseszinsen ein für die allmonatlichen Zahlungen von uns!
Irgendwann kommt es dann zu einer Diskrepanz zwischen dem Eid des Hippokrates, den gesetzlichen Vorgaben und dem jedes Jahr neu ausgehandeltem Budget. Und Budgetüberschreitungen werden bestraft, ohne Differenzierung von äußeren Umständen wie beispielsweise vielen Rentern im Zuzugsbereich des Arztes und führen mitunter zu sehr hohen Regresszahlungen.
Deshalb: Je materieller ein Arzt veranlagt ist, umso schneller wird er in seinem ethischen Grundsatz kippen und somit gibt es genau die Erlebnisse, die hier geschildert werden. Zwischenzeitlich gibt es viele Ärzte, die auf die Vertragsarzt-Zulassung verzichten. Lt. Wikipedia mehr als 1.000! Aber irgendwann ist dann auch dieser Markt ausgereizt!
Dieses System geht auf Kosten der Ärzte, die aus dem Herzen heraus Arzt sind und auf Kosten aller Patienten, auch der Privatversicherten irgendwann. Dieses System führt auch dazu, daß Krankenwagen weitergeleitet werden müssen, weil Krankenhäuser wegen "Kapazitätenmangel" diese abweisen.
Ich frage mich, wieviel Kosten z.B. weniger verursacht werden, wenn alleine dieser Praxisbeitrag - im Ursprung eigentlich eine Erhöhung der Beiträge damals - in Höhe von 10 EUR direkt mit den Krankenversicherungsleistungen "abgebucht" würde und wieviel mehr Zeit man dann in den Praxen für die Betreuung der Patienten hätte (aber vielleicht werden da ja dann nur die "unnötigen" Stellen abgebaut). Auch frage ich mich, warum Medikamente in den Niederlanden billiger sind als hier in Deutschland?
Habe auch versucht eine Patientenvertretung im Internet zu finden. Gibt es nicht! Es wäre für uns gut, wenn für die auf Seite 5 dieser Arbeit aufgeführte Konstellation
GKV (gesetzliche Krankenversicherung) <> Versicherter und KV (kassenärztliche Vereinigung) <> Vertragsarzt
eine weitere Komponente hinzukäme: die Interessenvertretung aller Krankenversicherten, denn die GKV vertritt meines Erachtens nach nicht die Interessen aller Kranken"versicherten".
Ich bin überzeugt, daß man derzeit versucht KV-Patienten gegen KV-Ärzte auszuspielen. Das Ärzte mehr verdienen als z.B. eine Verkäuferin ist für mich ok. Es ist jedoch nicht ok, daß jemand ein 6jähriges Studium hinter sich bringt, mitunter ein mehrjähriges Assistendasein fristet, um den Facharzttitel zu erwerben, damit er dann als Kassenarzt zugelassen wird, weniger verdient als z.B. ein Konzern-Vorstand, ein Notar, ein Rechtsanwalt ... Mehr als andere Berufsgruppen hat ein Arzt in meinen Augen das Recht auf höheren Verdienst, denn er spielt mit Leben (m.E. unbezahlbares Gut).
Ein weiterer Aspekt, der zu solchen Geschichten führt, die ich übrigens auch erlebt habe, hängt in der Ausbildung und der Technikgläubigkeit der Medizin in der BRD zusammen. Ärzte lernen nicht, dem Patienten ZUZUHÖREN und sie lernen nicht, daß eine Krankheit, bevor sie meßbar wird, schon vom Patienten gespürt werden kann. Alleine die Behauptung "sie horchen zu sehr in sich rein, vielleicht sollten wir auch mal eine psychologische Arztkomponente mit berücksichtigen" sagt viel über einen respektvollen, den Patienten ernstnehmenden Umgang aus.
Das System, welches lange Zeit gut lief, läuft aus dem Ruder. Es sollte komplett über den Haufen geworfen werden und komplett neu aufgebaut werden. Krankenversicherung ist Sache des Staates und sollte nicht in Teilen irgendwelchen gewinnorientierten Unternehmungen überlassen werden. Ähnlich gelagert sehe ich z.B. auch das, was in Japan mit Fukushima passierte. Es läuft dann aus dem Ruder, Menschenleben werden aufs Spiel gesetzt und der Staat sieht hilflos zu im Vertrauen zu einem Unternehmen namens Tepco, der auch zwischenzeitlich hilflos versucht, sich einigermaßen gut darzustellen, wieder auf Kosten von Menschenleben! Und dies alles nur wegen dem schnöden Mammon!
LG