Okay, Fußball ist eh langweilig, also kann ich auch noch weitermachen.
Hallo Marie2,
den Thread kannte ich nicht. Aber man kann auch nicht alles lesen, selbst wenn man täglich hier ist. Ich habe, ehrlich gesagt, einige Wochen überlegt, ob ich das einfach mal so machen soll. Denn ich möchte erstens kein "Heile Welt Rheuma" vorspielen und die Krankheit herunterspielen und zweitens möchte ich auch niemandem "auf die Füße treten". Ich werde es auch nicht bei 2 Postings belassen. Ich werde hoffentlich, so wie ich es mir vorgenommen habe, regelmäßig berichten was passiert, wie es mir geht, was mein Doc sagt und worüber ich nachdenke. Da ich selbst nicht weiß, wie es weitergeht ist es also auch für mich selbst interessant, in vielleicht 2 Jahren mal zu sehen: So war das damals! Aber wer weiß schon, was passieren wird!
Also, ich hatte vergessen zu erwähnen, dass die Sehnenscheiden meiner beiden Handgelenke in der Zwischenzeit zu "knacken" begonnen hatten und leicht schmerzten. Ich hatte viel auf RO über Cortison und MTX gelesen und irgendwie war mir irgendwo auch etwas mulmig. Andererseits habe ich ein naturwissenschaftliches Studium hinter mir und ich war/bin schon davon überzeugt, dass die Welt nach Naturgesetzen funktioniert. Zur Pharmaindustrie habe ich ein gemischtes Verhältnis. Einerseits hat sie auch schon mein Leben gerettet, denn in meiner Kindheit hatte ich beispielsweise eine Hirnhautentzündung und ohne den Segen der Pharmaindustrie und der sogenannten Schulmedizin wäre ich vermutlich gar nicht mehr am Leben, andererseits halte ich ihre Gier nach Profit und ihre Phantasie im Erfinden von Krankheiten schon für mafiös. Kaum ist es möglich einen Wirkstoff in großen Mengen und kostengünstig zu produzieren, schon werden Grenzwerte manipuliert oder dazu gehörige Krankheiten erfunden. Ist schon eklig dass Ganze!
In Sachen MTX und Cortison habe ich mir jedenfalls von Anfang an gesagt: EGAL! Was ist die Alternative? Das ich wegen des Knies kaum noch in mein Auto komme? Das meine Gelenke früher oder später völlig zerfressen werden und ich im Rollstuhl lande? Nee, keine Lust! Mein Arzt, der sich im übrigen bei der ersten Untersuchung seeeeehr viel Zeit genommen hat und der auch heute immer für mich da ist, hat gar nicht lange gefackelt, und sofort mit der Basistherapie begonnen. Bei dem schon oft gelesen Therapiefenster von 3-4 Monaten, in dem möglichst mit der Behandlung begonnen werden sollte, bin ich ja tatsächlich, übrigens zum ersten Mal in meinem Leben, ein echter Musterpatient.
In Sachen Nebenwirkungen habe ich mir jedenfalls erst einmal überhaupt keine Gedanklen gemacht. Mir wurde in den ersten 6 Wochen wöchentlich Blut abgenommen, besser kann man nicht unter Beobachtung stehen, und so habe ich mir gedacht: Mal sehen was passiert. Ich hatte das erste Mal Cortison (25mg) noch keine 2 Stunden genommen, da schmerzten meine Sehnen an den Handgelenken überhaupt nicht mehr und der Druck auf den Gelenken nahm ab. Mir wurde sofort klar, weshalb Cortison so oft als "Teufelszeug" bezeichnet wird. In den nächsten Wochen ging es mir zusehends besser. Kleiner Zeh und rechtes Handgelenk schwollen ab und machten keine Mucken mehr, nur mein linkes Knie wollte nicht so richtig. Es wurde zwar deutlich besser, aber eine klar sichtbare Schwellung blieb dennoch.
Also, mußte ich zum Szintigramm. Dieses ergab, dass kleiner Fußzeh und Handgelenk inzwischen so gut wie entzündungsfrei waren, dass im Knie aber doch noch eine Entzündung vor sich hin köchelte. Also RSO! Alle anderen Gelenke waren in Ordnung.
Mein Arzt hatte mir in der Zwischenzeit gesagt, dass der Verlauf sehr ordentlich aussähe, dass ich mich allerdings schon darauf einstellen müße, das MTX sehr wahrscheinlich lebenslang nehmen zu müssen. Mich hatte damals sehr verunsichert, dass Rheuma in jeglicher Form bei jedem anders verläuft. Ich hatte auf RO gelesen, dass es Leute gab, deren Blutbild völlig okay war, die aber trotzdem Schmerzen hatten, dass es Leute gab, die Gelenksschädigungen hatten, obwohl es ihnen eigentlich gut ging und die Gelenke nicht geschwollen waren usw. Das war schon deprimierend für mich, denn man versucht ja für sich selbst eine Prognose zu erstellen. Nach dem was ich hier manchmal gelesen habe, wurde mir ganz anders. So viel Leid und so viele Schmerzen und verlassen konnte man sich offensichtlich auf rein gar nichts. Also habe ich bei meinem nächsten Termin meinen Doc gefragt. Der meinte, dass es tatsächlich viele, viele Varianten gäbe, dass man sich aber schon auf sich selbst verlassen kann. Das heißt, wenn bei dem ersten Schub das Entzündungsgeschehen klar im Blut abzulesen ist, dann wird das auch in Zukunft so sein. Also kann ich mich darauf verlassen, dass die Krankheit Ruhe gibt, wenn meine Blutwerte in Ordnung sind. Das war jedenfalls für mich eine sehr gute Nachricht und das hat mir erst einmal Sicherheit gegeben.
Aber jetzt wirklich: Bis bald und schlaft gut
Knaddeldü