Partnerschaft
Hallöchen zusammen,
das Thema "Partnerschaft und Erkrankung" ist meines Erachtens sehr vielschichtig.
Es gibt zum einen den Betroffenen mit der Erkrankung, dann gibt es die Betroffenen, die einen Partner mit Erkrankung haben, dann gibt es die Familie eines Betroffenen, der die Erkrankung hat.
Sobald ein Mensch eine Erkrankung hat, ist unweigerlich die gesamte Familie betroffen und das sollte man als Erkrankter auch nicht vergessen.
In den Jahren vor meiner Erkrankung habe ich mir keine Gedanken über Krankheiten und deren Auswirkungen gemacht. Deshalb kann ich Menschen verstehen, die sich damit nicht auseinandersetzen bzw. es ignorieren.
Als ich erkrankte erwartete ich Verständnis von meiner Familie. Aber wie sollen sie es verstehen, wenn ich es selbst nicht verstand, was mit mir passierte???
Dann erwartete ich, daß mein Mann sich meinem Leben anpasste, weil ich so vieles nicht mehr tun konnte. Wie konnte ER etwas tun, wenn ICH es nicht konnte? Die RA bestimmte, ob wir weggehen oder nicht, wohin wir gehen oder nicht, wann wir gehen oder nicht etc. Das ist ein ziemlich verhängnisvoller Kreislauf....
Anfangs versuchte ich meine Erkrankung zu überspielen, sie klein zu reden und ständig zu lächeln, weil ich kein Mitleid wollte.
Auf der anderen Seite erwartete ich, daß andere Menschen das Ausmaß meiner Erkrankung begreifen.
Mit einer lächelnden Fassade konnte ich aber weder Verständnis erwarten, noch wirklich ernstgenommen werden.
Ich habe lange gebraucht, bis ich mein Leben, sein Leben und unser Leben verstanden habe.
Heute gibt die RA mir den Rahmen vor, aber in der Gestaltung meines Lebens bin ich "frei".
Mein Mann lebt sein Leben, also nach SEINEN Möglichkeiten und nicht angepasst an MEINE Möglichkeiten. Das unterstütze ich, denn es sind ja meine Einschränkungen und nicht seine

Unser gemeinsames Leben ist deshalb lediglich die "Schnittmenge" aus seinem Leben und meinem Leben.
Ferner habe ich meinen Mann "aus der Verantwortung entlassen, für mich zu sorgen". Damit meine ich, daß ich selbst für mich ausreichend sorge, meine Grenzen selbst erkenne und weiß, was ich tun kann und was nicht.
Ich bin in der Handlung autonom geworden, auch wenn ich körperlich eingeschränkter bin.
Ich gebe meinem Umfeld (Göga, Freunde etc.) die Sicherheit, daß sie sich nicht um mich sorgen müssen, denn auch sie "leiden" auf ihre Weise, da sie ja auch "betroffen" sind.
Meine Eltern/Schwiegereltern und eine meiner Schwestern können bzw. wollen nicht begreifen, daß ich krank bin. Verständnis erwarte ich nicht mehr, lediglich Akzeptanz und wenn die nicht kommt, dann ist es so.
Durch diverse Lebenserfahrungen lebe ich heute und das intensiv, aber ich plane auch meine Zukunft, Termine und Verabredungen.
Es hat "einige Zeit"

gedauert, bis ich mein Leben auseinandergeklaubt hatte und mit dem Ergebnis bin ich zufrieden

Der Haken daran ist jedoch, daß ich nicht nur die Vorteile daraus ziehe, sondern auch die Nachteile der Selbstverantwortung tragen muß:
Niemand anders kann mein Leben ändern, nur ich selbst und wenn ich zu bequem, zu hängelig oder ähnliches bin....weiß ich, daß nur ich selbst dies ändern kann *seufz**zwinker*
Eine schwerwiegende chronische Erkrankung belastet immer die ganze Familie und die Freunde. Deshalb muß m.E. der Betroffene seinem Umfeld helfen damit klarzukommen. Die anderen können nicht wissen, wie weh es tut (und das ist auch gut so!), wie sich Einschränkungen anfühlen etc. und vor allem können sie nicht wissen, warum ich HEUTE etwas kann und MORGEN nicht oder nur schwer.
So, bevor jetzt irgendjemand etwas zu mäkeln hat:
Dies ist MEINE Art zu leben und alle anderen sollen so leben wie sie wollen und wie sie es für richtig halten...mach ich ja auch
Viele Grüße
Sabinerin