@Nachtigall
Es gehört mit zur Selbstliebe, zur Selbstsorge (nicht Egoismus) dazu, Menschen um sich zu haben, die einem gut tun, die man herzlich liebt und die einen auch lieben, man begleitet sich gegenseitig durch schwere Zeiten und wächst damit noch enger zusammen. Und diese Menschen (oder auch Tiere) soll man nun plötzlich loslassen. Das geht nicht.
Selbstverständlich gehört zur Liebe sowohl die Selbstliebe (ohne die vieles Gute schwer möglich ist) als auch die Liebe zu Anderen. Was wären wir alle ohne diese grundlegenden Empfindungen von Anfang an???
Und sicher begleitet man sich in guten wie in weniger guten Zeiten. Es ist aber Fakt und das reale Leben, dass man erwartet, unerwartet, plötzlich und sogar gewaltsam geliebte Menschen (analog auch Tiere) verlieren kann; es ist nicht immer und schon gar nicht immer ausreichend Zeit da, um sich an den Gedanken zu gewöhnen. Manche brauchen dafür nur Stunden oder Tage, andere Jahre oder ein ganzes Leben.
Das schützt vor der Auseinandersetzung mit der unausweichlichen - auch und vor Allem der eigenen! - Endlichkeit nicht.
Ich würde das "loslassen" nicht so negativ sehen und empfinde den Begriff auch nicht als hart - vielleicht ist es die Aufgabe für uns als Zurückbleibende, zu einer Akzeptanz für den Zyklus des Lebens zu kommen, deren Ziel es ist, im doppelten Sinne gelassen zu werden und (unsere Lieben gehen) gelassen zu haben.
Trauer ist eine elementare, zutiefst menschliche und ganz individuelle Empfindung - sie dauert kurz bis lebenslang, ist wichtig, richtig und hat ihre Zeit.
Und Trennungen (ob vorübergehend oder für immer) haben auch ihre Zeit. Das Eine schließt das Andere nicht aus!
Ich finde, auch an und mit der Trauer kann mensch wachsen.
@PiRi
Ich glaube nicht, dass irgend jemand Dir "Egoismus" im landläufigen Sinne unterstellen möchte; das Wort Egoismus ist vielleicht ungeschickt gewählt, meint aber etwas Wesentliches (vielleicht eine Art oft unbewussten Überlebenswillens!) und gehört nach meiner Erfahrung - mit zahlreichen Facetten - unbedingt zu dieser Thematik.
@Kalip
Du hast es sehr eindrücklich beschrieben, dass die Liebe und damit auch ein Mensch auch dann "bleibt", wenn man seinen Abschied akzeptieren, vielleicht sogar begrüßen und von ihm lassen kann (los lassen...)
Gruß, Frau Meier