Partner und Erkrankung
Hallöchen zusammen,
ich bin 35 Jahre jung und mehr als die Hälfte meines Lebens mit meinem Mann zusammen.
Mein Mann hatte damals schon Typ 1 Diabetes und ich war gesund.
Der aggressive Verlauf meiner Erkrankung hat natürlich an unserer Beziehung gezerrt. Ich war bereits sehr früh in Rente und damit, neben einer heftigen Erkrankung, auch ohne "Sinn des Lebens"...das geht m.E. an keiner Partnerschaft ohne Blessuren vorbei.
Damals habe ich auch manchmal gedacht "Ach, er versteht mich nicht und er kann es nicht nachvollziehen" etc.
Heute bin ich dankbar, daß mein Mann es NICHT nachvollziehen kann, daß er NICHT die gleiche Erkrankung hat und daß er NICHT diese Schmerzen und diese Einschränkungen hat. (Natürlich hat er andere, durch den Diabetes.)
Mein Mann hat sich 1994 einen Tag Urlaub genommen und einen ganzen Tag mit mir in Sendenhorst verbracht. Er hat mit mir den Tag in der Kältekammer begonnen und mit der Rheuma-Schulung am Nachmittag den Tag beendet. Während diesen Tages bekam er "Kulleraugen" und stand häufig sehr berührt an der Seite.
Danach brauchten wir beide nicht mehr diskutieren, ob ich Schmerzen haben könnte oder nicht

Trotzdem hat es häufig Missverständnisse gegeben, auch häufig Neid und Frust meinerseits und da war ich sicher kein angenehmer Gesprächspartner *schmunzel* Ich bin der Meinung, daß ich meistens diejenige war, die die Erkrankung zum Problem in der Partnerschaft machte.
Ich denke nicht, daß ein Partner die gleiche Krankheit haben muß, um es zu verstehen.
Mein Mann weiß, daß ich mich nicht hängen laß´, aber offen und ehrlich sage, wenn ich etwas nicht kann oder will (*g*). Ich kann gut Hilfe annehmen und noch besser deligieren

.
Mein Leben besteht aus mehr als aus Erkrankung. Mal ist es präsenter, mal weniger präsent, aber ich bin eine junge Frau, die auch so leben möchte. Ich habe meine Einschränkung, aber es gibt nicht viel, woran ich nicht teilnehmen kann. Wenn ich selbst nicht aktiv sein kann, so bin ich aber dabei...und das ohne Neid oder Frust.
Wenn wir mit unseren Freunden bowlen gehen, dann bin ich das "Maskottchen" bzw. die "Unparteiische" haha...*schmunzel*
Ich spiele auch Minigolf wie jeder andere und bei dem schlimmsten Hindernis (das hängende Netz), bin ich "plötzlich krank"..ok, ich habe es damals schon nicht gekonnt, aber das brauche ich ja niemanden sagen *fg* *kicher*
Ich finde es sehr wichtig, daß sich mein Mann NICHT vollständig an mein Leben, meine Einschränkungen anpasst. Er hat sein eigenes Leben und das soll er auch leben und genießen.
Es sind MEINE Einschränkungen und nicht SEINE!
In der Praxis bedeutet es z.B. daß wir gemeinsam Rad fahren (ich mit Hilfsmotor). Wenn ich einen weniger guten Tag habe und eben nur langsamer und weniger fahren kann, fährt er entweder vorher seine Runden oder danach noch mal einige Spurts.
Er kann besser und schneller Nordic Walken, deshalb legt er zwischendurch eine Spurts hin und kommt dann...sogar freiwillig

*g* ...wieder.
Dieses Jahr ist er das erste Mal Ski gefahren. Vor 13 Jahren wollte ich es lernen, da hatte er kein Interesse daran. Heute kann er es und es macht ihm Spaß. Klar, ich hätte es gerne gelernt (hätte es ja damals alleine lernen können

), aber ich freue mich von Herzen für ihn, wenn er mit dem Männertrupp in die Berge fährt.
Ich lebe mein Leben, er lebt sein Leben und unsere Beziehung ist die gemeinsame Schnittmenge
Viele Grüße
Sabinerin