Liebe Sarah,
ich kenne diese Ungewissheit nur zu gut. Bei mir gab es am Anfang meiner Erkrankung den ganz starken Verdacht auf Lupus. Blutwerte passten dazu, es wurde ein Biopsie im Gesicht gemacht, ich war völlig verunsichert.
Mittlerweile ist meine Diagnose Psoriasisarthritis (und eine Kollagenose schwingt wohl noch mit, ist aber seit ich therapiert werde ruhig).
Deine Blutwerte können wir hier nicht deuten - die sind aber auch immer eine Momentaufnahme. Z.B. die Veränderungen in den oben aufgeführten Werten (Lymphozyten...) werden auch oft darauf zurückgeführt, ob eine Blutprobe länger vor der Analyse unterwegs war bzw. gelagert wurde...
Ich denke, dich macht v.a. der DNS-DNA-Wert unsicher. Mir fehlt da leider die Ausdifferenzierung (da gibt es verschiedene Untertypen) - insofern wird das wirklich nur der Rheumatologe bewerten können.
Kannst du dich erinnern, dass du vor einigen Wochen oder Monaten eine schwere Infektion hattest (Magen-Darm-Virus, Angina, Epstein Barr-Virus - also Pfeiffersches Drüsenfieber, Corona?) - danach kommt es manchmal zu reaktiven Autoimmunreaktionen, die dann mit der Zeit wieder verblassen (z.B. reaktive Arthritis).
Gibt es rheumatologische Erkrankungen in deiner Familie? Oder andere Auto-Immunerkrankungen wie Morbus Crohn, Neurodermitis,...?
Was ich aber unbedingt loswerden will:
Wichtig ist, dass du einfach Linderung erfährst und Klarheit bekommst. Und sollte das eine Rheuma-Diagnose sein, dann ist das heutzutage wirklich kein Beinbruch mehr (soll jetzt nicht verharmlosend wirken...).
Denn es gibt so viele wirksame Mittel, die deine Krankheit abmildern oder sogar stoppen können, wenn du denn eine hast.
Ich hätte mir in der Anfangszeit meiner Erkrankung überhaupt nicht vorstellen können, dass ich nochmal schmerzfrei sitzen, meine Hände ganz gut bewegen und mein normales Leben wieder führen kann. Aber genau das ist möglich und das schaffen die allermeisten Rheumapatienten durch eine angepasste Therapie.
Ich bin z.B. völlig normal berufstätig - klar mit einigen Einschränkungen, aber trotzdem glücklich lebend.
Es ist dein Glück, dass unsere Erkrankungen heute viel besser therapierbar sind als früher und dass sie sogar in Remission (zum Stillstand) gebracht werden können.
Also bei aller verständlichen Sorge: Lass dich bitte nicht versunsichern. Schade, dass man das mit dem vorzeitigen Versenden der Blutwerte ohne Befund geschafft hat... - wäre besser gewesen, dass man erst mit dir spricht und dann die Blutwerte übermittelt. Mhhh... - aber mag jetzt ein Problem durch den bevorstehenden Feiertag gewesen sein.
Jedenfalls ist es gut, dass du dir hier Rat geholt hast - auch wenn wir verantwortungsvollerweise nichts Diagnostisches zu den Blutwerten sagen können und sollten.
Versuch dich die nächsten Tage abzulenken - du kannst es sowieso nicht ändern und hier gibt es unzählige Beispiele, die dir Hoffnung machen könnten (und außerhalb des Forums noch viel mehr - denn wem es richtig gut mit der Erkrankung geht, der tummelt sich vielleicht auch noch so oft im Forum ;-)).
Herzliche Grüße und toi toi toi von anurju