Kinderweh
Liebe Mizi,
ich bin nun kein Kind mehr, hatte aber auch schon in der Kindheit starke Kopfschmerzen (familiäre Form der Migräne mit Aura). Das ist nicht fein. Und als ich klein war, hatte man es noch nicht so mit den Fachwissen um Kopfweh bei Kindern (auch wenn es ein Familienleiden war und ist).
Spannungskopfschmerzen sind nun keine Migräne und leider werden die Spannungskopfschmerzen gerne bagatellisiert. Aber bei einem Kind ist die vornehmste Aufgabe des Arztes doch eine Problem- (und damit Schmerz-)Lösung. Das sollte man nicht (alleine) den besorgten Eltern überlassen. Wenn also bisher nichts geholfen hat, an Therapien, dann war da die Richtige nicht dabei, und vielleicht sollte Dein Kind zu einem Spezialisten.
Du wohnst in Bayern. Die nächste Spezial-Adresse wäre das Kopfschmerzzentrum in München (Oberbayrisches Kopfschmerzzentrum München am Campus Groß-Hadern). Das ist vielleicht weit weg, von da, wo Du wohnst, aber es lohnt sich sicherlich. Dort sind die Spezls, die Deinem Kind eine (vielleicht auch komplexe, vielschichtige) Therapie vorschlagen können, nachdem Sie Deine Tochter untersucht haben. Alles weitere kann dann wieder zu Hause erfolgen (auch die eigentliche Therapie). Manchmal ist es, gerade bei Kopfschmerzen wichtig, erste den Schmerz zu unterdrücken (loszuwerden), bevor man mit einer anderen Therapie anfangen kann (wie etwa Osteopathie oder Entspannung), da man sich sonst darauf nicht einlassen kann. Das heisst aber auch, dass man erst mal und für eine Weile doch Medikamente nehmen muss. Aber das sollten Experten entscheiden, gerade wenn es sich um ein Kind handelt.
Kopfschmerzen bei Kindern sollten begleitet von einem Team aus verschiedenen Fachrichtungen analysiert und auch therapiert werden, die natürlich alle mit der Patientin (und deren Eltern) und auch untereinander reden sollten. Sonst klappt das nicht. Ein Neurologe, Sporttherapeut (Physio), Psychologe, ggf. Schmerztherapeut und ein Kinderarzt.
Oft wird (egal ob Kinder oder Erwachsener) zu viel Sport, Bewegung, Massage der oberen Extremitäten/Kopf/Schulter/Nacken direkt nach Kopfschmerzen gemacht, auch in der Physio, und dann geht der Schmerz von vorne los, da man die "Verspannung" lockern will. Nur gut ausgebildete Physiotherapeuten wissen, dass die Verspannung eine Folge der Kopfschmerzen ist, und nach 24-48 Stunden post Kopfschmerz weggeht (und dann kann man auch wieder Sport machen). Da kann ein irrer Teufelskreislauf entstehen. Die Kopfschmerzzentren können geeignete Therapeuten nennen.
Kopfschmerzen (jede Form davon) werden gerne chronisch, da sich das Hirn Schmerzen merkt und dann immer empfindlicher auf neue Reize und Schmerzen wird. Irgendwann kann man nicht mehr wirklich entscheiden, ob man Schmerzen hat, sie gerade bekommt oder ob sie gerade besser werden. Und man fängt an, sich vor Situationen zu fürchten, die früher mal Kopfschmerzen ausgelöst haben (es aber vielleicht jetzt nicht mehr tun). Das ist schon bei einem Erwachsenen schlimmt, denn es schränkt das (soziale) Leben sehr ein, aber bei einem Kind ist es schrecklich, da es sich dieser Muster nicht bewust ist.
Auf der anderen Seite kann einem Kind viel schneller geholfen werden, da es viel unbedarfter ist und auch Hirn und Köper noch viel schneller lernen und regenerieren.
Die Kopfschmerzzentren in Deutschland (wie das in München) sind alle gleich gut. Ich bin immer in Essen. Bis man den ersten Termin bekommt, kann es dauern. Aber es lohnt sich. Für ein Kind bekommt man sicher schneller einen Termin, zumal wenn es Deinem Kind akut schlecht geht.
Ich wünsche Deiner Tochter alles Gute,
Rosalind!