Liebe Kerstin,
auch ich wünsche Dir viel Mut und Kraft für einen Neuanfang. Du hast noch mindestens Dein halbes Leben vor Dir - eine viel zu lange Zeit, um sie mit schlechten Kompromissen à la Zweitfrau zu vergeuden, statt die Chancen der ca. 13500 nächsten Tage dazu zu nutzen, einen neuen Partner zu finden. Das sind unendlich viele Stunden und Gelegenheiten...
Du schreibst "...geschweige denn jemals wieder einen Partner zu finden dem man vertrauen kann und der auch in den Zeiten wo es einem so schlecht geht zu einen steht wenn man so enttäuscht worden ist"...
So etwa ist wohl vielen von uns im Lauf der Jahre einmal passiert. Bei mir ging kurz vor meinem 30. für mich völlig unerwartet eine langjährige Beziehung in die Brüche; mein Freund hatte sich in eine andere Frau verliebt, was aber nicht der eigentliche Grund war. Wie er mir schon damals sagte, kam er mit meiner Erkrankung (trat 3 Jahre nach unserem Kennenlernen auf) nicht klar - "ich wolle ja nicht gesund werden". Naja. Seine Mutter war überglücklich, denn "ich hätte ja kein Kind in den Armen halten können", wurde mir hinterbracht. (jetzt ist er mit einer libanesischen Krankenschwester verheiratet - ob das seiner sehr auf Wahrung der deutschen Kultur und Bildung bedachten Mutter wohl besser gefällt?) Nebenbei musste ich hier in Berlin umziehen und hatte super stressige Projekte am Hals. Das war wirklich keine schöne Zeit. Aber eineinhalb Jahre später kam ich mit meinem jetzigen Mann zusammen, und wir haben zusammen ein sehr erfülltes, schönes Leben. Obwohl meine Krankheit in den letzten Jahren weiter fortgeschritten ist und ich z.B. jetzt einen Rolli benutze. Ich hoffe, dass ich mit ihm auch alt werden kann; so wie es im Moment aussieht, können wir beide mit den Belastungen umgehen, die durch meine Krankheit entstehen. Und seine Mutterbindung ist nebenbei auch nicht so ausgeprägt wie bei seinem Vorgänger, und sie ist nicht so auf Enkel fixiert.
Mir hat damals das Negativ-Beispiel meiner Tante geholfen, mich aus meinem persönlichen Katzenjammer aufzuraffen. Die hatte irgendwann Mitte 20 ein missratenes Eheprojekt, kam dann nach Hause zu Mutti und war seitdem immer irgendwie krank und versteckte sich den Rest ihres Lebens hinter dieser einen Enttäuschung. Jetzt ist sie 66, krank und alleine. So wollte ich nicht werden.
Was die persönliche Attraktivität und Rheuma angeht: bisher habe ich die Zuversicht, dass, solange mein Geist funktioniert, ich mein Leben auch mit Rheuma gut gestalten kann. Solange ich das denke, strahlt es auch aus, und das Rheuma wird irgendwie nebensächlich - zumindest bei Menschen, die meine Werte teilen. Und auf die kommt es doch an. Sicher waren meine "Marktchancen" absolut gesehen damals mit 30 etwas geringer als Anfang 20 ohne Rheuma. Weggebrochen sind vielleicht die oberen 20-30% "Smarties", mit denen man vielleicht das eine oder andere Abenteuer gehabt hätte; was solls. Glaube mir - auch für Dich sind, wenn sich der erste Kummer in einigen Monaten gelegt hast, genügend Möglichkeiten übrig, wenn Du sie sehen willst.
Also, andere hier im Forum haben sicher auch trotz und mit Rheuma zu glücklichen Beziehungen gefunden - vielleicht meldet Ihr Euch?
Als kleine Soforthilfe kann ich nur empfehlen a) einen Abend planvoll betrinken, am besten mit jemand, mit dem man über die böse Männerwelt ablästern kann (natürlich nur, wenn die Medis das zulassen) b) am nächsten Tag losziehen, sich als Symbol ein möglichst nettes Kleidungsteil zu kaufen...und dann fängt der erste von vielen Tausenden Tagen eines neuen Lebens an.
Dir alles Gute und viele Grüße - Gerlinde