Meine Erfahrungen in der Rehaklinik Schlangenbad
Ich kam mit bestätigter chronischer Polyarthritis (beschränkt auf Hand- und Fingergelenke) nach Schlangenbad.
Meine Erwartungen waren nach den Recherchen im Internet nicht besonders hoch, jedoch wurden auch diese noch enttäuscht.
Nach 14 Monaten Umbau der Rehaklinik kam ich in eine zwar vom Rentenbund abgenommene aber immer noch nicht fertige Klinik. Nicht nur dass „Kleinigkeiten“ wie Haken zum Aufhängen einer Jacke oder eines Bademantels oder einer Ablagemöglichkeit im Bad fehlten, auch die 2. Therapieetage war immer noch nicht fertig. Dies hatte zur Auswirkung, dass sich die Therapeuten in der 1. Therapieetage gegenseitig auf die Füße traten.
Wer mit dem Auto anreist, muss sich auf Parkplatzsuche und langem Fußweg vom Parkplatz gefasst machen, denn es gibt um die Klinik herum keine Parkmöglichkeit.
Auch die Kosten für das Telefon mit einer Miete von 1,50 € pro Tag und 0,10 € pro Einheit (Zeittakte der Telekom) sind ziemlich heftig. Doch ohne das Mieten des Telefons kann man von außerhalb nicht angerufen werden. Dafür gibst jetzt den Fernseher gratis im Zimmer.
Wenn man viel Obst isst, muss man in Schlangenbad auf Selbstversorgung umsteigen, denn das Angebot der Klinik beschränkt sich auf Zuteilung von einem Stück zum Abendessen (also jeweils nur eine Banane, Orange, Kiwi oder eines Apfels pro Person). Wenn man gerade keinen Appetit auf das jeweilige angebotene Obst hat, hat man eben Pech gehabt. Auch für eine eventuelle Zwischenmahlzeit am Vormittag ist man selbst verantwortlich, es sei denn, man ist Diabetiker.
Als Kaffeetrinker hat man auch so seine Probleme. Entweder man trinkt nachmittags den Kaffee in der Klinik (1,70 € pro große Tasse) oder man wirft den örtlichen Cafes und Restaurants seine Kohle in den Rachen. Ich habe das Problem für mich durch den Kauf eines Wasserkochers gelöst und war dadurch unabhängig von Zeit und Preis.
Einige werden jetzt denken, na ja das ist doch alles nicht so schlimm, es kommt doch auf die ärztliche Betreuung und die Therapien an. Unter normalen Umständen würde ich diese Meinung teilen, nämlich dann, wenn das andere stimmt. Jedoch kann ich die Erfahrungen anderer Patienten aus früheren Zeiten nur bestätigen. Die Aufnahmeuntersuchung erfolgte durch den Chefarzt Dr. C. (keine Ahnung wie ich zu der Ehre kam). Mit den im Antrag eingereichten Unterlagen und Befunden hatte er sich bis dahin nicht beschäftigt, sondern er überflog sie dann in meinem Beisein. Als erstes wurde dann mein durch den häuslichen Rheumatologen verordnetes Schmerzmedikament durch ein anderes ersetzt. Meine letzte Blutwertekontrolle war nicht Ordnung (Leberwert erhöht), deshalb hatte mein Rheumatologe empfohlen, wöchentlich meine Blutwerte zu kontrollieren. Dies wurde ignoriert und auf mein Nachfragen kategorisch abgelehnt. Mit dem neuen Schmerzmedikament kam ich gar nicht zurecht. Als ich das bei der 1. Visite (nach einer Woche) erwähnte, wurde dieses mit Eingewöhnungsschwierigkeiten abgetan. Die Möglichkeit meine Stationsärztin Frau Dr. K. aufzusuchen, war auch sehr gering, da die Sprechzeiten sich auf die Zeit von 8.00 bis 8.30 Uhr beschränkten und ich zu dieser Zeit meistens schon die ersten Anwendungen hatte. Bei der 2. Visite (wieder nach einer Woche) wurde mir dann zu verstehen gegeben, dass ich mir die Verschlechterung meines Zustandes nur einbilde und eine Zunahme der Schwellungen an den Finger – und Handgelenken nicht zu erkennen wäre. Für mich hieß das übersetzt: „Frau Z., Sie sind eine Simulantin“.
Die Abschlussuntersuchung wurde dann nicht vom Chefarzt sondern von der Stationsärztin Frau Dr. K. durchgeführt. Als Endergebnis kam dann heraus, dass nicht nur meine persönliche Erwartungen an die Reha, nämlich eine Besserung meiner Beschwerden, nicht erreicht wurde, sondern jetzt auch eine Verdickung an den Zehengrundgelenken festgestellt wurde. Für Frau Dr. K. hieß das dann lapidar: „Das Rehaziel wurde nicht erreicht“. Frau Dr. K. wollte dann noch die Blutwerte vergleichen, musste dann jedoch feststellen, dass man mich da wohl vergessen hatte.
Der absolute Hammer war dann der vorläufige Abschlußbericht für meine Ärzte. Kein Wort davon, dass eine Verschlechterung eingetreten ist, von Nichterreichung des Rehaziels ganz zu schweigen. Im Gegenteil trotz Verschlechterung wurde ich als voll arbeitsfähig entlassen.
Das einzig wirklich Positive in dieser Klinik waren für mich die Therapeuten (Masseure, Krankengymnasten, Ergotherapeuten usw.). Sie gaben sich alle Mühe und versuchten wirklich alles, um einem zu helfen. Auch wenn man Schmerzen hatte, wurde von Seiten der Therapeuten wirklich alles getan, damit es einem besser ging.
Einziges Manko in der Therapieabteilung war die nicht funktionsfähige Kältekammer. Diese war in den 3 Wochen Reha nur an 4 Tagen voll funktionsfähig, hat mir aber dann sehr gut getan. Wem Kälte hilft, dem kann ich die Nutzung einer Kältekammer wirklich nur empfehlen, auch wenn sich minus 110 Grad anfangs fürchterlich schlimm anhören. Man kann selbst bestimmen, wie lange man sich in der Kälte aufhalten möchte und jederzeit die Kältekammer verlassen.
Mein Fazit nach 3 Wochen Aufenthalt in Schlangenbad:
Wer Wert auf gute therapeutische Betreuung legt, auf individuelle ärztliche Betreuung und eines stimmiges Rundum verzichten kann, der ist in Schlangenbad gut aufgehoben.