Hallöchen zusammen,
ich bin der Meinung, dass Krankheitsbewältigung Zeit braucht und man diese Zeit nicht forcieren kann.
Die Krankheit verschwindet nicht mit einem guten Basismedikament, sie ist lediglich gut kontrolliert. Sie ist weiterhin vorhanden, sie schränkt weiterhin ein, nur evt. nicht in dem Maße wie zu Beginn.
In akuten Zeit erträgt man die Situation schlechter, in durchschnittlich guten Zeiten besser...und trotzdem braucht es Zeit, bis der Mensch seine Situation akzeptiert hat.
Die Krankheitsbewältigung verläuft in Phasen
https://www.sozialversicherung.at/p...ion=2&viewmode=content&contentid=10007.677810
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1) Schock - Verleugnung ('Nicht-wahrhaben-wollen')
Die Konfrontation mit der Diagnose einer schweren Erkrankung führt häufig zu einem "Sturz aus der Wirklichkeit", zu einem Schock, zu Unruhe und Angst. Häufig wird versucht, die Bedrohung durch die Diagnose mittels Verleugnung zu reduzieren.
Dieses "Nicht-wahrhaben-wollen" hat einerseits den Vorteil, dass der Betroffene die Tatsache der Diagnose nach und nach annehmen kann. Es kann aber auch zu Verhaltensweisen kommen wie: Glauben an eine Fehldiagnose oder Verwechslung bis hin zur Verzögerung oder sogar Verweigerung der notwendigen Behandlung.
In dieser Phase brauchen die Erkrankten vor allem menschliche Wärme, Verständnis und Verlässlichkeit in menschlichen Beziehungen.
2) Aggression - Zorn - Wut
Die Frage "Warum gerade ich?" ist in dieser Phase eine wesentliche und löst bei den Betroffenen Gefühle der Wut, Betroffenheit und Kränkung aus; sie hadern mit Gott und der Welt. Oft wird diese Wut und Aggression (die eigentlich der Krankheit gilt) nicht offen geäußert, sondern unbewusst an der Familie, am Pflegepersonal usw. abgeladen, was sich dann durchaus in Form von Vorwürfen und Kritik - sogar beleidigend - äußern kann.
Der Kranke braucht jetzt trotz seines ablehnenden Verhaltens Geduld und ein kontinuierliches aufrechterhaltendes Kommunikationsangebot.
3) Depression
Durch die vielfach mit der Erkrankung verbundene zunehmende Funktionseinschränkung von Gliedmaßen, durch Schmerzen, Rollenverluste (z.B. als Familienversorger), durch Veränderung des Körperbildes etc. kommt es zu einem Einbruch des Selbstwertgefühls.
Viele Betroffene stellen sich die Frage: "Was bin ich eigentlich noch wert?" . Verzweiflung und persönliche Verletzlichkeit nimmt zu. Der Kranke scheint ständig Hilfe zu fordern, ist aber nicht in der Lage, sie auch anzunehmen. Dieses Verhalten stellt für die unmittelbare Umgebung des Betroffenen eine große Herausforderung dar, da gerade jetzt der Patient eine beständige und aufrechterhaltende Beziehung braucht. Dem Erkrankten kann dadurch vermittelt werden, dass sein sozialer Rückzug und seine depressive Stimmung als normale Reaktionen auf die Erkrankung verstanden und akzeptiert werden.
4) Verhandeln mit dem Schicksal
Nun versucht der Betroffene durch das Erbringen von Opfern (Hinwendung zu zweifelhaften Behandlungsmethoden und Aufbringen großer Geldsummen dafür) einen "Handel mit dem Schicksal" zu schließen und dieses Schicksal dadurch hinauszuzögern oder abzuwenden.
Beratung ist hier besonders wichtig.
5) Akzeptanz und Annehmen
Der Erkrankte nimmt seine Erkrankung an. Neue Rollendefinitionen werden gefunden und der Platz im Leben wird wiedergefunden. Das Erreichen dieser Phase ist keineswegs selbstverständlich und sie wird nicht immer erreicht. Der zeitliche Verlauf der Bewältigung einer Erkrankung sowie die Wichtigkeit und Dauer der einzelnen Phasen sind eng an die Persönlichkeit des Erkrankten, seine Erfahrungen im Umgang mit Krisen, seine Erwartungen und an sein soziales Umfeld gebunden. Sie prägen entscheidend den Bewältigungsstil mit.
Die Aufgabe der Psychologie ist es einerseits, die Patienten in ihrer individuellen Krankheitsbewältigung zu unterstützen und Strategien zur erfolgreichen Bewältigung gemeinsam mit den Betroffenen zu erarbeiten. Anderseits gilt es, persönliche Ressourcen zu erschließen, wieder zu aktivieren, aufzubauen, neu zu entwickeln, denn von den eigenen Ressourcen (individuellen Stärken und Fähigkeiten, Hilfsquellen) hängt wesentlich die Lebensqualität ab.
Das Wissen darüber, wo die Erkrankung sich im alltäglichen Leben bemerkbar macht und was nützt oder schadet, hilft kreative Lösungen zu finden und aktiv etwas für sich zu tun. Am besten scheint es dabei jenen Menschen zu gehen, die sich nicht auf die Einschränkungen, sondern auf ihre vorhandenen Fähigkeiten konzentrieren.
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Rückblickend kann ich sagen, dass es bei mir genau so war und jede Phase ihre Zeit brauchte.
Und dieser Ablauf ist nicht statisch, sondern immer individuell und wiederholt sich u.U., wenn neue Erkrankungen hinzukommen.
In Phase 4 und 5 hat mir dieser Spruch geholfen:
Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Er enthält für mich viel Wahres, weil ich im Leben immer Aussortieren muss, wo ich meine Energie investiere und wo nicht.
Mich persönlich interessieren z.B. nicht die Dinge, die ich nicht kann. Wenn ich es nicht kann, muss ich mich damit auch nicht beschäftigen, weil es zu keinem Erfolg führt.
Die Dinge werden abgehakt.
Anders ist es z.B. mit meiner Beweglichkeit, die in jedem Herbst massivst abnimmt und mich, je nach Länge und Intensivität des Winters, so stark einschränkt, dass ich das Haus nicht verlassen kann. Jedes Frühjahr nehme ich diesen kräftezehrenden Kampf auf und hole mir die Beweglichkeit wieder zurück, also so zurück, wie ich es eben kann.
Es ist mühselig, es ist manchmal zu wutschnauben, aber genau das kann ich ändern, also tue ich es.
Mit dieser Unterscheidung meiner Möglichkeiten fahre ich seit Jahren gut.
Ich gehe sehr fürsorglich mit meinem Körper um, ich achte auf mein seelisches Gleichgewicht, was nicht bedeutet, dass ich immer im Gleichgewicht bin.

Es gibt immer Ausreisser nach oben und nach unten, aber ich weiß wo meine Mitte ist und deshalb machen mir die Ausreisser nach unten keine Sorge, weil ich immer wieder zu meiner Mitte finde, mal schneller, mal mit Umwegen
Ich orientiere mich immer an die Verbesserung meiner Möglichkeit, an Menschen, die mit Einschränkungen wachsen und Tolles erschaffen.
Ein positives Beispiel ist für mich diese Künstlerin:
http://www.willowing.org/about/
In den Videos sind ihre deformierten Hände zu sehen und sie ist trotzdem ständig kreativ und hat dabei eine tolle Ausstrahlung.
Ob sie mehr oder weniger krank ist als ich, interessiert mich nicht. Für mich ist nur wichtig, dass es Menschen gibt, die aus ihrer Situation nicht nur "das Beste machen", sondern es geschafft haben, einen Weg zu finden, der auch Lebensqualität und Lebensfreude mit sich trägt.