Meine XXL- Uveitis- Augengeschichte
Weil immer und immer wieder gefragt wird:
Meinen ersten Uveitisschub hatte ich mit fünf, aber er wurde nicht erkannt. Wir haben ihn anhand meiner alten Krankendaten "rekonstruieren" können.
Bemerkbar machte er sich nur durch Lichtempfindlichkeit und eine leichte Rötung des Augenweiss bemerkbar. Schmerzhafte Schübe kamen erst später. Behandelt wurde ich damals auf eine landläufige Iriitis, also nur mit schwachen Medikamenten.
Den Zusammenhang zwischen meiner Steifigkeit, dicken wenn auch schmerzlosen Gelenken, ständiger Fieberschübe und Durchfällen wurde nicht erkannt.
Richtig aktiv wurde es als ich acht Jahre alt war. Bis dahin waren die Schübe lediglich vereinzelte Episoden gewesen und wurden nicht miteinander in Zusammenhang gebracht. ( auch teilweise Mitschuld meiner Eltern, die durch ihre Unsicherheit, den Augenarzt mehrmals wechselten und somit zunächst keine Verlaufskontrolle möglich war)
Die Fieberschübe dauerten aber an und gingen nicht selten auch über
41°C hinaus. Ich muß allerdings dazu sagen, daß ich aufgrund eines angeborenen Herzfehlers ohnehin eine Dauererhöhung um 1-2° habe, ich bin nie unter 37°C gewesen. ( nur zur Erklärung, zum Vergleich mit anderen Kindern wurde immer ein Grad abgezogen)
Das Fieber kam mehrmals im Jahr und blieb immer mehrere Tage und wurde auf den Herzfehler zurückgeführt. Das ist leider eine falsche Diagnose gewesen, in dieser Art und Weise ist es ein deutlicher Hinweis auf eine rheumatische Erkrankung, aber das weiß ich erst heute.
Es reagierte nur schlecht auf Medikamente. Die besten Ergebnisse berichten meine Eltern von der altbewährten Wadenwickel.
Als sich alle schon fast an das stetige Fieber gewöhnt hatten hörte es mit 11Jahren dann apprubt auf und kam auch in der Form bis heute nicht wieder.
Nur kurz als zeitlicher Rahmen:
- von Geburt an immer wieder Fieber
- 5 Jahre erster Uveitisschüb, keine Zellen mehr nach sechs Wochen ( linkes Auge)
- 7 Jahre zweiter Schub, keine Zellen mehr nach 7,5 Wochen ( rechtes Auge, erstmals Behandlung mit Kortisondepot gesprizt unter die Bindehaut)
- dann alle 3 Monate leichtere Schübe, einige verlaufen auch schmerzhaft im Schnitt dauerten die 2-3 Wochen ( abwechselnd rechts und links)
- 10 - 13 Jahre keine Schübe, erstmals Remission ( mit 13 bekam ich die Diagnose, das ich an einer Form einer juvenilen, jugendlichen Arthritis leide, noch keine konkrete Klassifizierung)
- 14-17 Jahre 4-5 Schübe im Jahr, ausgeprägtes Schmerzempfinden, erstmals beidseitige Uveitis, ca. die Hälfte der Schübe wird zusätzlich zu den Tropfen mit Kortisonspritzen behandelt
- 18-21 Jahre zweite Remission, ich bin lichtempfindlich , habe aber keine Schübe
mit 21 entgültige Diagnose Morbus Bechterew
- 22-28 Jahre 4-5 Schübe / Jahr wieder einige ohne jeden Schmerz, ab jetzt bleiben die Schübe im linken Auge
Aufgrund der schmerzlosen Entzündungen ging ich seitdem min. alle acht Wochen zur Kontrolle, auch wenn ich keinerlei Schwierigkeiten hatte.
Bis hierhin wurde ich abgesehen von den Sprizen unter die Bindehaut nur mit Inflanefran Forte und Boroscopol AT behandelt.
Seit 2002 war ich nun bis November 2005 im Dauerschub, er war behandlungsresistent geworden.
Ende 2002 began ich eine Basismedikation, auch wegen des Bechterew, mit MTX.
Ein anderes Basismedikament Sulfasalazin und Indometacin bekam mir nicht.
2002 war ich das erste Mal in einer Augenklinik, die auf Uveitis-Chroniker, wie zum Beispiel Bechterewler spezialisiert ist.
Seit dem gehe ich vierteljährlich in die Klinik zu dem Professor, auch für besondere Untersuchungen, die Verlaufskontrollen übernimmt meine Ärztin.
Dort bekam ich auch die konkrete Diagnose Panuveitis.
Bei den Untersuchungen im Krankenhaus wurde ein unbehandeltes Makulaödem und eine leichte Verklebung erkannt. Diese war allerdings noch so frisch, daß sie mit Stoßtropfen noch
am selben Tag gelöst wurde. Das Makulaödem wurde mit Wassertabletten und Kortison systemisch behandelt, es blieb aber bestehen.
Der Schub ging langsam nach 8 Monaten zurück, flammte dann aber gleich nach dem Ausschleichen der Medikamente wieder auf.
Die Behandlung wurde mit Inflanefran Forte und Mydriatikum fortgesetzt.
Da ich mit 16 Jahren eine Ausbildung zur Technischen Zeichnerin gemacht habe und ich mit Boroscopol große Schwierigkeiten beim Lesen hatte, habe ich mit Mydriatikum weitgestellt. Das ging ganz gut, da sich die Pupille im Laufe des Vormittags wieder zusammenzog. Ich tropfte eben öfter am Tag.
Wenn besonders viele Zellen zu sehen waren, oder das Makulaödem wieder schlimmer wurde bekam ich aber trotzdem Boroscopol.
Meine letzte Verklebung bekam ich 2004, diese ließ sich auch nicht mehr lösen, eine Abplattung auf 7 Uhr Stellung.
Ab diesen Zeitpunkt bemerkte ich auch massive Sehschwierigkeiten.
Das ich nur noch 40% sehen konnte hatte ich gar nicht bemerkt, da sehr vieles das rechte Auge übernommen hatte. Bei einer der Kontrollen in der Klinik vielen wir also aus allen Wolken. Der Visus verschlechterte sich noch einmal durch das Makulaödem auf 10%.
Der Professor sagte mir das ich einen Grauen Star habe, der sich über die Jahre durch die Kortisontropfen entwickelt habe. Nur eine Operation könne Besserung bringen, diese jedoch erfordere es absolut entzündungsfrei zu sein für mindestens 3 Monate.
Außerdem fand er Fibrinablagerungen im Glaskörper, die ich wie Eintagsfliegen sehe.
Es muß lustig für andere aussehen, wenn ich im Nichts einen Fleck fixiere und dann versuche mit der Hand die vermeintliche Eíntagsfliege zu erwischen. Heute lachen mein Mann und ich manchmal bei der Vorstellung wieviel Insektenspray ich wohl schon versprüht habe, ohne wirkliche Opfer zu treffen

. Ich seh das durchaus lustig.
Was für mich viel grawierender war, als das bloße Wissen um meine geringe Sehschärfe war, dass mich das trübe Auge im Straßenverkehr erheblich behinderte.
Ich konnte weder Entfernungen einschätzen, als auch Geschwindigkeiten. Das muß nicht so sein, aber bei mir war das der Effekt.
Helle Autos, z.B. konnte ich an diesigen Tagen gar nicht erkennen.
Als ich das merkte war das auch der Zeitpunkt an dem ich erstmal kein Auto mehr fuhr, aber auch als Fußgänger höllisch aufpassen mußte.
Ohne KFZ auszukommen war für mich sehr schwierig ich komme aus dem Sauerland aus NRW, aus einem kleinen Städtchen in dem Bus und Bahn fast noch ein Fremdwort sind. Ohne Auto bin ich aufgeschmissen.
Der Professor machte einen Vorschlag. Er berichtete von der Triamcinoloneinspritzung in den Glaskörper und sagte, daß damit hervorragende Ergebnise erziehlt werden.
Es war keine Frage, daß wir den Versuch wagen würden. Die Kosten trägt die Krankenkasse nicht, da es keine aktuelle Zulassung gibt.
Meine Klinik ist grad dabei mit einigen anderen gemeinsam eine erforderliche Studie durchzuführen.
Die Triameinspritzung wurde im November 2005 noch am selben Tag durchgeführt.
Ich habe sie bei örtlicher Betäubung durch Tropfen durchführen lassen und habe es nicht bereut, auf die Vollnarkose ( die ja auch wieder privat gezahlt werden müßte) verzichtet zu haben.
Bereits drei Tage nach der Prozedur war ich schubfrei, keinerlei Zellen zu sehen. Sicher ich habe weiterhin getropft, aber nur noch dreimal täglich, statt jahrelang vorher stündlich.
Zwei Wochen nach der Triam hatte sich ein Sekundärglaukom entwickelt. Grüner Star, das hatte noch gefehlt. Doch nach einigen Fehlversuchen haben wir die richtige Tropfenkombination gegen den erhöhten Augeninnendruck gefunden und das Glaukom ist nun vorerst im Griff.
Im Mai wurde nun der Graue Star operiert, ich bekam eine Kunstlinse. Der Glaskörper wurde vorerst wegen des latent vorhandenen Makulaödems nicht entfernt, um weitere Komplikationen zu vermeiden.
Am Tag nach der OP sah ich ohne Brille 100%. Man kann sich nicht vorstellen, wie schön die Farben waren. Wie faszieniert ich von scharfkantigen Gegenständen war, scharfe Ränder hatte ich seit Jahren nicht gesehen. Ich entdeckte bei meinem Mann kleine Lachfältchen um die Augen, die ich nie vermutet hätte.
Meine Welt ist jetzt anders.
Am deutlichsten erinnere ich mich nach der OP an folgende Situation. Ich griff in den Spint um mein T-shirt anzuziehen, mein Lieblingsshirt in altrosa.
Ich zog es heraus uns es ist pink! Knallpink, ich war völlig begeistert. Obwohl ich auf dem rechten Auge zu jeder Zeit 100% gesehen habe konnte ich diese Farbe nicht erkennen.
Meine Welt hatte einen Graustich. Das ist nun vorbei.
Durch die OP ist auch der Druck noch einwenig zurück gegangen und ist jetzt zwar weiterhin mit Tropfen im grünen Bereich.
Die geplante Glaukom-OP ist vorerst abgeblasen.
Mitte Juni 06 war ich nun zur OP- Nachkontrolle im Krankenhaus. Ich habe nun einen entgültigen visus von 80% ohne Brille, mit annähernd 100%.
Allerdings habe ich einen Nachstar bekommen, der wenn ich nicht mehr klar komme und die Trübung zu heftig wird gelasert werden kann. Allerdings nur ein bis zweimal, da er auf der hinteren Schale der Linse sizt und nivht auf der Linse selbst. Öfter geht das nicht, da die Hülle dann löchrig werden wird und dann muß auch die neue Linse entfernt werden.
Die Verklebungen sind während der OP gelöst worden und beide
Pupillen wieder kreisrund.
Was gebleiben ist: die linke Pupille ist im Reflex etwas träger als die gesunde, da über die Jahre und die Weitstellerei der Muskel erschlafft ist.
Da ich aber jetzt nicht mehr weitstelle soll sich das zu einem Teil wieder geben, es sei eine Sache des Trainings.
Ich bin in der Triamstudie aufgenommen, d.h. daß mir auch andere Utersuchungsmethoden zur Verfügung stehen, die regulär wiederum eine Privatleistung wären, diese trägt nun die Klinik für mich.
Mein Makulaödem ist seit einem halben Jahr ohne Wassereinlagerungen und wird als auskuriert und geheilt betrachtet. In der Ausprägung wie es war hatte damit niemand gerechnet.
Um den Schüben erstmal noch vorzubeugen bekomme ich 3x tgl. Inflanefran Forte.
Im August bin ich wieder in der Klinik zur Kontrolle bestellt, um evtl. auch über ein Ausschleichen zu reden.
Meine jetzige Medikation ist :
- MTX 15mg, i.m. 1x/ Woche gesprizt
- 5mg Cortison Erhaltungsdosis
- 5mg Folinsäure 1x/ Woche
- 3xtgl. Inflanefran Forte
- 2xtgl. Alphagan ( wegen Glaukom)
- 1xtgl. Azopt ( Glaukom)
- Alendron ( Osteoporose)
- Calzium + VitaminD ( Osteo)
- Antibabypille
Mein Allgemeinbefinden ist relativ gut. Vor dem MTX ging es mir sehr schlecht, aber jetzt ist Ruhe eingekehrt.
Das tat uns allen gut. Auch die positiven Entwicklungen nach der Triam haben mir einen kräftigen Vorwärtsschub gegeben.
Es hatte sich ein Zustand eingeschlichen in dem man sich hilflos und verlassen fühlte.
Jetzt habe ich wieder das Gefühl, etwas für mich tun zu können.
Die Dinge bewegen sich eben wieder rauf und runter und nicht stetig weiter bergab.
Ich habe die Krankheit als Kind nicht als bedrohlich empfunden.
Mich hat es sehr belastet, daß ich fühlte wie verzweifelt meine Eltern waren und wie hilflos.
Nicht um meinetwillen, sondern weil meine Eltern traurig waren hatte ich Kummer.
Ich habe sogar Schmerzen nicht angekündigt, weil ich meine Eltern nicht unglücklich haben wollte.
Ich glaube das es ganz wichtig für die Kinder ist, daß die Eltern Hilfe bekommen und ausgeglichen sind, um ihnen Sicherheit zu vermitteln.
Meine Mutter und mein Vater haben nie in meiner Gegewart geweint, aber ich wußte trotzdem wie unglücklich sie sind und ich fühlte mich schuldig.
Das war sicher nicht gut für meine Seele.
Kira