Hallo ErikaSt, danke für Deine ausführliche Antwort, auf die ich an der jeweiligen Stelle gesondert eingehen möchte:
Zunächst:
Ich gehe davon aus, daß Du Deine Diagnose und sowohl die verordneten als auch die vorgeschlagenen, von Dir aber leider abgelehnten Medikamente, von einem Rheumatologen erhalten hast.
Nein, kein Rheumatologe, mein Internist.
Sowie ich ebenfalls davon ausgehe, daß Dir erklärt wurde, was Du hast. Wußte er auch nicht, seronegative rheumatoide Arthritis = Autoimmunerkrankung. Ich habe bereits angeblich Hashimoto, allerdings keine Symptome
Und warum diese Medis nötig sind. Ich habe das von Anfang an bezweifelt.
Wenn Du bereits seit 4 Jahren hier liest, kennst Du sicherlich auch den auf die Behandlung jeglicher entzündlich-rheumatischen Erkrankung gemünzten Spruch: "Hit fast. Hit early." Zu deutsch: "Schlage fest zu. (Gib hoch wirksame Medikamente). Schlage schnell zu. (Gib die Medikamente so schnell wie möglich)."
Denn es ist so, wie Thea hier schreibt (sowie unzählige andere im gesamten Forum):
" ... lassen sich aufgetretene Schäden wir Knochenerosionen nicht mehr rückgängig machen. ...
Bitte warte nicht, bis Du deutliche irreversible Schädigungen hast."
Damit ist alles gesagt.
Oder flapsig ausgedrückt:
Einmal kaputt - immer kaputt. Reparatur geht nicht.
Jetzt möchte ich auf einen Punkt Deines Beitrags eingehen, der so, wie Du es schreibst, nicht stimmt. Allerdings glauben viele, daß es so ist, wie Du schreibst:
Leider habe natürlich auch ich täglich (vor allem nächtliche) Schmerzen, die ich tagsüber durch 10 mg Prednisolon in Schach zu halten versuche.
Prednisolon ist KEIN Schmerzmittel. Weiß ich. Sondern ein äußerst effektives Medikament, welches Entzündungen bekämpft.
Es ist Cortison!
Das Cortison scheint bei Dir zu wirken, denn Du nimmst es als Schmerzmedikation wahr.
Was aber nur belegt, daß in Deinem Körper Entzündungen toben, die durch das Cortison in Schach gehalten werden.
Mit weitaus gravierenderen Nebenwirkungen, als die meisten Basis Medikamente sie haben.
Da Du das Cortison in einer sogar recht hohen Dosierung 10 mg sind keine hohe Dosis, etwas über der Cushing-Schwelle von 7,5 mg einnimmst, ist das Risiko stärkerer Nebenwirkungen sogar noch höher.
Du nimmst 10 mg morgens. Die Cushing-Grenze liegt bei 7mg.
Cushing-Grenze bedeutet: ab da stellt die Nebennieren-Rinde ihre Tätigkeit ein, produziert kein Körper eigenes Cortison mehr.
Und:
Ab der Grenze tritt verstärkt das Cushing-Syndrom auf, welches bedeutet: Wasser Einlagerungen, Vollmond Gesicht, hochgradiges Risiko der Entwicklung von Diabetes II sowie gkeich hohes Risiko für Herz-Kreislauf -Erkrankungen, verstärktes Risiko für Osteoporose. Ich nehme NEM VitD3 hochdosiert mit K2, Omega3, Zink, Magnesium und bin unter ärztlicher Kontrolle, was meine Blutwerte anbelangt
Aber auch:
Ab da ist es noch wichtiger, das Cortison langsam zu reduzieren, damit der Körper langsam wieder beginnen kann, dieses selber zu produzieren. Je länger Du es eingenommen hast - desto vorsichtiger musst Du es reduzieren. Ärztlich kontrolliert. Denn beim reduzieren Flammen die Entzündungen wieder auf, insbesondere, da Du keinerlei Basis nimmst. Dein Körper kann völlig verrückt spielen, reduzierst Du zu schnell.
Allerdings:
Es gibt durchaus (rheumatische) Krankheitsaktivitäten, da ist es unerlässlich, auch Cortison einzunehmen. Selbst in noch höherer Dosierung, als Du jetzt nimmst. ZUSÄTZLICH zu den die Ursprungserkrankung behandelnden Medikamenten. Bei uns Rheumis ist es eine rheumalologische Basis. Bei Tumor Patienten ist es eine Chemo, zu der ergänzend Cortison gegeben wird.
Cortison wird überall dort gegeben, wo sehr schnell, quasi sofort, eine Entzündungshemmung eintreten soll.
Die Basis-Medikamente, auch langfristig wirkende Rheuma-Medikamente genannt, brauchen seine Zeit, bis sie erstmals wirken Das kann durchaus bis zu 6 Monaten dauern (Quensil).
Ich habe mir alle Nebenwirkungswarnungen angeschaut zu den genannten Medikamenten, auch zu dem von Dir genannten Quensil und anderen. Ich habe viele Beiträge gelesen, wonach einige Forenteilnehmer erhebliche Nebenwirkungen durch MTX, Sulfasalazin und Leflunomid hatten, und die Wirkungen mit der Zeit nachließen, so daß stärkere Medikamente und zusätzlich Cortison genommen werden mußte.
Die meisten wirken nach 3-4 Monaten - so lange muß man durchhalten. Erst danach wird bei Nicht-Wirkung eine andere Basis probiert. Ich wollte keine Übelkeit bzw. Durchfall z.B. durch MTX,. das wäre für mich keine Lebensqualität mehr. Ich übe noch eine beratende Tätigkeit aus, bin zwar schon über 70, aber ich will mir durch diese Medis nicht mein restliches Leben ruinieren, da ist mir Cortison lieber.
Du hattest die schwächsten Basis-Medis aufgeführt, die grundsätzlich zu Beginn eingesetzt werden.
Sie sind gut.
Wirken bei den meisten Menschen gut.
Haben verhältnismäßig wenige Nebenwirkungen (bei den meisten: keinerlei).
Nebenbei:
Es gibt einen weiteren Spruch: keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Es muß immer abgewogen werden, was größer ist. Der Nutzen. Oder der Schaden.
Ich führe dies so ausführlich an, weil entzündliches Gelenk-Rheuma eine genauso ernste Erkrankung ist wie eine Tumor Erkrankung: das Immunsystem betrachtet den eigenen Körper als Feind, greift ihn deshalb an und zerstört ihn! Ein Tumor ist etwas schneller. Manchmal auch rasend schnell. Rheuma ist etwas langsamer. Manchmal aber auch recht schnell.
Zerstörerisch aktiv sind beide.
Irreparabel zerstörerisch.
Zur Vollständigkeit eine weitere Nebenwirkung von Cortison. Die die meisten Menschen allerdings wohl kaum als Nebenwirkung wahrnehmen:
Cortison putscht auf! Das habe ich bisher nicht erlebt
Gerade wenn es - wie bei Dir - über der Cushing-Grenze eingenommen wird. Man hat dann ein Gefühl, als könne man Bäume ausreißen. Nein, dieses Gefühl habe ich nicht erfahren durch die Einnahme von Cortison.
Keine / wenige Schmerzen. Doch, ich habe Schmerzen, ich bemühe mich, die auszuhalten .Hauptsächlich nachts und tagsüber, wenn ich viel gelaufen bin
Ist hoch konzentriert. Kennt keine Müdigkeit , das Gegenteil ist bei mir der Fall, ich bin häufiger als früher müde (weil auch der Blutdruck angehoben wird, wird man nicht müde). Und: Cortison wirkt durchaus als Aphrodisiakum (genau das habe ich nicht erlebt, im Gegenteil) - was durchaus angenehm ist. Insbesondere wenn eigentlich aufgrund der Erkrankung mit den damit verbundenen Schmerzen jegliche Lust vergangen ist.
Warum ich darauf hin weise?
Um Dich zum Nachdenken anzuregen.
Mir wurde anfangs auch Etoricoxib 60 mg als Schmerzmittel verschrieben, das ich rasch wieder abgesetzt habe wegen der fatalen Auswirkungen auf meine Geistestätigkeit. Mit Schmerzmitteln intus kann ich meinen Beruf nicht ausüben.
Warum kannst Du Deinen Beruf nicht ausüben? Welche Beeinträchtigung Deiner "Geistestätigkeit" erlebst Du unter dem - im Grunde genommen - harmlosen und schwachen - Schmerzmedi Etoricox? Etoricoxib hat mein Hirn benebelt, machte mich zusätzlich müde und bremste mich aus. Hättest Du Magenprobleme geschrieben, würde ich nicht fragen. Denn dies Medi ist - wie alle Medis aus der Gruppe der Cox2-Medis dafür bekannt, den Magen übel anzugreifen. Weshalb man diese zusammen mit einem Magenschutz nehmen sollte.
Ich denke, Du kannst nun auch besser verstehen, warum ich am Anfang schrieb, daß Du von falschen Voraussetzungen ausgehst. Denn Cortison ist KEIN Schmerzmedi - wie Du irriger weise annimmst.
Ich lese hier viel darüber, daß ... die meisten wohl zusätzlich Cortison nehmen müssen, um die Schmerzen einigermaßen in Griff zu bekommen
Nein.
Die meisten müssen zusätzlich Cortison einnehmen, um die Entzündungen zu bekämpfen. Nicht die Schmerzen! Daß entzündete Gelenke mit z T schier unerträglichen Schmerzen einhergehen können, dürfte einleuchten.
Schlusssatz:
Ja, auch bei mir dauerte es seine Zeit, bis das richtige Medi gefunden wurde. Leider gehöre ich zu den Menschen, die heftige Nebenwirkungen hatten. Weshalb es leider länger dauerte, bis eine Wirkung eintrat. Aber ich konnte die Zerstörung meiner Gelenke deutlich verlangsamen. War einige Jahre in Remission, d. h. Stillstand. Daß ich nun wieder in einem Schub bin - liegt leider in der willkürlichen Natur der Erkrankung. Manch einer bleibt nach Eintritt in Remission beschwerdefrei für den Rest seines Lebens. Manch anderer erfährt nie den traumhaften Zustand der Remission. Bei noch anderen meldet sich die Erkrankung nach jahtdes Stillstands zurück. Aber dann weiß man, was zu tun ist: kurzfristig Cortison nehmen, Basis erhöhen, evtl eine andere. Aber alles in Absprache mit seinem Rheumatologen.
Ich hoffe, Du fühlst Dich nicht zu erschlagen von meiner Antwort.
Hoffe sehr, Dir weiter geholfen zu haben
Danke liebe Erika, Du hast mir sehr geholfen. Ich wollte nicht überheblich klingen. Ich habe mich entschieden, Cortison zu nehmen und hoffe, damit einigermaßen durchzukommen. Natürlich habe ich die von Dir genannten Nebenwirkungen, auch Gewichtszunahme, aber ich muss an mir arbeiten und mich mehr bewegen und nicht jeder Lust aus Süsses nachzugeben.
Viele Grüße RGB1001
Gruß Erika