Ja gutemine, man erlebt so einiges im KH. Während eines KH-Aufenthalts wurde ich vom Stationsarzt gefragt, ob ich vielleicht Italienisch verstehen würde. Sie hätten einen Patienten mit einer schwer einzustellenden Diabetes. Er hätte sich bereiterklärt, dass eventuell ein anderer Patient übersetzt. Sie müßten sonst immer warten bis ein italienischer Kollege Zeit hätte.
Also erklärte ich mich bereit zu helfen. Es handelte sich um einen ca. 50-jährigen Italiener, der mit einer schweren Diabetes-Entgleisung notfallmäßig ins KH eingeliefert worden war und die Einstellung gestaltete sich wohl sehr, sehr schwierig. Die Ärzte konnten sich das nicht erklären.
Also wurde ich zu jeder Visite gerufen. Es herrschte eine große Ratlosigkeit unter den Ärzten. Der Italiener war ein sehr angenehmer und freundlicher Mensch. Mir fiel nur auf, wie gelassen er die wirkliche missliche Lage hinnahm.
Er wurde mehrfach gefragt, ob er zusätzlich zum Krankenhausessen noch etwas anderes essen würde, was er regelmäßig verneinte. Die Krankenschwestern bestätigten, dass sie nie gesehen hätten, dass er was anderes gegessen hätte, als das Krankenhausessen. Auch im Nachtschrank befände sich nichts Essbares.
Mir ging es inzwischen ja viel, viel besser und so spazierte ich manchmal im Flur herum. Der Italiener fragte mich irgendwann, ob ich Lust hätte im Aufenthaltsraum Karten zu spielen, was wir dann gelegentlich machten. An einem dieser Kartenspiel-Nachmittage bekam er von seiner Frau und seinem Bruder Besuch.
Sie gingen, so sagte er, immer in den Garten. Es war ja Frühling. dieses Mal fragt er mich, ob ich Lust hätte mitzukommen. Und dan mein Besuch sich erst in 2 Stunden, also für 17 Uhr angesagt hatte, ging ich mit.
Tatsächlich setzten wir uns alle auf Bänke in den Garten. Sein Bruder und er hatten 2 italienische Restaurants.
Nach ca. 30 min fragten sie, ob ich Lust hätte etwas spazieren zu gehen, nur so eine Runde um um das KH herum, also außerhalb. Ich ging mit und siehe da, sie schlossen ein Wohnmobil auf. Man bat mich reinzukommen und dann wurden jede Menge Plastikboxen nacheinander in die Mikrowelle gestellt und aufgewärmt. Ich erschrack und bat ihn zu bedenken was das für seine Diabetes bedeutete. Er und dann auch seiner Frau meinten, dass man nur einmal leben würde und das müsse man genießen. Ärzte würden einem eh alles verbieten. Ich versuchte mehrere Male, ihnen die Risken seines Essverhaltens zu erklären, leider erfolglos. Sie wiederholten ein ums andere mal, ich solle endlich mal das Essen probieren. Aus Höflichkeit probierte ich ein wenig und es war wirklich köstlich. Aber mein schlechtes Gewissen trieb mich aus dem Wohnmobil raus. Er flehte mich an, nichts den Ärzten zu sagen und weiterhin zu übersetzen. Das wollte ich nicht. Ich rang lange mit mir, aber ich entschied, alles den Ärzten zu erzählen, denn wäre ihm Schlimmes passiert, hätte ich mir ein Leben lang Vorwürfe gemacht.
Es kam zu einer heftigen Auseinandersetzung. Ich übersetzte dann nicht mehr, weil auch er das nicht mehr wollte. Es war wirklich grausig!!
Jetzt ist es echt lang geworden. Autsch!!!