Bitte alle mitmachen: Herbstgedichte

Neli

Optimistin----verstorben 21.05.2026
Dauer im Wechsel

Hielte diesen frühen Segen,
Ach, nur Eine Stunde fest!
Aber vollen Blütenregen
Schüttelt schon der laue West.
Soll ich mich des Grünen freuen,
Dem ich Schatten erst verdankt?
Bald wird Sturm auch das zerstreuen
Wenn es falb im Herbst geschwankt.

Willst du nach den Früchten greifen,
Eilig nimm dein Teil davon!
Diese fangen an zu reifen,
Und die andern keimen schon;
Gleich mit jedem Regengusse,
Ändert sich dein holdes Tal,
Ach, und in demselben Flusse
Schwimmst du nicht zum zweitenmal.

Du nun selbst! Was felsenfeste
Sich vor dir hervorgetan,
Mauern siehst du, siehst Paläste
Stets mit andern Augen an.



Johann Wolfgang von Goethe
 

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Müder Glanz der Sonne!
Blasses Himmelblau!
Von verklungner Wonne
Träumet still die Au.

An der letzten Rose
Löset lebenssatt
Sich das letzte lose,
Bleiche Blumenblatt!

Goldenes Entfärben
Schleicht sich durch den Hain!
Auch Vergehn'n und Sterben
Däucht mir süß zu sein.



Friedrich Karl von Gerok (1815-1890)
 

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Herbstbild

Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!​

Die Luft ist still, als atmete man kaum,
Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
Die schönsten Früchte ab von jedem Baum.


O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
Denn heute löst sich von den Zweigen nur,
Was von dem milden Strahl der Sonne fällt.


Friedrich Hebbel
1813 - 1863
 
Johann Gaudenz Frhr. v. Salis-Seewis "Herbstlied" 1782,
1. Bunt sind schon die Wälder,
Gelb die Stoppelfelder,
Und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
Graue Nebel wallen,
Kühler weht der Wind.

2. Wie die volle Traube
Aus dem Rebenlaube
Purpurfarbig strahlt!
Am Geländer reifen
Pfirsiche, mit Streifen
Rot und weiß bemalt.

3. Flinke Träger springen,
Und die Mädchen singen,
Alles jubelt froh!
Bunte Bänder schweben
Zwischen hohen Reben
Auf dem Hut von Stroh.

4. Geige tönt und Flöte
Bei der Abendröte
Und im Mondesglanz;
Junge Winzerinnen
Winken und beginnen
Frohen Erntetanz.
 

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Herbstlich sonnige Tage

Herbstlich sonnige Tage,
mir beschieden zur Lust,
euch mit leiserem Schlage
grüßt die atmende Brust.

O wie waltet die Stunde
nun in seliger Ruh!
Jede schmerzende Wunde
schließet leise sich zu.

Nur zu rasten, zu lieben,
still an sich selber zu baun,
fühlt sich die Seele getrieben
und mit Liebe zu schaun.

Jedem leise Verfärben
lausch ich mit stillem Bemühn,
jedem Wachsen und Sterben,
jedem Welken und Blühn.

Was da webet im Ringe,
was da blüht auf der Flur,
Sinnbild ewiger Dinge
ist's dem Schauenden nur.

Jede sprossende Pflanze,
die mit Düften sich füllt,
trägt im Kelche das ganze,
Weltgeheimnis verhüllt.

Emanuel Geibel

 

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Im Herbst beginnt zu sterben,
was Frühling einst gebar.
Der letzten Rose Werben
kommt meinem Herz nicht nah.


Der Morgengruß der Lerche
ist längst Vergangenheit.
Was Schwalben mir gesungen,
liegt schon unendlich weit.


Mein Herz ist voller Wehmut,
voll Traurigkeit mein Sinn.
Ich geb’ mich ganz der Sehnsucht,
dem langen Sterben hin.


Die Nebelschwaden hüllen
mich in ein Totenkleid.
Die Seele kann entschwinden,
entflieh’n dem Erdenleid.

Annegret Kronenberg




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Abschied

Blätter fallen
wallen schweben
durch das bunte Farbenspiel
gehe ich
mit frohen Blicken
wirbelnden Genuss genießen
Duft nach Erde Laub und Wärme
Sommer ist nun
ganz gegangen
doch der Abschied
fällt nicht schwer
voll Versprechen
ist dies Ende
und mein Herz
es bleibt nicht leer

Anne Elberg
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Astern blühen schon im Garten,
schwächer trifft der Sonnenpfeil;
Blumen, die den Tod erwarten
durch des Frostes Henkerbeil.

Brauner dunkelt längst die Haide,
Blätter zittern durch die Luft,
und es liegen Wald und Weide
unbewegt in blauem Duft.

Pfirsich an der Gartenmauer,
Kranich auf der Winterflucht.
Herbstes Freuden, Herbstes Trauer,
welke Rosen reife Frucht.



Detlev von Liliencron (1844-1909)
 

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mir fällt noch ein Lied teilweise ein,

vielleicht kennt ja jemand noch mehr davon? Hört sich ähnlich an wie Mimmis Gedicht..... (übrigens danke für Deine liebe SMS, Mimmi!!)

"Blätter fallen bunt von allen Bäumen und der Herbst beginnt,
Wald und Feld und Flur beginnt zu träumen,
und der wilde Fluß fängt an zu schäumen,
wenn aus grauen Wolken dunkler Regen niederrinnt"
 
Herbsthauch

Herz, nun so alt und noch immer nicht klug,
Hoffst du von Tagen zu Tagen,
Was dir der blühende Frühling nicht trug
Werde der Herbst dir noch tragen?


Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch
Immer zu schmeicheln, zu kosen,
Rosen entfaltet am Morgen sein Hauch,
Abends zerstreut er die Rosen.


Läßt doch der spielende Wind nicht vom Strauch,
bis er ihn völlig gelichtet.
Alles, o Herz, ist im Wind nur ein Hauch,
Was wir geliebt und gedichtet.



Friedrich Rückert (1788-1866)
 

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Im Herbst

Ach, wie schnell die Tage fliehen,
Wo die Sehnsucht neu erwacht,
Wo die Blumen wieder blühen;
Und der Frühling wieder lacht!

Alle Wonne soll erstehen,
In Erfüllung alles gehen.
Ach, wie schnell die Tage fliehen,
Wo die Sehnsucht neu erwacht!

Seht, die Tage gehn und kommen,
Zieh'n vorüber blütenschwer,
Sommerlust ist bald verglommen,
Und der Herbstwind rauscht daher.

Ach, das rechte Blühn und Grünen,
Es ist wieder nicht erschienen!
Ach, wie schnell die Tage fliehen,
Wo die Sehnsucht neu erwacht!


Karl Klingemann (1798-1862)
 

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Herbststimmung

Von Feld sind verschwunden die letzten Garben,
der Herbst ist da mit seinen bunten Farben.
Hagebutten in leuchtentem Rot erstrahlen,
aufgeplatzte Kastanien mit Reife prahlen.
Leuchtend gelb sind die Blätter der Buche,
Brombeerhecken ein Ziel unserer Suche.
Strauchmispeln mit tausenden roten Beeren
müssen sich Vogelscharen erwehren.
Bucheckern knirschen unter den Füßen,
der Herbst, er will uns vielfach grüßen.

Else Hennek
 
.. zu den Sonnenblumen in diesem Thread

Verweht im Wind
der Sonnenkranz

die Sonnenblume
trägt die Sternenkrone

schachbrettnarbig
ihr Gesicht
ernteschwer

ursprungwärts

aus: AZURROT, Gedichte, Heidy Dürst, Fouqué, 2005

Ich liebe dieses Gedicht!
Grüsse - Erle
 
Fahr wohl, o Vöglein, das nun wandern soll;
Der Sommer fährt von hinnen,
Du willst mit ihm entrinnen: Fahr wohl!

Fahr wohl, o Blättlein, das nun fallen soll,
Dich hat rot angestrahlet
Der Herbst im Tod gemalet: Fahr wohl!

Fahr wohl, o Liebes, das nun scheiden soll!

Und ob es so geschehe,
Daß ich nicht mehr dich sehe: Fahr wohl!


Friedrich Rückert (1788-1866)
 

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[size=+1]Die Malve[/size]

Wieder hab ich dich gesehen
blasse Malve! Blühst du schon?
Ja, mich traf ein schaurig Wehen
All mein Frühling welkt davon
Bist du doch des Herbstes Rose
der gesunkenen Sonne Kind
bist du starre, düftelose
deren Blüten keine sind.

Uhland, Ludwig





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Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.



Eduard Mörike​

 

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Rainer Maria Rilke

Herbst

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.



Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen. Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.


LG
 

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Herbsttag

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.


Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.


Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.



Rainer Maria Rilke


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Der schöne Sommer ging von hinnen,
Der Herbst der reiche, zog ins Land.
Nun weben all die guten Spinnen
So manches feine Festgewand.

Sie weben zu des Tages Feier
Mit kunstgeübtem Hinterbein
Ganz allerliebste Elfenschleier
Als Schmuck für Wiese, Flur und Hain.

Ja, tausend Silberfäden geben
Dem Winde sie zum leichten Spiel,
Die ziehen sanft dahin und schweben
Ans unbewusst bestimmte Ziel.

Sie ziehen in das Wunderländchen,
Wo Liebe scheu im Anbeginn,
Und leis verknüpft ein zartes Bändchen
Den Schäfer mit der Schäferin.

Wilhelm Busch
 
Verklärter Herbst

Gewaltig endet so das Jahr
Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
Rund schweigen Wälder wunderbar
Und sind des Einsamen Gefährten.

Da sagt der Landmann: Es ist gut.
Ihr Abendglocken lang und leise
Gebt noch zum Ende frohen Mut.
Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.

Es ist der Liebe milde Zeit.
Im Kahn den blauen Fluß hinunter
Wie schön sich Bild an Bildchen reiht -
Das geht in Ruh und Schweigen unter.


Georg Trakl (1887-1914)
 

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