Hallo


Gutemine65,
Ich hab meine Diagnose kaum mitbekommen, ich kann mich freilich an den KKH Aufenthalt erinnern, aber ich war ein Kind, als ich die Diagnose erhielt (der erste Schub war mit 3 jahren)
3 Jahre später endlich die Diagnose, nach unzähligem Rätselraten.
Ich glaube am schlimmsten war es für meinen Vater, der sich von diversen Ärzten allerlei Mist anhören musste, von wegen, ich hätte nicht genug Nährstoffe, ich würde noch wachsen, bewegt sich das Kind nicht genug

ich hab echt Respekt davor, was er alles mit mir mitgemacht hat, ich weiß nur, wie ich aufgewachsen bin, mit Einschränkungen, die ich zwar in etwa verstanden habe, aber dennoch ist man als Kind noch nicht so auf der Höhe zu erklären, warum der Körper sich gegen einen selbst richtet,

Das ist einfach so und Basta
Ob es mir geschadet hat so aufzuwachsen? Nein rückblickend nicht und mein Vater war nicht unbedingt der Typ mit nem Adlerauge, dass er mich ständig behütet hat, aber er war Realist und ich glaube, das hat mir sehr geholfen. Ich war recht früh dankbar dafür, dass ich meine Diagnose und die ersten Anzeichen so früh hatte, vor allem heute ist es ein Segen, wenn ich daran denke, dass ich mit diesen Handicaps aufgewachsen bin und Sie nicht als Handicaps wahrnehme. Ich wusste, schon als Kind, dass ich nicht so alles mitmachen kann wie andere Kinder, das hat mich aber auch nicht davon abgehalten eben andere Sportarten zu machen, ich sage aber auch nicht, dass ich nicht manchmal Momente erlebt habe, in denen ich aufgrund meiner Erkrankung, der Medikamente, der Therapien nicht auch gemobbt wurde, einfach weil es keiner verstanden hat, vor allem wenn mein Vater mal wieder darauf beharrte, ja alles über den Ausflug in Erfahrung zu bringen, es hat ihn beruhigt, aber für ne 7 jährige ist das naja, rätselhaft

nett ausgedrückt.
Meine Familie hat erleichtert gewirkt, denn endlich gab es einen Grund, warum ich mein Bein gehasst hab und ja ich hab es gehasst, ich hab es nicht aktiv benutzt, es hat weh getan

Ich wollte das Bein nicht, und mein Vater wollte dass ich aufhöre zu Schlorben das war mal ne Zwickmühle, gab einige Diskussionen bis ich es irgendwann nach der ersten Physio aufgegeben habe

Ich glaube heute ist es schlimmer, ich bin mittlerweile 26 und die Einschränkungen sind in den vergangenen Jahrzehnten doch größer und umfangreicher geworden, als es ein Gespräch mit nem Lehrer abdecken können. Auf der einen Seite ist man als Kind noch ohne Angst, man übersteht Dinge leichter, heute, wenn man anfängt nachzudenken, dann kommt die Angst und nicht dass ich mich davon beherrschen lasse, aber ich vermisse manchmal meine "Dad weiß was das beste ist" Einstellung, wenn man dazu gefordert ist, selbst mitzureden und plötzlich merkt, dass "Dad" einem verschwiegen hat, wie mühselig und nervenaufreibend es ist, seine Diagnose, seine Medikation zu verstehen und diese ganzen Parteien, als würde man gegen eine Wand reden.
Wie sehr sich ein Leben dadurch verändert? Ich kann leider nicht von meiner ersten Diagnose sprechen, aber ich kann von meinen Erfahrungen der letzten Diagnose von 2018 sprechen. Da bekam ich nach 3 Jahren Schmerzen und Odyssey endlich die Diagnose Spondyloarthritis und ja ich balle heute noch meine Hand zu ner Faust, wenn ich an die Ärzte denke, die das verpfuscht haben. Auch wenn ich mit Rheuma aufgewachsen bin, es war doch ein Schlag ins Gesicht, diese Diagnose zu erhalten. Durch einen Schub seit 2017 im Knie (ach es liebt mich einfach das Drecksding)

bin ich erwerbsunfähig, seit 2018, ich hab davor noch mein Abi gemacht und es gibt Tage, da habe ich das Gefühl, ich verpasse etwas, das mich meine Erkrankung zu sehr aufhält, aber dann hilft es mir mich daran zu erinnern, dass und ja daran glaube ich, nichts ohne Grund passiert, ich laufe schon immer auf Umwegen zu Zielen, die ich nie als Ziel auserkoren hatte


Ich denke, dass mir auch das hier hilft, heraus zu finden, wo ich hin will


Ich liebe diese springenden Smileys

Schönen Abend noch