Der Schweinehund
... ist ein unbekanntes Wesen. Jedermann weiß zwar, dass es ihn zu überwinden gelte – aber keiner kriegt ihn zu fassen: Es wird ja auch angenommen, dass es sich um
eine innere Angelegenheit handelt.
Erwartet wird von uns, das unbekannte Wesen, das unter anderem zum Vielessen verführt, zu überwinden. Es tue sich hervor mit Einflüsterungen wie „Nun, nach diesem Frust ist es doch angesagt, dass Du Dich etwas entschädigst“ oder „Jetzt wären doch ein paar Chips ganz in Ordnung“, was dann regelmäßig auf den Verzehr der ganzen Tüte herauslaufe.
Ganze Bücher sind darüber geschrieben worden, wie mit solchen Einflüsterungen umgegangen werden könne, in heiterem Plauderton, mit vielfältigen Übungen und zweifelhaftem Nutzen.
Die Einflüsterung, die Verführung durch innere Einflüsse, wird bei der Lektüre mehr und mehr einem Wesen zugeschrieben, mit dem man sich schließlich gar unterhalten kann, mit dem man sich versöhnen, vertragen kann, das man überlisten und überwinden kann.
Wer diese Entwicklung mitmacht, festigt schließlich seine Vorstellung von einer Instanz, die „Die Verführung“, „Das Böse“, „Das Bequeme und Träge“ darstellt. Man schafft sich einen Verhandlungspartner, mit dem man per Du ist, ein Zwitterwesen aus Schwein und Hund, das das Böse und Verführbare in uns repräsentiert.
Ebenso gut könnten wir auch einen Dialog mit einer inneren Sphinx oder einem inneren Flusspferdhuhn führen, wenn wir diese Figuren mit viel Phantasie erst einmal aufgebaut haben. Das erscheint schon skurril oder schizophren.
Aber dieses Vorgehen wird empfohlen: Kontakt mit einer Kunstfigur, dem Ablenker vom rechten Weg, dem das gestärkte Ich, das weiß, was es will, gelassen gegenübertritt, ohne auf seine Verführungen hereinzufallen.
Allein, mir fehlt der Glaube an solche wundersamen Geschichten.
Es gibt zwar unterschwellige Impulse neuronaler Art, die etwa der Raucher als Anlass nimmt, sich erneut eine Zigarette anzuzünden – interessant und zum Problem werden sie aber erst, wenn er sich ihnen widersetzen will.
Dass „zwei Seelen in einer Brust“ wohnen, kommt vor, etwa beim frühen Aufstehen, wo nicht jedermann eine klare Einstellung hat, ein innerer Widerstreit recht häufig ist.
gefunden hier
http://www.fressnet.de/q149_Der_inner_Schweinehund_und_unsere_Introjekte.htm