Vererbung
Liebe Lorelei,
die Genom-weiten Assoziationsstudie (GWAS) sollten Dir keine Angst machen! Es ist ganz einfach ein bisschen Mendelsche Vererbung! Dein Sohnemann hat entweder diese HLA-Antigene von seinem Dad (der ist gesund?) oder von Dir geerbt. Oder eines von Dir und das andere von seinem Dad (oder anders herum, alles statistisch möglich und wahrscheinlich). So weit die Genetik. Ob und wie sehr das zu seiner (und welcher?!) Krankheit oder Gesundheit, zu seiner Fitness (insgesamt) beiträgt, ist nicht klar. Denn auch seine Umwelt (Essen, Lebensbedingungen, Stress, Urlaub, Sport, Schule, Infektionen etc.) spielen eine Rolle, und nicht zu vergessen die Ethnizität, also ob Du oder sein Vater, die Großeltern oder Urgroßeltern Mitteleuropäer sind, oder Spanier, oder Südafrikaner, oder Kubaner, oder Chinesen und so weiter.
Denn auch diese großen GWAS untersuchen immer "reine" Populationen und finden dann irre große Unterschiede, je nachdem, welche Gruppe an Menschen sie untersuchen. Oft wiedersprechen sich die Daten auch.
Wenn man beim NIH nachschaut (
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/gene/3123), dann findet man z.b zu HLA-DRB1 tausende Studien und Ergebnisse, welchen Einfluß welches Antigen (also DRB1*15 oder *11 und so weiter) welche angeblichen Effekt haben kann. Muss aber nicht.
Eine GWAS-Studie erfolgt ja so: Man sammelt irre viele Proben (Blut, daraus DNA) von Patienten mit einer KRankheit (RA zum Beispiel), meist mehrere Tausend. Dazu Kontrollen (Gesunde, aber aus der selben Ethnie, selber Altersquerschnitt, selber Hintergrund bezüglich Einkommen, Lebenstandard, Gesundheitsprofil, Lebensumstände, also Landleben, Stadtleben und so weiter). Dann macht man die Studie (=DNA Analysen) und vergleicht. Klar ist ja, wenn die Patienten von verschiedenen Ärzten/Zentren angesehen worden sind, dann kommen da schonmal unterschiedliche Diagnosen (schwere vs. leicht RA und so weiter). Die Patienten nehme verschiedene Medis und so weiter (sollte auf die DNA keinen Einfluss haben, aber weiss man nicht immer). Wenn die Kontrollen schlampig ausgewählt sind, dann gibt das komische Ergebnisse.....
Wenn man alles sehr sorgfältig und sehr gut macht und wirklich sehr große Gruppen (mehr als 5000 Proben bei einer Krankheit wie RA) nimmt, dann bekommt man ein signifikantes (echtes) Ergebnis. Das ist aber sehr müsam und vor allem sehr teuer!
Diese Studien können natürlich hilfreich sein, ein ursächliches Gen für eine Krankheit zu finden. Aber allein die Tatsache, dass man für einen einzigen Lokus (Gen-Ort) so viele unterschiedlichen Aussagen machen kann, zeigt doch, dass hier nicht der Schlüssel zu einer Krankheit alleine liegt.
Rosalind