Hallo,
wie gesagt, ich bin neu im Forum und habe jetzt zwei Tage lang wirklich viel gelesen, was hier so geschrieben wurde. Vieles ist wirklich sehr hilfreich und aufschlussreich für mich, ich bin daher echt froh, hierher gefunden zu haben
Was mir aufgefallen ist: So oft berichtet Ihr davon, dass Ihr Euch wie Simulanten behandelt fühlt - und mir geht es ganz genau so.
Mit 18 wurde eine Kniegelenksarthrose bei mir festgestellt. Ganz "richtig nachweisbar" mit Röntgenbilder. Aber alles hat gegrinst ... 'jaja... Arthrose ... kicher ... in deinem Alter ...'
Mit 25 begann meine immer vorhandene Skoliose (Verkrümmung der Wirbelsäule) erste Beschwerden zu bereiten. Die Verkrümmung sieht man auf den Bildern, nicht aber die Schmerzen, die sie verursachen kann. Damals meinte der Arzt - ich vergess es nie!: 'ach ja, plötzlich haben Sie Beschwerden, ausgerechnet jetzt, seit Sie mit ihrem Studium fertig sind und arbeiten sollen. Sehr seltsam.' Dass ich das ganze Studium durch Arbeit selbst finanziert hatte, spielte keine Rolle.
Mit 40 waren meine Beschwerden trotz ständiger Behandlung so schlimm, dass ich wirklich nicht mehr konnte. Bis dahin war ich höchstens mal 1 Woche krank geschrieben und habe ansonsten voll durchgearbeitet, auch wenn ich mich 'auf allen Vieren' ins Büro schleppte.
Mein Arzt stellte einen Reha-Antrag - er wurde von der Versicherung abgelehnt. Damals hatte ich meinen bislang einzigen einfach tollen Arzt (leider ist er längst in Pension
) und der meinte: 'Naja, dann machen wir es eben ganz anders und ich weise sie akut in eine Klinik ein. Wenn die tricksen, tricksen wir eben auch.'
Ich war 8 Wochen in einer ar***teuren psychosomatischen Fachklinik für Privatpatienten (die Reha in einer stinknormalen Kurklinik hätte vielleicht 3 Wochen gedauert und nicht einmal den halben Tagessatz gekostet). Dort bekam ich ne Gesprächstherapie (kann jeder mal brauchen <hihi> und ein übervolles orthopädisch/rheumatologisches REHA-Programm vom Feinsten in einer integrierten Praxis - und das war so erfolgreich, dass ich ca. 5 Jahre keine starken Probleme hatte. (Merke also: Vorgebliche psychische Erkrankungen werden lieber genommen als eine chronische Schmerzkrankheit ... die ohnehin irgendwann zu psychischen Problemen führt <seufz>).
Seit ich 45 bin (heute bin ich 52) bekomme ich den vollen Schuss. Ich kann die Ärzte nicht mehr zählen, bei denen ich war und eigentlich gehe ich immer mit diesem seltsamen Gefühl raus, dass man mir nicht glaubt und mich nicht ernst nimmt. Wenn ich versuche, mich objektiv zu beurteilen (was mir von Freunden und Bekannten auch bestätigt wird), so bin ich mindestens die letzten 3 Jahre weitgehend arbeitsunfähig. Trotzdem kann ich froh und dankbar sein, wenn ich einmal ein paar Tage Auszeit bekomme, wie jetzt, da der Arzt mich krankgeschrieben und sogar nach Bad Bramstedt eingewiesen hat.
Hinter dieser Einweisung steckt aber ganz offensichtlich sein Wunsch, dass von 'höherer Stelle' bestätigt wird, dass ich nichts Behandelswertes habe. Ich hingegen will einfach endgültig mal eine komplette Diagnose und nicht immer nur Einzelaspekte oder Schulterzucken. Und ich brauche eine Perspektive, wie es weitergehen kann.
Ich bin der Meinung, dass gerade dieser Umstand - dass man uns doch offensichtlich ganz systematisch als Simulanten hinstellt, meiner Ansicht nach deswegen, um eigenes Nichtwissen und Hilflosigkeit zu kaschieren - eines der schwierigsten Dinge bei der Bewältigung dieser Krankheit ist. Es kostet mich jedenfalls unendlich viel, bald zu viel Kraft ...
Wie denkt Ihr darüber?
Herzlichst
Roswitha
wie gesagt, ich bin neu im Forum und habe jetzt zwei Tage lang wirklich viel gelesen, was hier so geschrieben wurde. Vieles ist wirklich sehr hilfreich und aufschlussreich für mich, ich bin daher echt froh, hierher gefunden zu haben
Was mir aufgefallen ist: So oft berichtet Ihr davon, dass Ihr Euch wie Simulanten behandelt fühlt - und mir geht es ganz genau so.
Mit 18 wurde eine Kniegelenksarthrose bei mir festgestellt. Ganz "richtig nachweisbar" mit Röntgenbilder. Aber alles hat gegrinst ... 'jaja... Arthrose ... kicher ... in deinem Alter ...'
Mit 25 begann meine immer vorhandene Skoliose (Verkrümmung der Wirbelsäule) erste Beschwerden zu bereiten. Die Verkrümmung sieht man auf den Bildern, nicht aber die Schmerzen, die sie verursachen kann. Damals meinte der Arzt - ich vergess es nie!: 'ach ja, plötzlich haben Sie Beschwerden, ausgerechnet jetzt, seit Sie mit ihrem Studium fertig sind und arbeiten sollen. Sehr seltsam.' Dass ich das ganze Studium durch Arbeit selbst finanziert hatte, spielte keine Rolle.
Mit 40 waren meine Beschwerden trotz ständiger Behandlung so schlimm, dass ich wirklich nicht mehr konnte. Bis dahin war ich höchstens mal 1 Woche krank geschrieben und habe ansonsten voll durchgearbeitet, auch wenn ich mich 'auf allen Vieren' ins Büro schleppte.
Mein Arzt stellte einen Reha-Antrag - er wurde von der Versicherung abgelehnt. Damals hatte ich meinen bislang einzigen einfach tollen Arzt (leider ist er längst in Pension
) und der meinte: 'Naja, dann machen wir es eben ganz anders und ich weise sie akut in eine Klinik ein. Wenn die tricksen, tricksen wir eben auch.'Ich war 8 Wochen in einer ar***teuren psychosomatischen Fachklinik für Privatpatienten (die Reha in einer stinknormalen Kurklinik hätte vielleicht 3 Wochen gedauert und nicht einmal den halben Tagessatz gekostet). Dort bekam ich ne Gesprächstherapie (kann jeder mal brauchen <hihi> und ein übervolles orthopädisch/rheumatologisches REHA-Programm vom Feinsten in einer integrierten Praxis - und das war so erfolgreich, dass ich ca. 5 Jahre keine starken Probleme hatte. (Merke also: Vorgebliche psychische Erkrankungen werden lieber genommen als eine chronische Schmerzkrankheit ... die ohnehin irgendwann zu psychischen Problemen führt <seufz>).
Seit ich 45 bin (heute bin ich 52) bekomme ich den vollen Schuss. Ich kann die Ärzte nicht mehr zählen, bei denen ich war und eigentlich gehe ich immer mit diesem seltsamen Gefühl raus, dass man mir nicht glaubt und mich nicht ernst nimmt. Wenn ich versuche, mich objektiv zu beurteilen (was mir von Freunden und Bekannten auch bestätigt wird), so bin ich mindestens die letzten 3 Jahre weitgehend arbeitsunfähig. Trotzdem kann ich froh und dankbar sein, wenn ich einmal ein paar Tage Auszeit bekomme, wie jetzt, da der Arzt mich krankgeschrieben und sogar nach Bad Bramstedt eingewiesen hat.
Hinter dieser Einweisung steckt aber ganz offensichtlich sein Wunsch, dass von 'höherer Stelle' bestätigt wird, dass ich nichts Behandelswertes habe. Ich hingegen will einfach endgültig mal eine komplette Diagnose und nicht immer nur Einzelaspekte oder Schulterzucken. Und ich brauche eine Perspektive, wie es weitergehen kann.
Ich bin der Meinung, dass gerade dieser Umstand - dass man uns doch offensichtlich ganz systematisch als Simulanten hinstellt, meiner Ansicht nach deswegen, um eigenes Nichtwissen und Hilflosigkeit zu kaschieren - eines der schwierigsten Dinge bei der Bewältigung dieser Krankheit ist. Es kostet mich jedenfalls unendlich viel, bald zu viel Kraft ...
Wie denkt Ihr darüber?
Herzlichst
Roswitha
zum glück ist diese zeit vorbei,
