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Simulanten

Dieses Thema im Forum "Allgemeines und Begleiterkrankungen" wurde erstellt von RoswithaC, 28. Dezember 2004.

  1. RoswithaC

    RoswithaC Neues Mitglied

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    Hallo,

    wie gesagt, ich bin neu im Forum und habe jetzt zwei Tage lang wirklich viel gelesen, was hier so geschrieben wurde. Vieles ist wirklich sehr hilfreich und aufschlussreich für mich, ich bin daher echt froh, hierher gefunden zu haben :)

    Was mir aufgefallen ist: So oft berichtet Ihr davon, dass Ihr Euch wie Simulanten behandelt fühlt - und mir geht es ganz genau so.

    Mit 18 wurde eine Kniegelenksarthrose bei mir festgestellt. Ganz "richtig nachweisbar" mit Röntgenbilder. Aber alles hat gegrinst ... 'jaja... Arthrose ... kicher ... in deinem Alter ...'

    Mit 25 begann meine immer vorhandene Skoliose (Verkrümmung der Wirbelsäule) erste Beschwerden zu bereiten. Die Verkrümmung sieht man auf den Bildern, nicht aber die Schmerzen, die sie verursachen kann. Damals meinte der Arzt - ich vergess es nie!: 'ach ja, plötzlich haben Sie Beschwerden, ausgerechnet jetzt, seit Sie mit ihrem Studium fertig sind und arbeiten sollen. Sehr seltsam.' Dass ich das ganze Studium durch Arbeit selbst finanziert hatte, spielte keine Rolle.

    Mit 40 waren meine Beschwerden trotz ständiger Behandlung so schlimm, dass ich wirklich nicht mehr konnte. Bis dahin war ich höchstens mal 1 Woche krank geschrieben und habe ansonsten voll durchgearbeitet, auch wenn ich mich 'auf allen Vieren' ins Büro schleppte.

    Mein Arzt stellte einen Reha-Antrag - er wurde von der Versicherung abgelehnt. Damals hatte ich meinen bislang einzigen einfach tollen Arzt (leider ist er längst in Pension :mad:) und der meinte: 'Naja, dann machen wir es eben ganz anders und ich weise sie akut in eine Klinik ein. Wenn die tricksen, tricksen wir eben auch.'
    Ich war 8 Wochen in einer ar***teuren psychosomatischen Fachklinik für Privatpatienten (die Reha in einer stinknormalen Kurklinik hätte vielleicht 3 Wochen gedauert und nicht einmal den halben Tagessatz gekostet). Dort bekam ich ne Gesprächstherapie (kann jeder mal brauchen <hihi> und ein übervolles orthopädisch/rheumatologisches REHA-Programm vom Feinsten in einer integrierten Praxis - und das war so erfolgreich, dass ich ca. 5 Jahre keine starken Probleme hatte. (Merke also: Vorgebliche psychische Erkrankungen werden lieber genommen als eine chronische Schmerzkrankheit ... die ohnehin irgendwann zu psychischen Problemen führt <seufz>).

    Seit ich 45 bin (heute bin ich 52) bekomme ich den vollen Schuss. Ich kann die Ärzte nicht mehr zählen, bei denen ich war und eigentlich gehe ich immer mit diesem seltsamen Gefühl raus, dass man mir nicht glaubt und mich nicht ernst nimmt. Wenn ich versuche, mich objektiv zu beurteilen (was mir von Freunden und Bekannten auch bestätigt wird), so bin ich mindestens die letzten 3 Jahre weitgehend arbeitsunfähig. Trotzdem kann ich froh und dankbar sein, wenn ich einmal ein paar Tage Auszeit bekomme, wie jetzt, da der Arzt mich krankgeschrieben und sogar nach Bad Bramstedt eingewiesen hat.

    Hinter dieser Einweisung steckt aber ganz offensichtlich sein Wunsch, dass von 'höherer Stelle' bestätigt wird, dass ich nichts Behandelswertes habe. Ich hingegen will einfach endgültig mal eine komplette Diagnose und nicht immer nur Einzelaspekte oder Schulterzucken. Und ich brauche eine Perspektive, wie es weitergehen kann.

    Ich bin der Meinung, dass gerade dieser Umstand - dass man uns doch offensichtlich ganz systematisch als Simulanten hinstellt, meiner Ansicht nach deswegen, um eigenes Nichtwissen und Hilflosigkeit zu kaschieren - eines der schwierigsten Dinge bei der Bewältigung dieser Krankheit ist. Es kostet mich jedenfalls unendlich viel, bald zu viel Kraft ...

    Wie denkt Ihr darüber?

    Herzlichst
    Roswitha
     
  2. Elke

    Elke wünscht allen

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    hallo roswitha,


    herzlich willkommen bei uns, freut mich das du uns gefunden hast!

    ich kann dir nur zustimmen was das kraftkosten angeht.
    ich war bis 2 tage vor heiligabend wieder im kh (innerhalb 4 wochen das 2 mal, und wieder op) und der erste kh-aufenthalt hat mich soooo viel kraft gekostet das ich dachte - diesmal schaffe ich es nicht mehr! - und wollte schon fast aufgeben. ich wurde dort unwürdig behandelt und als ich ein weiters mal rein musste um die blutung in den bauchraum zu stoppen hatte ich mehr angst als vaterlandsliebe, aber diesmal kam ich auch auf die privatstation und siehe da man kann auch anders behandelt werden, klar waren die schwestern dort von der anderen station vorgewarnt, denn ich habe das erstmal in meinem leben (bin 40j.) gewagt mich zu beschweren und mir nicht mehr alles gefallen zu lassen.
    ich wurde dort auf der ersten station nicht unbedingt als Simulantin ingestellt, nein ich bekam den stempel - drogenabhängig - denn ich benötig BTM schmerzmittel und zusätzlich kam dann schon noch so von wegen sie sind noch so jung, ich arbeite schon seit 40 jahren ! toll würd ich auch gerne wenn ich könnte!!

    die ewige kraft der rechtfertigungen, der kampf bei den ärzten das man kein simulant ist und der kampf jeden tag aufs neue mit dieser krankheit oder mehreren krankheiten aufeinmal klar zu kommen ist für mich an manchen tagen auch kaum zu schaffen und hätte ich meine super liebe tochter und meinen super lieben mann nicht, hätte ich schon längst den kampf aufgegeben das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, aber für die beiden kämpfe ich weiter.

    ich wünsche jedem solche lieben menschen im umfeld, die da sind wenn man sie braucht, die einen nicht im stich lassen und einem helfen wenn man hilfe braucht und das ohne jeglich gegenleistung erbringen zu müssen.

    es tut mir echt leid das du noch keinen wirklich guten arzt gefunden hast der dir mal richtig gescheid weiter hilft, gib nicht auf und bleib am ball, auch wenn du 2005 noch ein paar ärzte verschleißen "musst", es geht um dich! such weiter bis du einen gefunden hast der dir hilft. ich habe auch jahre gesucht und bin nun unendlich dankbar das ich 3 feste stammärzte habe, die sogar miteinander tel. wenn es probleme gibt, so wie es jetzt geschehen war.

    ich wünsche dir alles erdenklich gute für 2005, vor allem gesundheit und gute ärzte für 2005

    gruß
    elke

    habe nur auf bitte eines mit rheumis die farbe geändert, da sie probleme hat die helleren farbe zu erkennen, den beitrag aber interesant findet.
    Ich hoffe ich konnte dir damit helfen, und keine bange ich fühle mich deswegen nicht angegriffen !
     
    #2 28. Dezember 2004
    Zuletzt bearbeitet: 28. Dezember 2004
  3. ennos410

    ennos410 Neues Mitglied

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    Hallo Roswitha,
    ich wünsche Dir ganz viel Kraft für alles was Dir noch so an Unverständniss begegnet. Es tut oft sehr weh und dann ist es gut, wenn man Gesprächspartner wie auf dieser Seite gefunden hat.
    Trotz alledem wünsche ich Dir einen Guten Rutsch ins neue Jahr, natürlich auch allen anderen RO-lern,
    ennos410
     
  4. Monsti

    Monsti das Monster

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    Hallo Roswitha,

    mh, vom vermeintlichen Simulantentum könnte ich ebenfalls ein intensives Liedlein singen, will ich jetzt aber nicht. Ich freu mich, dass Du hier gelandet bist - sei ganz herzlich willkommen!

    Ich bin 49, weiblich, habe cP (schon seit ca. 15 Jahren, diagnostiziert seit 5 Jahren, allerdings wechselnd ... mal PSA, dann wieder cP, seit Sommer wohl ziemlich sicher cP plus Psoriasis) und bin derzeit mit Arava und sonst nix zufriedenstellend eingestellt.

    Fühl Dich wohl hier, und falls Du Fragen hast, nur zu!

    Liebe Grüße aus dem verschneiten Tirol von
    Monsti
     
  5. katzenmaus

    katzenmaus tierliebe

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    hallo roswita
    herzliches willkommen hier in diesem
    tollen forum.ja, hier findet man immer trost und rat,
    es sind hier einige kompetente leute unterwegs,
    daß man manches mal das gefühl hat,daß man als simulant,
    betrachtet wird ist schlimm. bei mir ging es schon soweit das ich
    in mich hinein horchte ob ich mir dies oder das nicht doch
    einbilde:confused: zum glück ist diese zeit vorbei,
    ich bin 49 und habe im 8ten j cp, aber im erträglichen rahmen.
    ich wünsche dir viel kraft u ausdauer bei deiner suche nach einem
    gescheiten arzt
    l gr katzenmaus
     
  6. Sabinerin

    Sabinerin Aktives Mitglied

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    @Roswitha

    Liebe Roswitha,

    schön, daß Du hierher gefunden hast. Wir können Dir zwar auch keine abschließende Diagnose geben, aber die User können Dir helfen, anhand Deiner Beschreibungen, mit Infos weiterzuhelfen.
    So kannst Du lernen Deine Beschwerden besser zu beschreiben bzw. erfährst, daß bestimmte Beschwerden ebenfalls zu Deiner Erkrankung gehören.

    Deshalb, verliere nicht den Mut, sondern lese viel, suche nach Informationen und stelle zig Fragen. Irgendein User wird sie beantworten können :)

    Mir wurde damals auch deutlich gezeigt, daß ich eine Simulantin sei. Ich musste aber zum Glück "nur" 10 Monate auf eine Diagnose warten, 10 Monate, in denen die Rheumatoide Arthritis aggressiv meine Gelenke zerstörte. Mangels richtig wirksamer Medikamente ging die Zerstörung leider immer weiter.

    In den letzten 12 Jahren habe ich aber viel gelernt, vor allem mir selbst zu vertrauen und meine Beschwerden ernst zu nehmen, egal was der Arzt von mir denkt. Und ich habe mich nur selten getäuscht...
    Ich zähle mich heute selbst zu den sehr verträglichen und unauffälligen Patienten im Krankenhaus....wenn man mir meine Meinung lässt *lächel* Ich habe nicht nur einmal mit Stationsärzten, Oberärzten und dann dem Professor diskutiert. In den Jahren habe ich viele Erfahrungen gesammelt (auch durch RO). Da es MEIN Körper ist und ICH mit Wirkungen und Nebenwirkungen leben muß, stimme ich natürlich den erforderlichen Behandlungen zu, wenn man mir alles haarklein erklärt.
    Äusserungen wie "Das kann nicht weh tun" führen immer zu einer Diskussion. Woher bitte schön, weiß ein anderer Mensch, was MIR NICHT weh tut??
    Früher haben mich solche Äusserungen verunsichert bzw. ich bin zurückgeschreckt. Heute wachsen mit diese kleinen Hörnchen :D und so etwas kläre ich sofort ;)

    Viele Menschen lassen sich nun mal vom Äusseren leiten. Sieht jemand krank aus, d.h. er ist sehr blaß, Augen sind verquollen, die Gesichtszüge von Schmerzen angespannt oder verzerrt, so ist er krank.
    Bemüht sich ein Mensch sich wohlzufühlen d.h. man schminkt sich als Frau, man zieht sich Kleidung an, in der man sich wohlfühlt, wird man automatisch als "nicht krank" angestempelt.

    "Das Auge isst mit..." ist ein alter Spruch und bei kranken Menschen kann das häufig zum Stolperstein werden. Häufig sitzt man zwischen zwei Stühlen. Der eine heisst "bewusst krank aussehen, damit sie es glauben" und der andere "sich wohler fühlen und damit evt. hämische Bemerkungen wie "Du bist ja garnicht krank!" einkassieren". So etwas belastet zusätzlich zu den vorhanden Beschwerden....

    Wie ich bereits schrieb, bin ich berentet. Mein Rheumatologe kennt meinen Gesundheitszustand. Das entlastet enorm, da ich nicht mehr beweisen muß, daß ich krank bin. Und ich kleide mich, schminke mich so, daß ich mich wohlfühle. Alle anderen Menschen sollen denken was sie wollen.
    Aber ich weiß noch, wie ich mich damals fühlte.
    Deshalb wünsche ich Dir viel Kraft und Durchhaltevermögen. Glaube an Dich und laß Dich nicht verunsichern.

    Natürlich kann ein körperlicher Dauerschmerz positiv und negativ beeinflusst werden. D.h. wenn Du Dich gut fühlst, werden die Schmerzen vermeintlich weniger, weil Du sie anders wahrnimmst. Bist Du gestresst bzw. schlecht drauf, werden die Schmerzen schlimmer.
    Die Beeinflussung durch die menschliche Psyche ist bewiesen, ABER trotzdem hast Du körperliche Beschwerden!! Du wirst Dich nicht täuschen, Du weisst, daß sie vorhanden sind und laß Dich nicht verunsichern!! Ich weiß, wieviel Kraft dieser Kampf gegen Ärzte, Gutachter, Kollegen kostet. Versuche zu filtern, was zusätzlich Kraft kostet. Versuche all das einzuschränken, damit Du für Dich ausreichend Kraft hast.
    Und vor allem: Versuche herauszufinden, was Dich motiviert, was Dir Kraft gibt, was Dir gut tut. So kannst Du Deinen "Kraftspeicher" regelmäßig füllen.

    Viele Grüße und *daumendrück* für Dich
    Sabinerin
     
  7. merre

    merre Aktives Mitglied

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    Hi Roswitha
    Ich habe schon viel, eigentlich zuviel über diese Problematik geschrieben.
    Das Grundproblem liegt meines Erachtens darin, das Rheuma zwar als schwerwiegende Erkrankung zählt und durchaus anerkannte Diagnosestellungen dafür da sind, aber die Ärzte fehlen (zumindest ein großer Teil), die diese stellen können.
    Die Problematik eines klinischen Nachweises wurde zusehr in den Vordergrund geschoben. Nur wenig Ärzte können oder sind bereit eine solche Diagnose präzisiert und glaubhaft darzustellen, soll heißen ihren Namen für diese Diagnose herzugeben.
    Zum Beispiel würde niemand eine Diagnose "Bechterewsche Erkrankung" eines Prof. der Uniklinik Fränklin in Zweifel ziehen wollen. Mein Hausarzt war dafür "eine Nummer zu klein".
    So oder ähnlioch liegen leider sehr viele Fälle und meistens fehlt dann leider der Professor.
    Damit ich nicht wieder zu viel schreibe sag ich jetzt mal etwas naja "Verwerfliches":
    -Rheumakranke sind oft ganz einfach lästig.
    -Sie sehen manchmal nicht krank aus, werden es aber dauernd wegen der schubweisen Verläufe.
    -Man muß viele Untersuchungen machen lassen und hat sie ständig als Wiederholungspatienten am Hals.
    -Gesund werden sie sowiso nicht und die zu verschreibenden Medikamente sind teuer.
    -Dann maulen dauernd die Krankenkasse und die Rententräger und schicken auch ständig irgendwelche Fragebögen.
    -Und die Forschung findet dauernd was Neues, aber nichts Gescheites.

    UND WARUM KANN ICH ALS ARZT NICHT BEIM ERSTEN MAL DIE ZEIT IN RECHNUNG STELLEN, DIE ICH FÜR SOLCHE PATIENTEN BRAUCHE? WARUM KANN ICH NICHT SCHREIBEN "KRANK HAT RHEUMA?" - ICH WEIS ES DOCH AUCH ERST NACH WOCHEN, WENN ÜBERHAUPT; WELCHES RHEUMA?

    Also ich bin kein Arzt, aber so ähnlich denken wohl viele.

    Einen schönen Gruß "merre"
     

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  8. Heidi

    Heidi Künsterlin

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    willkommen bei den simulanten :)
     
  9. KayC

    KayC Stehauffrauchen

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    Lieber merre,

    ich denke, das trifft es auf den Punkt. Und ich glaube fest daran, daß es Ärzte gibt die so denken. Wenn nur die Ärzte sich in die Karten schauen lassen würden, wäre auch so manches für den Patienten einfacher.
     
  10. RoswithaC

    RoswithaC Neues Mitglied

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    Da hast Du wirklich etwas Wahres gesagt. Ich denke auch viel über die Problematik nach und jetzt fällt es mir wie Schuppen von den Augen, dass genau dies das Gefühl ist, das ich sehr oft habe. Danke für diese Einsicht!

    Welchen Weg gibt es da heraus?
    Die Lösung kann doch nicht sein, dass wir uns zurückziehen, weil wir lästig fallen. Ich will keine Ärzte belästigen, weiss Gott nicht, aber ich brauche sie einfach, weil Medikamente und Behandlungen nicht frei erhältlich sind und nur Ärzte Bescheinigungen ausstellen können.

    Was Kenntnisse über Rheuma angeht, habe ich oft das Gefühl mehr zu wissen, als der mit gegenübersitzende Arzt, der ratlos im Internet rumsurft und die absonderlichsten Seiten aufruft. Auch das ist oft ein schwieriger Seiltanz - zeige ich meine Kenntnis, fühlt der Arzt sich heruntergeputzt, tue ich es nicht, bekomme ich eine Diagnose oder ein Medikament, wo ich sofort weis ... <seufz>

    Teufelskreis!

    Herzlichst
    Roswitha
     
  11. KleineHexe

    KleineHexe Neues Mitglied

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    Hi Roswitha!

    Ja, ich bin auch eine "Simulantin", oder wäre es zumindest, wenn ich nicht ständig meine Ärzte wechseln würde. Die meisten Ärzte haben mich einmal untersucht, eine Diagnose gestellt, gesagt, dass ich davon keine Schmerzen haben könnte und das wars. So sammel ich inzwischen Puzzleteile von Diagnosen und komme aber inzwischen langsam aber sicher voran.

    Ich muss zugeben, es nervt wahnsinnig. Aber es geht um mich, meinen Körper und meine Seele und vor allem meine Lebensqualität.

    Auf Anraten meines Arztes habe ich übrigens inzwischen eine Kur beantragt und genehmigt bekommen, in zwei Wochen gehts los. Und es wird der nächste Schritt zu einer (hoffentlich) gesicherten Diagnose.

    Viele Grüße
    hexe
     
  12. Monsti

    Monsti das Monster

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    Hallo Roswitha,

    die Härte war mal ein Internist, bei dem ich vor vielen Jahren wegen beidseits sehr schmerzhaft geschwollener Handgelenke war: "Hauen Sie sich halt nicht mit nem Hammer oder ähnlichem drauf, dann schwillt auch nichts an!"

    Anscheinend hielt mich dieser Typ für eine klassische Selbstverletzerin, d.h. für einen Psychofall. Gerade bei diesem Doc war ich besonders enttäuscht, weil dieser Doc als Internist eigentlich wissen sollte, dass es auch seronegative rheumatische Erkrankungen gibt. Dieser Doc war dann auch derjenige, der mich in eine psychosomatische Klinik schickte.

    Der Aufenthalt dort war wertvoll, aber am Rheuma hatte er rein gar nichts geändert. Im Grunde bin ich dankbar dafür, dass nach einer EBV-Infektion alles eskalierte und plötzlich 20-30 Gelenke für noch so Blinde eindeutig betroffen waren. Endlich wurde ich ernst genommen! Davor lagen aber 10 Jahre nervige Doc-Erfahrungen, etliche eigene (und sündhaft teure) Versuche mit alternativen Heilverfahren bei Heilpraktikern und bis zur o.g. EBV-Infektion (Ver-)Zweifeln an meiner eigenen Wahrnehmung.

    Eines der Probleme im heutigen Kontakt mit den Dottores ist, dass ich sie mit recht umfangreichem Fachwissen konfrontiere. Mein Gott, sag ich dann immer, was hätten denn Sie an meiner Stelle all die Jahre getan? Ich wusste doch, dass da etwas nicht in Ordnung ist, und wenn Ärzte nicht nach der möglichen Ursache suchen, dann eben ich selbst! Seitdem ich so offensiv mit diesem Thema umgehe, habe ich mit den Ärzten kein Problem mehr.

    Liee Grüße von
    Monsti
     
  13. Sabinerin

    Sabinerin Aktives Mitglied

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    @Roswitha + all

    Hallöchen Roswitha, hallo an alle,


    Was hat das mit belästigen zu tun?? Die Ärzte haben studiert mit dem Wissen kranke Menschen zu behandeln. Manche Menschen sind nun mal stärker betroffen von ihrer Erkrankung, manche weniger.
    Manche Menschen gehen mit einem Schnupfen 4 Mal zum Arzt (übertrieben gesagt) und manche stärker erkrankten Menschen gehen im Quartal einmal zum Arzt und trauen sich nicht nachzufragen.
    Manche Menschen können mit günstigen Medikamenten behandelt werden, andere eben nicht.
    Manche Menschen sind nach 5 Minuten beim Arzt draußen, manche Menschen brauchen eben mehr Zeit (und sollten sie sich auch nehmen, notfalls Arzt auf dem Stuhl festbinden :D ;))

    Natürlich ist es ein komisches Gefühl, wenn der Arzt auf die Uhr schaut und versucht möglichst unauffällig zur Tür zu gelangen, um den Patienten "nett herauszubitten". Das hat man mit mir nicht nur einmal, nicht nur zweimal, nein auch nicht nur fünfmal gemacht. Das habe ich mir sogar eine lange Zeit gefallen lassen, weil ICH nicht meine persönlichen Belange für wichtig empfunden und sie nicht als solche formuliert habe.

    Natürlich fühlt man sich anfangs wie ein "Bittsteller", je nach Reaktion des Arztes.

    Natürlich gibt es Sprechstundenhilfen, die angesäuert schauen.

    Wenn ein Arzt all das nicht in Kauf nehmen will, muß er nach seinem Studium in eine wohlhabende Stadt mit wohlhabenden Menschen ziehen und dort lediglich Privatpatienten behandeln.

    Ich würde auch am liebsten auf diese Medikamente verzichten, ich möchte, daß die Ärzte viel verdienen und ihre Patienten lieb haben *gg*, ich möchte, daß niemand Hunger leidet, niemand Schmerzen hat, niemand warten muß, alle gleichberechtigt behandelt werden...ach ich möchte so vieles...und vieles ist schlichtweg unrealistisch.

    Tatsache ist, daß ich nicht an der Wohnungstür abgeholt werde, daß mich mein zukünftiger Arzt nicht explizit anrufen wird, weil er sooo gerne Enbrel und Arava verschreiben möchte und Tatsache ist auch, daß er sich weder nach meinen Krankengymnastikrezepten sehnt und noch meine ganzen Nebenwirkungen auf Medikamente behandeln möchte.

    Tatsache ist, daß ICH trotzdem zum Arzt gehen muß, ob er nun will oder nicht, ob ich nun will oder nicht.

    Nein, und ich fühle mich auch nicht als lästiges Objekt, welches als Bittsteller an der Tür steht.
    Wenn ein Arzt sich das Recht nimmt "mich aus der Praxis zu bitten", dann nehme ich mir das Recht für meine Belange einzustehen.
    Wenn der Arzt sich das Recht nimmt lediglich 3 Minuten für mich einzuplanen, dann nehme ich mir das Recht mit meiner Liste auch 10 Minuten in Anspruch zu nehmen.

    Nein, ich bin häufig nicht auf Gegenliebe gestoßen und so mancher Arzt kann mich sicher nicht leiden. Aber das muß er auch nicht, schließlich braucht er mich weder heiraten, noch sonst seine Zeit mit mir zu verbringen. ;)
    Mein 12jähriger Weg mit der Erkrankung wurde nicht nur von einem, zwei oder drei Ärzten begleitet.... *feistgrins*

    Ich weiß, daß es schwer ist und auch mir fehlt manchmal die Kraft zu kämpfen. Ich könnte hier haarsträubende Geschichten erzählen, die es rechtfertigen würden aufzugeben.

    Aber ich will nicht aufgeben, weil ich leben will. Das Recht auf ein lebenswertes Leben steht mir zu, so wie es jedem anderen zusteht.



    Liebe Roswitha, bei Dir ist es schwierig, weil Du noch keine Diagnose hast. Du hast recht, es ist ein Seiltanz und Du kannst Dich nur auf Dein Gefühl und Deine Menschenkenntnis verlassen, wie Du bei einem Arzt reagierst.

    Deshalb nochmals: Laß Dich nicht zu oft verunsichern, vertrau Deinem Gefühl und suche solange im Netz, bist Du eine für DICH geeignete Klinik oder einen geeigneten Arzt gefunden hast.
    Die Diagnosefindung kostet Kraft und Zeit, sie kostet Tränen und Schmerzen. Es ist kein einfacher Weg, aber Du hast hier bei RO alle Grundlagen, um hilfreiche Infos zu finden sowie Kliniken und Ärzte.

    Ich drücke Dir die Daumen und wünsche Dir viel Kraft

    viele Grüße
    Sabinerin
     
  14. Vanilla

    Vanilla Guest

    Symptome: "Heiße Zehen und Finger"

    Kollege fragt: "Was hast'n da gemacht?"
    Ist vermutlich Rheuma.
    "So'n Schwachsinn, Rheuma gibt es überhaupt nicht. Man muss nur zum Heilpraktiker gehen, der gibt einem so eine eklige Flüssigkeit, die zieht das Wasser aus den Knochen und gut ist. Friss nicht soviel Schweinefleisch, dann haste das Problem nicht mehr.!"
    Mag ja sein, dass Schweinefleisch irgendwas mit Rheuma zu tun hat, aber ich habe schon wochenlang keines mehr gegessen.
    "Wo willstes denn dann herhaben?"
    Ich habe keine Ahnung, wahrscheinlich habe ich es einfach nur geerbt. In meiner Familie haben alle Frauen Rheuma.
    "Geerbt? So ein Schwachsinn. Rheuma kann gar nicht vererbt werden. Hol dir dieses komische Zeug, davon geht das weg. Und denk ans Schweinefleisch!"

    Gut, das war jetzt glücklicherweise kein Arzt, sondern "nur" die Meinung eines 08/15-Mitbürgers. Hoffe mal, dass die meisten anders denken (von den Simulanten mal abgesehen ;) )
    Sehr interessant finde ich auch, dass es Rheuma zwar gar nicht gibt, andererseits aber auch nicht vererbt wird :rolleyes: