Liebe Nicole Dorothea,
Ich kann dir etwas von meinen Erfahrungen berichten, vielleicht hilft es dir etwas weiter. Ich bin vor einigen Monaten 42 geworden und seit 2,5 Jahren voll berentet. Ich war bis dahin auch im Büro beschäftigt. Ich bin auch vor 18, bald 19 Jahren erkrankt. Die ersten Jahre ging es mir relativ gut und ich habe noch voll gearbeitet. 2011 war ich mit Cimzia leider falsch eingestellt, was bei mir innerhalb weniger Monate bereits fatale Folgen hatte. Ich habe nach akuten Schüben mit nur 29 Jahren eine Knie Vollprothese bekommen und auch eine Fingergelenk musste ersetzt werden, weil es luxiert war. 2017 ferner Mittelfuss versteift. 2018 bin ich wegen Kinderwunsch erneut auf Cimzia und wegen erneuten Versagens auf Enbrel und Humira eingestellt worden, was leider ebenfalls schief ging. Seither hatte ich extrem starke Akutphasen. Was soll ich sagen: linkes Knie kaputt, beide Handgelenke versteift, diverse Zehgelenke auch kaputt. Leber ist stark angegriffen durch die Medikamente und ständigen Medikamentenwechsel. Knie und Zehe will ich noch operativ versorgen lassen. Leider zieht sich das alles extrem hin und mein Arbeitgeber hat dies nicht lange mitgemacht. Ich muss sagen, dass ich, als der Rentenbescheid über die Vollrente dann eintrudelte, in ein extrem tiefes Loch gefallen bin. Allerdings habe ich versucht, irgendwann die Perspektive zu ändern. Ich mache jetzt erstmal per Fernkurs eine Weiterbildung unter Berücksichtigung des Restleistungsvermögens. Zeiten kann ich mir frei einteilen, so besteht kein Druck. Ich will die Hoffnung nicht aufgeben, irgendwann vielleicht doch noch einmal ein paar Stunden arbeiten zu können. Mich würde auch der soziale Bereich interessieren, ähnlich wie bei dir. Mit Büroarbeit ist nicht mehr viel, da meine Hände extrem in Mitleidenschaft gezogen sind und ich keine 8 Stunden PC Arbeit mehr machen könnte. Ich bin mit meinem Partner in die Nähe meiner Familie zurück gezogen, zum einen weil ich hier mehr Unterstützung habe, zum anderen geniesse ich natürlich ihre Nähe. Unser Kinderwunsch hat sich leider nicht erfüllt und so langsam nehme ich davon auch Abschied, auch weil ich vor einem erneuten Versuch starke Angst habe. Ansonsten versuche ich mich viel zu beschäftigen. Ich kümmere mich mit um den Hund meiner Mutter. Ich betreue meine Neffen oft. Wenn ich operativ weiter bin, will ich vielleicht auch ein Ehrenamt übernehmen. Ich muss sagen, dass ich die soziale Isolation durch die Frührente auch unterschätzt habe. Aber es geht sehr schnell, dass einem das zusetzt. Zumindest war es bei mir so. Nach einer anfänglichen Depri Phase versuche ich meine Situation jetzt positiver zu sehen und viel für meine Gesundheit zu tun. Rheuma ist kein leichtes Los und das habe ich auch erst im Laufe der Zeit verstanden. Ich wünsche dir viel Erfolg für Deinen Weg, auch mit deinen Kiddis, und beruflich. Ausserdem schon einmal frohe Feiertage. LG Jana