Zurück zu Jane Austen's Problem
@ Jane Austen:
Ich selber bin auch seronegativ, d. h. man kann keinen Rheumafaktor nachweisen, und hab eher selten und wenn, dann niedrige Entzündungswerte. Trotzdem ist mein Rheuma erheblich fortgeschritten. Ich hatte das Glück, einen umsichtigen Hausarzt zu haben, der mich zur Rheumatologin überwies, und diese Rheumatologin hat so lange gesucht, bis sie eine Diagnose stellen konnte.
Ich kann dich gut verstehen, dass du geschockt bist und dich allein gelassen fühlst. Bei mir war es auch so - trotz der guten Konstellation mit meinen Ärzten. Ich konnte es lange Zeit nicht begreifen, dass ich krank sein sollte, und seltsamerweise haben sich alle in meinem Umfeld zurückgezogen, meine Signale sind nicht angekommen, ich fühlte mich nicht ernst genommen. Leider kannte ich damals dieses Forum noch nicht, es hätte mir gerade diese schwere Anfangszeit bedeutend erleichtert. Irgendwann war ich soweit zu erkennen, dass ich meine Krankheit zuerst mal annehmen soll als Begleiter und sie nicht mehr als Schreckgespenst sehe, die mein ganzes Leben bestimmt.
Bitte verurteile nicht das Ärztesystem, nur weil die Hausärztin dich nicht ernst nimmt und sogar auslacht. Du hast die Möglichkeit, dir einen anderen Hausarzt zu suchen, der deine Beschwerden wirklich ernst nimmt. Beim Rheumatologen hast du eh einen Folgetermin bekommen, und da die Rheumatologen vollkommen ausgelastet oder gar überlastet sind, ist es üblich, dass man nicht so einfach zwischendurch einen Termin bekommt. Bis Juli ist es eh nicht mehr weit. Und es ist ganz normal, dass sich die Untersuchungen bis zur Diagnosefindung lange hinziehen können. Du hast ja erst wenige Monate damit zu tun und so schnell werden die Gelenke nun auch wieder nicht geschädigt. Natürlich verstehe ich, dass es besonders schwer ist, wenn man noch so jung ist wie du, aber du sagst, du kannst deinen Alltag noch bewältigen trotz deiner Schmerzen. Das ist ja schon mal sehr positiv. Das können viele Betroffene plötzlich nicht mehr. Darf ich fragen, was du beruflich machst?
Was du nun tun kannst bis zum nächsten Rheumatologentermin:
Mach dir ein Schmerztagebuch, in das du reinschreibst, wie es dir jeden Tag geht, wo genau die Schmerzen sind, wann du Schmerzpausen hast, ob dir Wärme oder Kälte gut tut, wie stark zu welchen Zeiten deine Erschöpfung/Müdigkeit ist, ob du vielleicht einen Zusammenhang mit bestimmten Nahrungsmitteln bemerkst (z. B. Schweinefleisch), wie lange dir eine Ibuprofen hilft usw. Wenn du Schwellungen bzw. Rötungen bemerkst, dann kannst du sie fotografieren und dokumentieren.
Zum Thema Ernährung kannst du viel machen. Lies mal hier:
https://www.rheuma-online.de/forum/...ng-bei-entzündlich-rheumatischen-Erkrankungen
Wenn du das machst, konzentrierst du dich auf das Wesentliche, kommt von der emotionalen Ebene mehr auf die sachliche Ebene runter, und es wird dir damit sicherlich besser gehen.
Also sag zu dem Schreckgespenst: Wenn es sein denn muss, dass du da bist, dann geh halt mit, aber Ich bin der Boss, Ich bestimme weiterhin über mein Leben, ich lasse mir von dir meine Lebensfreude nicht verderben!
In diesem Sinne alles Gute!