Magenta
Buhfrau
In seinem Buch "Mut und Gnade" beschreibt Ken Wilber ausführlich die Belastungen die sich durch schwere oder chronische Krankheit eines der beiden Partner für die Beziehung ergeben und die Schwierigkeiten mit denen sich der gesunde Partner dadurch konfrontiert sieht.
Auszüge:" Schwieriger und wirklich heimtückisch ist für den Helfer jedoch der seelische Druck, der sich jetzt allmählich aufbaut. Dieser innerere Kampf hat zwei Seiten, eine private und eine öffentliche.
Zunächst die private: Der Helfer weiß, daß alle seine Probleme, wie viele es auch sein mögen, Lappalien sind gegen die lebensbedrohende Krankheit des geliebten Menschen. Also spricht er einfach nicht davon - wochenlang, monatelang. Er hält sie unter Verschluß. Man möchte den geliebten Menschen nicht beunruhigen, man möchte ihm seine Lage nicht noch erschweren(....) Das geht ein paar Monate so (je nach Veranlagung), und dann dämmert es dem Helfer allmählich: Die Tatsache, daß meine Probleme klein sind, etwa im Vergleich zu Krebs, erledigt sie nicht. Sie werden sogar schlimmer, denn jetzt sind es eigentlich zwei Probleme: das ursprüngliche Problem und dann die Tatsache, daß man es nicht äußert und daher auch keine Lösung dafür finden kann.(...)
Und hier beginnt die öffentliche Seite der seelischen Schwierigkeiten eines Helfers. Man kommt zu der Einsicht, daß man reden muß; aber mit wem? Der Kranke ist vermutlich nicht der beste Gesprächspartner, denn häufig ist er ja das Problem des Helfers, bedeutet eine schwere Belastung für ihn; man möchte dem Kranken natürlich kein schlechtes Gewissen machen, möchte ihm nicht den Schwarzen Peter zuschieben, auch wenn man ihm vielleicht übelnimmt, daß er krank geworden ist.
Eine Selbsthilfegruppe von Leuten, die ähnliches erleben, also eine Selbsthilfegruppe für Helfer, ist bei weitem der beste Ort, um sich auszusprechen. Auch Einzeltherapie oder Partnertherapie kann sehr nützlich sein.(....)
Eine Selbsthilfegruppe, sagte ich, ist bei weitem die beste Anlaufstelle. Wenn man bei einer solchen Gruppe mal zuhört, stellt man fest, daß hier vorwiegend über die lieben Kranken gemeckert wird: "Was bildet der sich ein, mich so herumzukommandieren?" - "Glaubt die vielleicht, was Besonderes zu sein, nur weil sie krank ist? Ich hab schließlich auch meine Probleme" - "Mir kommt es so vor, als hätte ich in meinem Leben überhaupt nichts mehr zu sagen." - "Ich hoffe, der Typ beeilt sich ein bißchen mit dem Sterben." So etwas sagen nette, anständige Leute einfach nicht öffentlich, und schon gar nicht zu den lieben Kranken.
Bedenken wir aber, daß sich unter Zorn und Groll fast immer Liebe verbirgt - sonst hätte der Helfer ja schon längst das Weite gesucht. Nur kann diese Liebe sich nicht äußern, solange Zorn und Groll ihr den Weg verstellen. Wie Gibran sagt: "Haß ist hungernde Liebe". In solchen Selbsthilfegruppen kommt viel Haß nach oben, aber nur weil darunter soviel Liebe ist, hungernde Liebe."
So weit Ken Wilber.
Mich würde interessieren, wie Ihr in Euren Partnerschaften damit umgeht.
Magenta
Auszüge:" Schwieriger und wirklich heimtückisch ist für den Helfer jedoch der seelische Druck, der sich jetzt allmählich aufbaut. Dieser innerere Kampf hat zwei Seiten, eine private und eine öffentliche.
Zunächst die private: Der Helfer weiß, daß alle seine Probleme, wie viele es auch sein mögen, Lappalien sind gegen die lebensbedrohende Krankheit des geliebten Menschen. Also spricht er einfach nicht davon - wochenlang, monatelang. Er hält sie unter Verschluß. Man möchte den geliebten Menschen nicht beunruhigen, man möchte ihm seine Lage nicht noch erschweren(....) Das geht ein paar Monate so (je nach Veranlagung), und dann dämmert es dem Helfer allmählich: Die Tatsache, daß meine Probleme klein sind, etwa im Vergleich zu Krebs, erledigt sie nicht. Sie werden sogar schlimmer, denn jetzt sind es eigentlich zwei Probleme: das ursprüngliche Problem und dann die Tatsache, daß man es nicht äußert und daher auch keine Lösung dafür finden kann.(...)
Und hier beginnt die öffentliche Seite der seelischen Schwierigkeiten eines Helfers. Man kommt zu der Einsicht, daß man reden muß; aber mit wem? Der Kranke ist vermutlich nicht der beste Gesprächspartner, denn häufig ist er ja das Problem des Helfers, bedeutet eine schwere Belastung für ihn; man möchte dem Kranken natürlich kein schlechtes Gewissen machen, möchte ihm nicht den Schwarzen Peter zuschieben, auch wenn man ihm vielleicht übelnimmt, daß er krank geworden ist.
Eine Selbsthilfegruppe von Leuten, die ähnliches erleben, also eine Selbsthilfegruppe für Helfer, ist bei weitem der beste Ort, um sich auszusprechen. Auch Einzeltherapie oder Partnertherapie kann sehr nützlich sein.(....)
Eine Selbsthilfegruppe, sagte ich, ist bei weitem die beste Anlaufstelle. Wenn man bei einer solchen Gruppe mal zuhört, stellt man fest, daß hier vorwiegend über die lieben Kranken gemeckert wird: "Was bildet der sich ein, mich so herumzukommandieren?" - "Glaubt die vielleicht, was Besonderes zu sein, nur weil sie krank ist? Ich hab schließlich auch meine Probleme" - "Mir kommt es so vor, als hätte ich in meinem Leben überhaupt nichts mehr zu sagen." - "Ich hoffe, der Typ beeilt sich ein bißchen mit dem Sterben." So etwas sagen nette, anständige Leute einfach nicht öffentlich, und schon gar nicht zu den lieben Kranken.
Bedenken wir aber, daß sich unter Zorn und Groll fast immer Liebe verbirgt - sonst hätte der Helfer ja schon längst das Weite gesucht. Nur kann diese Liebe sich nicht äußern, solange Zorn und Groll ihr den Weg verstellen. Wie Gibran sagt: "Haß ist hungernde Liebe". In solchen Selbsthilfegruppen kommt viel Haß nach oben, aber nur weil darunter soviel Liebe ist, hungernde Liebe."
So weit Ken Wilber.
Mich würde interessieren, wie Ihr in Euren Partnerschaften damit umgeht.
Magenta
