Das alles hört sich nicht gut an... aber irgendwie bekannt nur von der anderen Seite...
Irgendwie verstehe ich auch wo bei Deinem Freund die Säge klemmt. Ich sitze selbst seit Febraur auf dem trockenen. Für einen Mann ist solche eine Situation nicht leicht zu bewältigen. Mann möchte den ein Lebenlang eingeübten Klischees gerecht werden. Plötzlich findet man sich in einer Situation, wo alles an der Partnerin hängenbleibt und das ist exterem peinlich. Es sind die Aufgaben, welche man früher selbst übernommen hat und nun liegenbleiben! das Problem ist, wenn diese freiwillig von ihr übernommen werden, sei es weil es ihr an der Geduld fehlt oder das sie nur etwas Gutes tun will, fühlt sich das Männchen auf den Schlips getreten, weil er sich angetrieben fühlt.
Ich rede aus Erfahrung. Ein kleines Beispiel:
Wochenende, es ist Mittag und meine Akkus sind runter (schlecht geschlafen,zuviel Aua, schlapp durch die Krankheit). Ich weiß mit mir selbst nichts richtiges Anzufangen und tigre um Garten umher. Sie sitzt ruhig auf dem Balkon an ihrem Puzzle. Ok ruhe...ich hau mich auf den Liegestuhl...Plötzlich fängt SIE ohne Vorwarnung aus welchem Grund auch immer, an den Rasenmäher rauszukramen, warum nur,hä ,war doch gerade Ruhe angesagt?...Wo bleibt da die Struktur, die Logik, das Gras geht noch so wie es ist. Außerdem kann ich das in der Woche erledigen, wenn sie nicht da ist. Eigentlich hätte ich erwartet das sie mal sagt, wir fahren Eisessen oder sowas, aber nein sie macht meinen Kram unter dem Vorwand "Du machst es ja doch nicht...". Fazit totaler Stress bis Panik für mich. Pur und Plump ein Angriff auf meine Domäne (selbst wenn ich es wirklich nicht selbst hinbekommen würde)
usw... Ich liebe sie, und bin eigentlich dankbar das sie mir soviel abnimmt aber bin gleichzeitig heilfroh wenn sie am Sonntag wieder zur Arbeit fährt. (Dann läuft alles wieder in meiner Zeitline)
Wir telefonieren in der Woche Abends miteinander. Schön Sie möchte reden, nach 10..15 Minuten ( eine ewigkeit, ich habe keinen Text mehr) und ich steh am Apparat, mir tun schon die Knie weh und ich werd schläfrig und sie redet und redet..., wärend ich mich auf hmm und ja beschränke,(Was soll ich erwietern wenn sie mir mitteilt das Kollegin sowiso zu Kollegin soundso sagt, das Kollege x mit Kollegin y... ?) Das wirklich wichtige für einen Mann kein Thema... hmmm, hmmm,ja...
"bist Du noch dran", hmmm, natürlich. Am Ende weiß ich nicht um was es eigentlich ging... das einzige was sie nicht gesagt hat das sie den Knatsch vom Wochenende zu den Akten gelegt hat, was beruhigend wäre wurde nicht gesagt... "Hast Du dich beim Arzt um einen Klinkplatz gekümmert?"...ja, aber..."denen würde ich..."...ich tu was ich kann (mein Arzt überlegt schon die Anschaffung eines Pitbull)..."dann such doch eine anderen"(der hat schon einen Rotweiler vor der Tür)...
Das muß nicht depri sein.
Männer sind eigentlich schon im gesunden Zustand für Frauen zu simpel gestrickt. Wärend sie alles ausdiskutieren möchte hat er die Sache lage zu den Akten gelegt und fragt sich warum sie schon wieder damit anfängt..., sie auch wenn die medis was anderes verhindern, könnte man die Zeit viel sinnvoller nutzen...einfach nur knuddeln...und den alten Kram da lassen wo er ist, auf dem Müllhaufen der Zeit

(alt kann auch für einen Mann in normaler Situation 10 minuten bedeuten)
Mit der Krankheit tickt die eigene Uhr langsamer als das normale Tempo der Umgebung. Dieses entwickelt sich zu einem wusligen Hasten. Man möchte ja mithalten aber es geht nicht. Die vermeintliche Hektik um sich herum macht zu schaffen und die Mehrbelastung die sie sich Aufbürdet wurmt ihn zusätzlich (nur ein totaler Matchomane würde sich ungeteilt darüber freuen).
Man sieht sich plötzlich wieder zwischen den Stühlen sitzen. Gute Schlaue Ratschläge, Irrwitzige Vorderungen etwas besser zu machen...heeee, manches geht nur in der Vorstellungskraft eines Nichtbetroffenen.
Was sieht Sie? Ich mache doch schon alles. Du mußt doch nicht, ich bekomme das auch alleine hin. Warum ist er trotzdem schlecht gelaunt? Warum will er nicht drüber reden? Warum unternimmt er nichts?
Ein Rezept kann ich Dir auch nicht geben. Ich sitze ja selbst noch in dem Gefühlskarusell zwischen "ich liebe dich" und "wenn ich zu langsam für euch bin , fahrt allein weiter". Mir ist klar das die Welt nicht für mich bremsen kann aber eine Lösung habe ich auch nicht, dann bekäme ich den Nobelpreis.
Eines weiß ich sicher mir gehts in solchen Situationen richtig Sch...., also bleib mir von deer Pelle...
Damit wären wir wieder am Anfang...
das nur mal als Einblick, was in im ticken könnte.
Juliane schrieb:
...Und überlege mit ihm ob er nicht eine Schwerbehinderung beantragt
Ganz heißes Eisen!!!, darauf sollte ihn besser ein männlicher Freund/Bekannter stoßen. und selbst das wird auch wenns richtig ist auf wenig Gegenliebe stoßen. Allein der Gedanke ist ein Skrileg.
das geht sonst sicher ins Auge auch wenns gut Gemeint ist!!!!
schon allein das Wort "Schwerbehinderung" kann im falschen Moment aus dem falschen Mund empfindlich treffen!
In so kurzer Zeit ist er sicher noch nicht Reif... (Ich weiß das ich mit Sicheheit nicht mehr in meinen Job kann, ertappe mich aber immernoch, in Gedanken Zeichunglesend und über Balken Turnend, ich bin auch noch nicht total reif)
Hier denken Frauen wohl mal zu rational...
Du wirst Ihn nicht verlieren, das glaube ich nicht. Er muß erst mal seine neue Mitte finden.
Ich verstehe Deine Sorgen und ahne wie er fühlt.
Oh Schande, schon wieder ein halber Roman.