Rheuma-Liga e.V.
z.Hd. Frau Ursula Faubel
Sehr geehrte Frau Faubel,
mit Interesse habe ich einen Artikel in der Ärztezeitung über die Forderung gelesen, dass die rheumatoide Arthritis in die Disease-Management-Programme übernommen werden sollen, damit flächendeckend mehr RheumatologenInnen angesetzt werden können.
Ich selbst habe derzeit eine Ärztetournee hinter und vor mir, da der Verdacht auf eben diese Krankheit vorliegt. Ganz kurz möchte ich Ihnen meinen Arzt-Marathon erläutern.
Aufgrund der ersten großen Beschwerden (die mir nicht erklärbar waren) bin ich zum Hausarzt. Dieser konnte nichts feststellen und hat mich nach zwei Wochen eigener Behandlung - auf mein eigenes drängen (!!!) - zum Orthopäden überwiesen (O-Ton des Hausarztes: "Was machen die denn anderes als ich, außer Röntgenaufnahmen?").
Orthopäde machte keine Röntgenaufnahme sondern überwies mich sofort zum Neurologen.
Dieser hat bei mir von der LWS eine CMT (Computerunterstützte Aufnahme) gemacht und gemeint, ich hätte ein chronisch, generalisiertes Schmerzsyndrom.
Vom Neurologen bin ich wieder zurück zum Orthopäden. Dieser griff diesen Befund natürlich auf und als nach 4 Wochen keine Besserung der extremen Situation entstanden ist, hat er mich zu einem Psychiater überwiesen. Nach insgesamt sechs Wochen NICHTWISSENS warum ich eigentlich krank bin, hab ich selbst das Herz in die Hand genommen und bin wieder arbeiten gegangen ohne, dass es wirklich besser gewesen ist.
Nach mehreren Monaten bin ich zufällig auf die Homepage
www.rheuma-online.de gestoßen und hab die dort beschriebenen Symptome sofort auf mich übertragen können ("das hab ich ja auch alles"). Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Was hab ich getan?
Hab meine Probleme in dem Forum gepostet und bin dann nach den sehr überzeugenden Einschätzungen der anderen User sofort auf eigene Kappe zum Rheumatologen.
Dieser bestätigte meinen Verdacht sofort und leitet nun die entsprechenden Wege/Untersuchungen ein.
Ich möchte Ihnen damit nur folgendes sagen. Hätte mein Hausarzt mehr Kenntnis davon gehabt, wie sich Rheumaschmerzen auswirken können und wie sich Symptome entsprechend bei Patienten anhören, hätten bei ihm sofort die Alarmglocken geläutet und er hätte mich entsprechend schon beim ERSTEN Termin bei ihm zum Rheumatologen überwiesen. Dadurch hätte sich auch meine AU-Zeit um ca zwei Wochen reduziert.
Diesen Mißstand kann man nur entgegen treten, wenn von den Krankenkassen oder von der Rheuma-Liga oder wem auch immer, viel mehr flächendeckende Fortbildungen zum Thema "Rheuma für die Allgemein-MedizinerInnen" organisiert werden. Meinetwegen sollten diese Fortbildungen zur Pflicht für alle Ärzte werden, auch um immens hohe Kosten durch unnötige Arztrennereien vermeiden zu können (geschweige von unnötigen Medikamenten und dem Ärger der Patienten).
Natürlich bedarf es auch mehr Fachärzte - also internistische RheumatologenInnen.
Aber ohne das Wissen der Hausärzte nützt auch die flächendeckende Organisation von Rheumatologen weniger als durch die Aufklärung der Hausärzte. Denn diese sind ja bestimmt zu 90% die erste Anlaufstation der Patienten.
Ich meine, dass das Bundesgesundheitsministerium diesen Mißstand der Aufklärungen in ihr Gesetzblatt mitaufnehmen müßten, sodass auch Krankenkassen dazu verpflichtet würden, entsprechend mehr Fortbildungen für Allgemein-MedizinerInnen durchzuführen.
So wie mir, ging und geht es auch vielen anderen hunderttausend PatientenInnen auch.
Schauen Sie nur mal etwas genauer auf das Forum
www.rheuma-online.de das Sie bestimmt schon kennen.
Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen.
Mit freundlichen Grüßen,