Hi,
ich möchte versuchen, ein wenig den Dampf aus der Angelegenheit zu nehmen:
1. Es gibt ebenso in manchen Fällen Leberprobleme unter MTX wie unter Arava. Überzogen und unnötig angstmachend finde ich die Aussage mit dem "Lebertod". Es ist schon richtig, dass es Leberversagen nach Medikamenten gibt - und auch richtig, dass man daran sterben kann.
Soooo oft und leicht passiert das aber nicht, und individuell lässt sich schon gar nicht vorhersagen, wer wie reagiert. Richtig problematisch wird es, wenn es in Richtung einer Leberfibrose geht - die als Vorstufe einer Zirrhose zu sehen ist.
2. Entscheidend für die Leberreaktion unter Medikamenten - eine so genannte medikamententoxische Hepatopathie = sinngemäß so etwas wie eine "durch Medikamente vergiftungsähnliche Leberkrankheit" = einfacher ausgedrückt Schädigung, die sich durch erhöhte Leberwerte ausdrückt - ist die persönliche Vorbelastung (Fettleber, Zahl und Art der Medikamente, zusätzliche Belastungen wie Alkohol, Virushepatitis etc.) UND die individuell sehr unterschiedliche Toleranz/Stoffwechselbelastbarkeit der Leber. Nicht zuletzt gibt es auch nicht vorhersehbare (so genannte "idiosynkratische" Reaktionen - d.h., dass mit einer Schädigung niemand rechnen konnte oder musste).
Bei Medikamenten kommen grundsätzlich sehr, sehr viele als Belastungsfaktoren in Frage.
Dazu gehören u.a. NSAR (Ibuprofen, Voltaren, ASS etc.), Paracetamol, MTX, Arava, Azathioprin, Hydroxychloroquin, Sulfasalazin, Medikamente gegen Pilzinfektionen (!) wie die so genannten Azole (Fluconazol, Itraconazol) und viele, viele Andere......und doch passiert oft sehr wenig
Manchmal steigen unter MTX die Werte schon bei Minidosen an, andere Rheumapatienten tolerieren problemlos bis zu 35 mg in der Woche. (Chemotherapiepatienten beispielsweise erhalten bis zu mehreren GRAMM in einer Infusion und müssen keineswegs mit Leberwerterhöhungen reagieren - woran man sieht, dass die Leber viel Spielraum hat, aber eben bei jedem individuell verschieden reagiert - obwohl sie ja meist mehrere Zytostatika erhalten)
Die Kombination mehrerer lebertoxischer Medikamente ist für die Entstehung von Problemen oft der Knackpunkt.
Nicht verschweigen möchte ich aber, dass ich die Kombination aus MTX (wahlweise auch Arava, Azathioprin oder Quensyl) mit NSAR und dann vielleicht auch noch Alkohol seeeehr zurückhaltend handhaben würde.
Wiederholte Anstiege von Leberwerten unter MTX und/oder Arava sind ein Grund für einen Therapiewechsel. Andererseits kenne ich Menschen, die beides schon lange kombiniert ohne Probleme einnehmen - die regelmäßigen Kontrollen und eine gute Compliance vorausgesetzt, kann das lange gut gehen
Zusammengefasst: ruhig bleiben, vorsichtig, aber nicht ängstlich vorgehen und auf die begleitenden Risikofaktoren gucken, dann kommt es nicht so schnell zu einer wirklich gefährlichen Situation für die Leber
Bitte Folgendes auch noch lesen!!
ABER: kritisch sehe ich die unkontrollierte Einnahme von frei verkäuflichen Medikamenten. Das gilt für Paracetamol (mit Bedacht!), Ibuprofen, Voltaren/Diclofenac, ASS und ganz besonders für Kombinationspräparate, die zwar beliebt, aber bedenklich sind: Thomapyrin und ähnliche!
Ich empfinde es immer wieder und aus gutem Grund (bei Interesse gerne PN schicken) als Unsitte, wie unkritisch mit derartigen Präparaten seitens der Bürger, aber auch mancher Apotheker umgegangen wird.
Streitet euch nicht um des Kaisers Bart, denn der hat sehr viele unbekannte Variablen

Hoffe, es ist ein wenig klarer; wenn nicht, einfach fragen!
LG, die Frau Meier