Hallo Makapru,
ich war im letzten Oktober in Schlangenbad und kann dir nur empfehlen, wenn du ablehnen kannst geh woanders hin. Ich kam mit der Diagnose Fibromyalgie dorthin. In der 1. Woche passierte gar nichts, da war der Feiertag und einen Tag davor kam ich an, ab Montag hatte ich dann Anwendungen, allerdings wurde die Pläne total caotisch gemacht. Ich sollte im täglichen Wechsel Gruppengymnastik und Wassergymnastik bekommen, das sah dann in der Planung so aus, dass ich Mittwoch und Donnerstag an jedem Tag 3 mal Gymnastik hatte, an diesen Tagen war ich mit Anwendungen so zugebucht, dass ich von morgens 7:00 bis mittags 17:00 rennen musste, keine Zeit zu Frühstücken hatte und zum Mittagessen gerade 30 Minuten. Ich war an diesen 2 Tagen fix und fertig, während ich den Rest der Woche mal eine Massage, ein Perlbad oder eine Moorpackung hatte und nicht wußte wie ich die Zeit totschlagen sollte. in der letzten Woche hatte ich dann Schmerzbewältigung, allerdings war das so eingetragen, dass ich diesen Kurs nicht beenden konnte, da ich ja wieder heim musste. Die Psychologin sagte, dass mir das gar nichts bringen würde.
Man bekommt keine Einweisung in der Klinik und muss alles selbst rausfinden. Das Thermalbad ist für Patienten nur zu bestimmten Zeiten nutzbar und meistens so überfüllt, dass man gar nicht reinlommt. In den Abendstunden ist es dann leer, aber du als Patient kommst nicht mehr rein, es sei denn du zahlst, ich weiß nicht mehr was es genau gekostet hat, aber es ist ganz schön happig. Die Ärzte im Haus sind sich zum einen total uneinig zum zweiten sehr unfreundlich. Die mitgebrachten Röntgenbilder hat sich keine angesehn. An Medikamenten wurde ich mit starken Schmerztabletten und Valeron vollgepumpt. Als ich der Chefärztin sagte, dass ich die nicht weiternehme, da die Schmerzen davon nicht besser werden und ich nur neben mir herlaufe, grinste sie nur und meinte, ja dann können wir auch nichts mehr für sie tun, gehen sie nach Hause und begeben sie sich in psychologische Behandlung, es handelt sich bei ihnen um einen erhöhten Stressfaktor, der diese Schmerzen auslöst. Ich entgegnete darauf, dass ich seit Februar zu Hause bin und weder beruflichen noch irgendwelchen anderen Stress hätte darauf meinte sie nur, na dann müsste ich mich unbedingt in tiefenpsychologische Behandlung begeben, dann würde es sich um ein starkes Kindheitstrauma sprich Vergewaltigung oder Misshandlung in der Kindheit handel, welches ich nicht verarbeiten könnte. Ich bin dorthin gegangen weil ich Hilfe suchte, ich war mir sicher, dass die Schmerzen die ich in nahezu allen Gelenken hatte auf eine rheumatische Erkrankung zurückzuführen ist. Die Fibromyalgie hatte ich mit meinen Medikamenten mittlerweile recht gut im Griff, aber die anderen Schmerzen kamen woanders her. Allerdings habe ich keinerlei Entzündungswerte im Blut, nur ein sehr niedriges Eisen, was aber bei Frauen bedingt durch die Menstruation ganz normal sei, ein leicht erhötes CRP, das aber nicht ins Gewicht fiel. Und einen leicht erhöhten Clamydien Titer, der auf eine abgeschlossene Clamydieninfektion hin deutet, auch ein paar Abnutzungserscheinungen an der Wirbelsäule und den Gelenken, aber die haben wir ja alle, daher können die Schmerzen nicht kommen. Mit Fibromyalgie wussten die gar nichts anzufangen, dort nennt man es psychsomatisches Schmerzsyndrom. Es stimmt weder die Planung noch die Absprache unter den Ärzten, der eine weiß vom anderen nichts und auch bei den Medikamenten gab es etliche Fehler. Ich habe dann meine Medikamente genommen wie ich sie zu Hause auch nahm, habe meine Anwendungen gemacht und die Zeit abgesessen. Der Ort ist verdammt klein, wenn du was brauchst nimm es dir mit, dort bekommst du nur das allernotwendigste. Man kann sich dort wunderbar erholen, ich habe sehr viele Spaziergänge unternommen und die Ruhe genossen, würde aber wenn möglich ein Auto mitnehmen, damit du mal nach Schlangenbad oder Eltville fahren kannst. Wenn man auf den Bus angewiesen ist ist es schwierig. Die Zimmer sind OK, klein aber fein, alle mit Balkon und Dusche. Mit der Sauberkeit wird es nicht auf allen Stationen ernst genommen, je nachdem wer dort putzt, hat man einige Klagen gehört. Die Putzfrau die ich auf meiner Etage hatte war OK. Das Essen lässt sehr zu wünschen übrig, wenn du nicht schaust, dass du bei den Ersten bist, kann es passieren, das du dein Brot trocken essen must. Wenn morgens die Marmelade alle ist, dann sie eben alle und wenn du Anwendungen hast und erst später kommst gibts auch keinen Kaffee mehr. Freitags gibts nur Käse und du must essen was auf den Tisch kommt, keine Auswahlmöglichkeit. Die Portionen sind sehr mager, mir hat es zwar gereicht, aber die Männer sind oft hungrig rausgegangen.
Im Ort selbst gibt es einige kleine Lokale, sehr zu empfehlen, der russische Hof, dort gibt es leckere Windbeutel. Und das Schiffchen wie schon oben erwähnt, eine nette Umgebung und ein netter Wirt. Mir hat das gereicht, denn ich war ja hier um mich zu erholen und nicht um Feste zu feiern.
Kurzum alles was die Klinik betrifft, war es nicht toll, von den Ärzten darfst du nichts erwarten, alles junge Mädchen, die vermutlich noch im Praktikum sind, die dir Pläne aufstellen und eine Medikation, die dann von den Oberärzten oder der Chefärztin wieder verworfen werden. Man reist hier total auf der Psycho Schiene und du wirst behandelt wie ein Bekloppter. Meine Erwartungen an diese Reha wurden in keinster Weise erfüllt. Ich habe das Beste draus gemacht, die reden lassen und die Zeit dort genossen und genutzt um mich zu erholen und abzuschalten.
Ich wurde arbeitsfähig entlassen. Ich wusste nicht, wie ich das machen sollte, hatte dann aber nach der Reha noch 3 Wochen Urlaub und hier zu Hause eine Schmerztherapeutin gefunden, die mir half. Seit Anfang November nehme ich Cortison und bin seitdem wie ein neuer Mensch. Mein Körper gehört wieder zu mir und ist nicht nur ein schmerzender Klumpen den ich mit mir rumschleppen muss. Ich kann das Leben wieder geniesen, habe wieder Lust daran was zu unternehmen und bekomme so langsam aber sicher mein Leben wieder in den Griff. Die Schmerzen sind zwar immer noch da, aber nicht mehr so intensiv, aber mein übriges Befinden hat sich um 180 Grad gedreht. Auch wenn ich keine Entzündungswerte im Blut habe bin ich sicher, dass es sich nicht nur um Fibro handelt, sondern dass da noch was anderes ist. Ich habe zwar keine Diagnose, aber was gefunden was mir hilft. Auch ohne die Ärzte in Schlangenbad.
Dies liest sich jetzt alles schlimm, aber dies war leider meine Erfahrung dort, und nicht nur ich habe die gemacht, man hat dort nur geschimpft.
Wenn du dorthin musst, erwarte nichts, nutze die Zeit um auszuspannen und zur Erholung. Lass die Ärzte reden und denke dir deinen Teil, nimm die Medikamente so wie sie dir zu Hause geholfen haben. Die stellen die Leute gern ruhig und dosieren recht hoch. Auch sind sie im Umstellen auf andere Medikamente sehr schnell, egal ob du gut eingestellt bist oder nicht. Übrigens hatte ich mich bevor ich dort war schon tiefenpsychologisch behandeln lassen, dort bescheinigte man mir, dann nach der Reha, dass ich keinerlei nicht verarbeitete Kindheitstraumen habe und dies mit Sicherheit nicht der Auslöser meiner Schmerzen sei, auch gibt es keinen unverarbeiteten Schmerzfaktor.
Also lass dich nicht abstempel und wehre dich. Überprüfe deinen Plan, gleich am Anfang, dass du die ärztlich verordneten Anwendungen auch wirklich bekommst und dass du sie so bekommst wie sie auch verordnet sind. Mich wies leider erst in der letzten Woche ein Therapeut darauf hin, dass ich die verordneten Anwendungen gar nicht bekommen würde, da vielweniger eingeplant sind. Wenn ich nach der Verordnung gehe fehlten mir 2 Massagen, 5 Perlbäder, 5 Moorpackungen, 5 mal Gymnastik, die Schmerztherapie wurde auf die letzte Woche gelegt, von den insgesamt 5 Sitzungen die jeweils 2 Stunden dauern sollten hatte ich nur 4 und auch da gab es Ausfälle. Zum Nichtrauchertraining hatte ich mich angemeldet, aber auch das hatte man nur auf die letzte Woche gelegt, 2 mal fiel es dann wegen der Visite aus und dann hatte ich es einmal am letzten Tag, das hätte ich mir dann auch sparen können meinte die Psychologin, da auch hier mindestens 5 Sitzungen erforderlich sind, eher mehr.
Leg dir am besten gleich zu Anfang eine Strichliste an, und überprüfe ob alles stimmt, wenn nicht beschwere dich und lasse es ändern. Die einzelnen Gruppen sind überfüllt, es werden da mehr Leute eingeplant als als vin der BFA vorgegeben, auch hier wurden wir von den Therapeuten darauf aufmeksam gemacht.
Solltest du in die Kältekammer müssen, ist das auch schwierig, es gibt dort sehr knappe Öffnungszeiten und Wärmebehandlungen dürfen 11/2 Stunden vorher und hinterher nicht gemacht werden. Auch vom thermalbad besorge dir die Öffnungszeiten für Patienten. Schrieb dir gleich zu Anfang einen eigenen Plan in den du dir einträgst wie du die Kältekammer und das Thermalbad in deinem Plan unterbringen kannst. Wenn dir Anwendungen durch eingeplante Visisten (diese werden kurzfristig angesetzt) ausfallen, sorge dafür, dass du sie nachholen kannst. Wenn Visisten eingeplant sind so sind da immer bis zu 8 Patienten zur gleichen Zeit eingeplant und es kann vorkommen, dass du stundenlang wartest.
So nun weist du was ich dort erlebt habe, lass dich aber nicht abschrecken, vielleicht läuft es ja bei dir ganz anders und wie gesagt, setze keine Erwartungen in diese Kur. Nimm es wie es kommt und mach das Beste draus geniese die Ruhe und tanke Kraft.
Liebe Grüße
Heike