Vielleicht CRMO?
Hallo Yasbel,
ich bin auch neu hier und habe beim Stöbern eben deinen Beitrag entdeckt.
Ich selbst hatte in meiner Kindheit eine CRMO an beiden Unterkiefern. CRMO steht für Chronisch rekurrierende multifokale Osteomyelitis (sprich: Knochenmarksentzündung). Sie gehört zum Rheumatischen Formenkreis und es handelt sich um eine Autoimmunreaktion. Typisch für die CRMO ist, dass sie mehrere Knochen gleichzeitig, abwechselnd oder nacheinander befällt (deshalb multifokal). Die CRMO an sich ist schon extreeeeeem selten (ca. 400 Kinder in Deutschland). Davon haben die meisten Kinder Entzündungen an Beinen, Armen, in der Wirbelsäule, im Brust- oder im Schlüsselbein. Aber theoretisch kann jeder Knochen befallen werden und der Befall des Unterkiefers ist eine der selteneren Formen. Aber in dem Fall ist es wohl typisch, dass es nur beide Unterkiefer betrifft und andere Herde entweder gar nicht vorkommen oder stumm sind (das heißt, man würde sie in einer Skellettszintigrafie sehen, aber spürt keine oder kaum Schmerzen).
Wie sind denn die Schmerzen bei deiner Tochter? Bleiben sie ständig oder hören sie zwischendurch wieder auf? Bei mir hat es damals mit 7 Jahren angefangen. Die Schmerzen waren in beiden Kiefern, aber sie gingen zwischendurch wieder weg. Ein Schub dauerte in etwa 14 Tage, danach hatte ich einen Monat lang komplett Ruhe, als wäre nie etwas gewesen. Auch die Schwellung ging wieder weg. Mit dem nächsten Schub kam dann allerdings alles wieder zurück: Die Wangen sind extrem angeschwollen und ich hatte grausige Schmerzen. Meistens war das abwechselnd: Es begann also auf der einen Seite, wurde dort dann langsam besser, aber noch bevor es weg war, fing es auf der anderen Seite an. Erst, wenn es dort wieder abgeklungen ist, war der Schub beendet. Bis zum nächsten Mal.
Bei mir fing das 1986 an. Damals war die Diagnose CRMO noch sooo neu, dass sie quasi niemand kannte und es hat bei mir 13 Jahre gedauert, ehe es 1999 diagnostiziert wurde.
Heute sieht die Lage weitaus besser aus. Inzwischen gibt es sogar wirksame Behandlungsmethoden. Und die gute Botschaft: Eine CRMO ist selbstlimitierend. Das heißt, sie würde sogar ohne Behandlung irgendwann wieder aufhören. Aber MIT Behandlung um so schneller
Ob es das bei deiner Tochter sein könnte, kann ich so aus der Ferne natürlich nicht sagen. Entscheidend ist die Frage, ob es zwischendurch wieder weg geht bzw. ob es von einer Seite zur anderen wandert (typisch für CRMO).
Aber ich wollte die CRMO auf jeden Fall mal ins Rennen werfen, weil darauf leider die wenigsten Ärzte von allein kommen. Mich haben damals immer alle so angeschaut:

Die CRMO hinterlässt aber auf jeden Fall auch Veränderungen am Knochen, und je nachdem, ob eine Aufnahme während eines Schubes oder dazwischen gemacht wird, sieht es sehr schlimm oder weniger schlimm aus.
Wenn der Verlauf bei deiner Tochter ähnlich ist und eure Ärzte nicht weiterwissen, solltest du sie unbedingt auf CRMO ansprechen und dich ggf. zu einem Spezialisten überweisen lassen. Mir haben sie damals an der Uniklinik Münster (Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie) weitergeholfen. Aber auch in München, Berlin und in weiteren Städten gibt es an den Unikliniken Ärzte, die darauf und auf andere rheumatische Erkrankungen bei Kindern spezialisiert sind.
Aber selbst, wenn das bei euch was anderes ist, was sich nicht wie CRMO verhält, würde ich an eurer Stelle unbedingt in eine Uniklinik gehen, die eine Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie hat. Oder eben in die Rheumatologie einer Uniklinik. Im Zweifelsfall beides "durchprobieren". An den Unikliniken sind sie auf dem neuesten Stand und kennen sich auch mit selteneren Erkrankungen aus. Dort gucken auch immer mehrere Ärzte, bis einer davon die richtige Lösung findet.
Mehrere Erfahrungsberichte über CRMO (momentan ganz hinten auch meinen) findest du in diesem Thread:
https://www.rheuma-online.de/forum/...okale-Osteomyelitis/page5?p=708353#post708353
Ich wünsche dir und deiner Tochter viel Glück beim Finden der richtigen Diagnose und der anschließenden Behandlung.
Herzliche Grüße
Daniela