chemolocken
Aus irgendeinem Grund, (über den ich lieber nicht nachdenke ^^) machen in unserer Gegend viele Leute eine Chemoptherapie. Mein Friseur ist daher ungewöhnlich fit auf diesem Gebiet. Also erzähl ich mal, was er mir gesagt hat: Chemolocken sind ein häufiges Phänomen. Wer, wie wir, eine niedrig dosierte, aber dafür permanente Chemo mit MTX macht, wird das in der Regel auch nicht wieder los. Eine Dauerwelle unterdiesen Umständen ist immer ein Risiko, weil die chemische Haarumformung sich unter Umständen mit den "eingebauten" Locken nicht verträgt, es kann dabei zu einer Art Interferenz bzw. Schwingungskatastrophe kommen und dann sind die Haare nicht wellig, sondern sehen irgendwie verbogen und zerkenittert aus. Was anderes ist eine chemische Haarglättung, wie sie Afrika-Friseure anbieten. Das kann klappen, aber er rät davon ab, weil sie sehr strapaziös ist für das ohnehin schon geschädigte Haar. Außerdem sieht man bei geglättetem Haar noch viel mehr, dass das Volumen zurückgegangen ist, das Haar ist zwar glatt, aber dünn. Das ist Geschmackssache.
Ich habe mittlerweile den ganze Kopf voller Engelslöckchen. Gottseidank bin ich wenigstens nicht blond, das würde mit meinen fast sechzig Jahren denn doch zu lächerlich aussehen. Ich hab mich auch lange gewehrt, habe mit Haarglättungsshampoos, Glättteisen und Föhnen meinem Haar zugesetzt. Schöner ist es dadurch nicht geworden, es ging viel Zeit drauf und bei hoher Luftfeuchtigkeit war die ganze Prozedur nach 30 Sekunden rückgängig gemacht. Der Friseur hat mir Mut gemacht, den Dingen jetzt mal ihren Lauf zu lassen. Ich trage sie kinnlang (in Wirklichkeit ist das fast schulterlang, aber die Locken schnurren halt zusammen) und lasse sie lufttrocknen. Damit die Locken nicht frizzy aussehen, benutze ich ein Antifrizz-Spray und zum Fixieren Sprühgel. Der Vorteil ist, dass man nicht merkt, wieviel Haare ich verloren habe, es sieht nach einer ziemlichen Matte aus. Ich finde glattes Haar immer noch eleganter, aber was nicht ist, ist nicht. Dafür kann ich jetzt bei den Klamotten etwas experimentierfreudiger sein. Ich gönne mir endlich Hippieblusen und Maxikleider, in meiner Jugend, als sie das erste Mal modern waren, durfte ich sowas nicht tragen. Oder ich spiele ein bisschen mit 20er-Jahre-Styles herum, das passt wunderbar zu so einem Lockenkopf. Ich lockere alles mit einem Afrokamm ein bisschen auf, dann plustert es sich ganz hübsch. Eigentlich gefalle ich mir ganz gut mit der wilden Frisur. Und da ich ja eh nicht mehr arbeiten darf (in einem Beruf, wo so eine Frisur mal überhaupt nicht gegangen wäre) ist das für mich ein äußeres Zeichen dafür, dass ich mit meinem Rentnerdasein ins Reine gekommen bin und beginne, die schönen Seiten daran zu entdecken.