Der Konsument
Leider musste ich feststellen, dass der von Adi genannte Artikel fehlerhaft ist. Was ein wenig ärgerlich ist, da die Informationen jedem (Pubmed, Medline) frei zugänglich sind.
Infrarotkabinen sind eine Form der Wärmeanwendung, wie auch die finnische Sauna. Die Wärmeregulationsmechanismen, die die einzelnen Anwendungen auslösen, sind allerdings recht unterschiedlich.
Eine finnische Sauna - richtig benutzt - führt nicht zu einer "Durchwärmung". Hierzu kann man die Arbeiten von Shoenfeld, Sohar, Leppäluoto, Kauppinen, Houdas etc. etc. selbst studieren. Die meisten Publikationen dazu stammen aus den 70er und 80er Jahren... (heute würde keine Ethikkommission derartige Untersuchungen erlauben

).
Ganz anders läuft die Geschichte, wenn ich Wärme zuführe, während der Körper in thermisch neutraler Umgebung sitzt. Auch hierzu gibt es zahlreiche Arbeiten - auch aus dem Bereich der Raumfahrtmedizin (die haben dort wegen der Schwerelosigkeit Probleme mit der Wärmeregulation). Allerdings ist diese Indifferenztemperatur von Mensch zu Mensch recht unterschiedlich (unbekleidet zwischen 28°C - 36°C Lufttemperatur). Darauf muss man achten, denn wird die individuelle Indiff nicht erreicht, dann ist es auf der Haut unter Umständen tatsächlich zu kalt.
Aber: mit Tumortherapie hat das NICHTS zu tun. Bei der begleitenden Hyperthermie (Tumortherapie) geht es darum, im Körper (z.B. Metastasierung) oder im Tumor (noch abgegrenzter, einzelner Tumor) Temperaturen von über 39°C über Stunden aufrecht zu erhalten. Das ist Intensivmedizin - und man verwendet Radiowellen für Tumoren in der Tiefe (IR-dringt nicht in die Tiefe ein) oder WASSERGEFILTERTE IR-Strahlung, um den ganzen Körper zu überhitzen (Issels et al, Reparsky et al, Bull et al.)
Kurzum: es geht um die Temperatur und nicht darum wie man sie erzeugt.
Wärme wird seit Jahrtausenden in der Medizin zur Linderung verschiedenster Beschwerden eingesetzt. Das von einigen Infrarotkabinenherstellern angepriesene "Therapie-Spektrum" ist natürlich unseriös und in dieser Breite unbewiesen. Aber, Infrarotkabinen sind - unabhängig vom Konzept (Niedertemperatur oder Infrarotwärmekabine) eine Form der Wärmeanwendung, und auch hierzu finden sich in der Medline zahlreiche klinische Studien... In den Leitlinien zur Behandlung verschiedener rheumatischer Erkrankungen wird die milde Überwärmung sogar ausdrücklich empfohlen. Und nochmal: die Erzeugung künstlichen Fiebers (über 38°C) muss der ärztlichen Kontrolle vorbehalten bleiben.
Ärgerlich ist auch, dass die in der EU derzeit diskutierten Grenzwerte (70 mW / qcm Haut und unter 10 mW/qcm Auge) nicht diskutiert werden. Ob jemand einen Strahler als zu heiß empfindet, kann nicht die Maßgabe sein. Viele Menschen nehmen Schmerzmittel ein oder leiden unter Polyneuropathie und haben daher eine eingeschränkte Sensibilität der Haut.
Ob das persönliche Empfinden des Kollegen Maruna maßgeblich ist, wie eine Wärmeanwendung aussehen soll, kann offenbleiben. Wichtig ist in jedem Fall, dass man Kabinen selbst ausprobiert - bevor man sie kauft - und ggf. mit seinem behandelnden Arzt Rücksprache hält. Ein seriöser Hersteller wird jederzeit gerne die Belastungsdaten und Publikationen dem Arzt als Entscheidungshilfe zur Verfügung stellen.
Zuletzt darf ich noch anmerken, dass ich persönlich den Konsumenten eingeladen habe - in Absprache mit dem zuständigen Herrn bei "Austrian Standards" - an den Sitzungen der Arbeitsgruppe zur Infrarotkabinennorm teilzunehmen.
Leider ohne Erfolg!