@Magenta, Barbarella
Hallo Magenta,hallo Barbarella,
es ist wohl in der Tat nicht einfach mit einem Menschen zusammenzuleben, der chronisch Schmerzen hat, mal mehr, mal weniger.
Mein Mann hatte das gleiche Problem, denn er hat mich gesund kennengelernt. Da meine cP sehr aggressiv verläuft, hat mein Mann sehr viel Rücksicht genommen und seine eigenen Bedürfnisse hinten angestellt.
Ich denke, nach meiner Berentung führten wir eine Ehe zu dritt: mein Mann, ich und die cP

Tja, eine sehr ungesunde Konstellation und so etwas geht nicht lange gut, wie wir selbst erfahren mussten.
Ich lernte mit meiner Erkrankung anders umzugehen, sie war irgendwann nicht mehr Mittelpunkt unserers Lebens. Ich bin krank, wenn ich etwas nicht kann sage ich es und wenn ich zu etwas Lust habe sage ich es auch.
Wenn wir wegfahren wollen und es nun wirklich nicht geht, dann ist es aber kein Problem, sondern wir verändern kurz unsere Planung. Dies kommt aber mittlerweile seltener vor.
Ich habe meinen Mann ermutigt, nicht mehr soviel Rücksicht auf mich zu nehmen. ER ist auch noch da (und auch krank, Diabetes) und er soll immer für sich überprüfen, worauf er Lust hat oder nicht. Heute besitze ich die Fähigkeit mich entsprechend darauf einzustellen.
Mein Mann lebt heute so wie früher, nein noch freier als zu Beginn meiner Erkrankung. Ich ermuntere ihn immer wieder auch SEIN Ding durchzuziehen. Übertriebene Rücksicht und Fürsorge ist m.E. der Tod jeder Beziehung.
Nun, ich gehe sogar soweit zu sagen, daß wir heute genauso leben wie jedes gesunde Paar. Jedes Paar hat seine Handicaps oder Begrenzung, in unserem Fall ist es halt meine cP, nicht mehr.
Unsere Erkrankung sind auch kein großes Gesprächsthema. Wenn mein Göga unterzuckert, dann bringe ich ihm zu essen und trinken, bleibe bei ihm, bis es wieder ok ist und wenn ich mal wieder eine Flasche nicht aufbekomme, dann geb ich sie ihm und er öffnet sie.
Wenn ich die Wäsche nicht aufhängen kann, sage ich es ihm und brauche keine großen Erklärungen liefern.
Findet mein Mann mich nachmittags auf der Couch, mit Wärmeflasche und Decke weiß er, daß es mir nicht gut geht. Er fragt kurz nach und bereitet dann das Essen vor.
Dies hat nichts damit zu tun, daß wir etwas "totschweigen" oder ignorieren wollen, wir akzeptieren wie es ist, brauchen aber keine großen Worte dafür.
Letztlich muß jedes Paar schauen, wie es am besten mit Erkrankungen umgeht. Der eine möchte viel reden, der andere mehr schweigen. Wenn der Partner damit klarkommt ist es ok, wenn es jedoch einseitig ist, wird dies auf Dauer die Beziehung belasten.
Original geschrieben von Magenta
P.S. Was mir noch ein- bzw. auffällt: Hier lese ich häufig Postings von Partnerinnen von Rheumakranken. Wo aber sind die Partner der weiblichen Rheumis? Gehen Männer anders mit den Erkrankungen ihres Partners um als Frauen? Haben sie nicht so sehr das Bedürfnis sich hier auszutauschen, ihre Probleme mitzuteilen? Stimmt das alte Vorurteil, daß Frauen mit einem kranken Mann eher zurechtkommen (bzw. dazu bereit sind eine Partnerschaft mit einem Kranken einzugehen), als umgekehrt? (Bitte nicht hauen...
)
Magenta, es liegt wohl daran, daß die "Herren der Schöpfung" (leider) nicht zwangsläufig die Herren der großen worte sind
Häufig ist es so, daß die Männer Erkrankungen eher verschweigen oder herunterspielen - bis auf das Schnüpfchen, welches jeden Mann wohl fast umbringt

.
Mein Göga ist damals mit zur Selbsthilfegruppe gegangen und hat dort als erster Mann den Weg für weitere männliche Ehepartner geschaffen. Damals hat er sich ausgetauscht, hat festgestellt, daß es wirklich so ist wie es ist. Nein, ich erzähle nicht nur, daß ich nicht laufen kann, es scheint wohl WIRKLICH so zu sein....
Heute braucht er es nicht mehr. Wenn es sich - wie in Tirol - ergibt, dann redet er darüber, aber er wüsste auch nicht, was er im Chat fragen sollte *g*
Das liegt aber sicher daran, daß ich nun schon 11 Jahre krank und fast 8 Jahre in Rente bin. Wir haben eine gute Entwicklung hinter uns und ich gebe ihm immer wieder die Sicherheit, daß ich schon sage, wenn ich etwas brauche. Ich habe gelernt für MICH zu sorgen, was wiederum dem Partner die Sicherheit gibt, daß ER NICHT für mich sorgen muß. Ich gehe m.E. sehr verantworlich und sehr fürsorglich mit mir um (zumindest meistens

)und brauche dafür keinen Partner.
Mein Mann ist für mich da, ich bin für ihn da,....so wie jeder Partner für den anderen da sein soll...und so wie es bei einer liebevollen Partnerschaft sein soll.
Ich bin krank und sicher auch tlw. körperbehindert und??? Ich bin genauso wertvoll wie jeder andere Mensch und mein Leben besteht - zum Glück!! - nicht nur aus Krankheit. Ich bin sogar der Meinung, daß mein Mann durch mich viele Dinge im Leben anders sieht, positiver sieht und intensiver fühlt und lebt.
Kranksein ist nicht schön, gewiss nicht, aber es bietet eine Chance, die man sehen und ergreifen sollte.
Viele Grüße
Sabinerin