liebelein
Carpe Diem.....
Fortsetzung von Ingas Beitrag...
inga hat ja lieberweise schonmal einen teil der info hier in ihrem beitrag eingestellt.
mir war aber wichtig, das mal alles an info hierhin kommt und so jetzt mal die vollständige von ihr selber zusammengestellte übersicht zu allen wichtigen dingen in kurzform
danke inga...
)
Was ist Hämochromatose?
Die hereditäre=angeborene Hämochromatose wird auch Eisenspeicherkrankheit genannt. Diese angeborene Stoffwechselstörung ist die häufigste Erbkrankheit hierzulande (1:400 in der mitteleuropäischen Bevölkerung, d.h. es betrifft mindestens 1 von 400 Personen!).
Bei dieser Erkrankung ist die Aufnahme von Eisen aus der Nahrung und dessen Speicherung im Körper ist gestört:
Überflüssiges Eisen wird normalerweise vom Körper wieder ausgeschieden,
bei der Hämochromatose fehlt dem Körper jedoch durch ein fehlerhaftes Gen von Geburt an die Fähigkeit, das überflüssige Eisen wieder abzugeben. Dies führt auf Dauer zu einer zunehmenden Eisenüberladung.
Symptome
Das unkontrolliert aufgenommene Eisen lagert sich u.a. in Gelenken, Leber, Herzmuskel, Bauchspeicheldrüse, Hirnanhangsdrüse und Haut ab und verursacht dort teils erhebliche Schäden .
Als Frühzeichen der Erkrankung können neben unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit und Leistungsschwäche die für Hämochromatose charakteristische Gelenkbeschwerden in Form von schmerzhaften Schwellungen und Auftreibungen der Grund-und Mittelgelenke des Zeige-und Mittelfingers auftreten. (
Bitte an die Rheumatologen: vergeßt bei einem solchen Befallsmuster die Hämochromatose nicht als mögliche Ursache!!)
Wann treten erste Symptome auf?
Bei Männern manifestieren sich klinische Symptome meist zwischen
dem 20.und 40.Lebensjahr, bei Frauen oft erst nach der Menopause;
Blutverluste wie Menstruation und Schwangerschaften bieten einen gewissen Schutz.
Frühsymptome einer Eisenüberladung wie erste Gelenkprobleme können bei Frauen in Einzelfällen jedoch schon vor der Menopause und bei geringer Eisenüberladung auftreten.
Genetik/ Erbgang
Bei den weitaus meisten Hämochromatosepatienten in Mitteleuropa findet sich
auf dem Chromosom 6 eine Mutation im Bereich des sog. HFE-Gens an Position 282 .
(c282y -Mutation)
Die Hämochromatose wird in autosomal-rezessivem Erbgang vererbt.
(autosomal =der Gendefekt liegt nicht auf einem Geschlechtschromosom,
rezessiv = der Gendefekt muß reinerbig also von Vater und Mutter geerbt werden, damit die genetische Disposition für Hämochromatose vorliegt.)
Meist sind die Eltern jeweils heterozygot für die Mutation,also selber nicht erkrankt.
Das betroffene "homozygote" Kind hat dann von beiden Elternteilen je ein defektes Gen geerbt.
Diagnose / Wie wird Hämochromatose festgestellt?
Zur Diagnosestellung werden neben dem Serumeisen die Laborparameter Ferritin und Transferrinsättigung gemessen.
Liegen diese Werte über der Norm, bringt der Hämochromatose-Gentest in rund 85 % der Hämochromatoseverdachtsfälle die sichere Diagnose.
Meist ist die sogenannte C282Y Mutation homozygot nachweisbar, seltener eine sog. Compound-Heterozygotie für C282Y +H63D Mutation (kombiniert Heterozygot).
Selten kann auch eine einfache Heterozygotie oder eine Homozygotie für die H63 Mutation zu einer wenn auch geringen Eisenüberladung führen z.B. bei eisenreicher Ernährung oder durch weitere noch unklare Zusammenhänge/ Mutationen
Der Ferritinwert kann bei jüngeren Menschen mit Hämochromatose-Mutation insbesondere bei Frauen noch recht unauffällig sein!
Verdacht auf Hämochromatose wenn
Serumeisen: >170µg/l (>31µMol/l)
Serumferritin: >150µg/l Frauen
>200µg/l Männer
Transferrinsättigung: >50% Frauen
>60% Männer
(Die Normwerte können je nach verwendeter Messmethode der Labore unterschiedlich ausfallen, also immer auch auf die Angabe des Normbereichs des jeweiligen Labors achten)
Der Gentest ersetzt heute die früher zur Diagnosestellung durchgeführte Leberbiopsie.
Eine Leberbiopsie ist nur noch bei negativem Gentestergebnis, bei sehr hohen Ferritinwerten(Ferritin> 1000µg/l) oder Hinweisen auf einen Leberschaden nötig.
für den Arzt wichtig: Der Gentest belastet das Laborbudget nicht!
Wer soll getestet werden?
Bei positivem Testergebnis eines Patienten sollten zumindest die Verwandten ersten Grades auf Hämochromatose untersucht werden.
Häufig scheuen die Verwandten zunächst eine Testung. Hier kann der Hämochromatosepatient seine Familienmitglieder aufklären, daß es nur Vorteile bringt, zu wissen, ob man die Mutation hat.
Rechtzeitiges Erkennen der Mutation vor Beginn einer Eisenüberladung verhindert die Erkrankung!. Somit ist nur die genetische Disposition für die Erkrankung Hämochromatose gegeben, erkranken wird man bei regelmäßig durchgeführten Aderlässen aber nicht.
Sollte sich nach Gentest Hämochromatose bei einem Familienmitglied als Grunderkrankung für seine bestehenden gesundheitlichen Probleme herausstellen, ist es umso wichtiger ,daß die Aderlaßtherapie begonnen wird. -besser spät als nie, ein Zuviel an Eisen ist Gift für den Körper. Wieso also nicht dieses Gift entfernen?
Psychologisch wichtig ist vielleicht, daß die Hämochromatose-Mutation in der Evolutionsgeschichte durchaus einen Vorteil bot bei eisenarmer Nahrung, vielen Geburten und häufigem Blutverlust durch Verletzungen.
Menschen mit der Hämochromatose-Mutation leben so gesehen heutzutage nur in unpassenden Verhältnissen...
Therapie/ Aderlässe
Die Frühdiagnose ist von entscheidender Bedeutung, da durch die wirksame Therapie in Form von Aderlässen sämtliche Spätschäden vermieden werden können und bei rechtzeitigem kontinuierlichem Eisenentzug Lebenserwartung und Lebensqualität nicht beeinträchtigt sind.
Die Aderlässe werden meist in Wochenabstand in individuell angepaßter Aderlaßmenge bis zur Entleerung der Eisenspeicher durchgeführt- bis das Ferritin mindestens unter 50µg/l liegt.
Für Hämochromatose-Patienten genügt es nicht, das Ferritin nur bis zum Erreichen des oberen Normbereichs zu senken! Laut Stand der heutigen Forschung soll bei Hämochromatose-Patienten der Ferritinwert immer zwischen 20 -50µg/l liegen.( die Transferrinsättigung idealerweise < 35% , wobei der entscheidende Wert für einen erneuten Aderlaß immer das Ferritin ist.)
Die ungefähre Faustregel für die jeweilige Aderlaßmenge ist 5-7 ml/kg Körpergewicht, für eine zierliche Frau kann die übliche Abnahmemenge von 500ml bereits zu hoch sein.
Lebenslang durchgeführte regelmäßige Aderlässe in größeren zeitlichen Intervallen erhalten die ausgeglichene Körpereisenbilanz (individuell verschieden ca.4-12 mal pro Jahr).
Die Aderlaßtherapie ist im allgemeinen gut verträglich, Müdigkeit und Kreislaufschwäche mit Schwindel können auftreten, dann kann die jeweilige Aderlaßmenge bzw. Häufigkeit gesenkt werden.
Nur wenn Aderlässe aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich sind, kommt als weitaus schlechtere Alternative als medikamentöse Therapie ein Eisenchelatbildner zum Einsatz.(Desferoxamin)
Leider sind Hämochromatose-Patienten auch nach erfolgter Entleerung der Eisenspeicher mittels Aderlässe hierzulande im Gegensatz zu zahlreichen anderen Ländern bislang noch nicht zur Blutspende zugelassen.
Viele Symptome verbessern sich unter der Aderlaßtherapie, manche verschwinden sogar gänzlich. Die Gelenkbeschwerden bleiben trotz Aderlässe meist bestehen, können sich weiter verschlimmern und im Laufe der Zeit einen Gelenkersatz nötig machen.
Weitere Formen der Hämochromatose
Es gibt Formen der Hämochromatose bedingt durch weitere Genmutationen (auf HFE2 Gen, TFR2 Gen, SLC40A1 Gen etc., )die durch den gängigen Gentest nicht erfaßt werden sowie sekundäre = erworbene Hämochromatose bei seltenen Blutbildungsstörungen (Thalassämie, sideroblastische Anämie u.a.).
Häufige Bluttransfusionen können ebenfalls eine Eisenüberladung verursachen.
Auffallend häufig ist die hereditäre(erbliche) Hämochromatose bei Patienten, die unter der Hauterkrankung Porphyria cutanea tarda leiden.
Auch bei Zöliakie scheint Hämochromatose gehäuft aufzutreten, was die Diagnose für die Ärzte erschwert: Zöliakie verursacht Eisenmangel. Zöliakiepatienten mit unentdeckter Hämochromatosemutation weisen daher anfänglich meist einen "erfreulich" normalen Eisenspiegel auf.
Sonstiges
Abschließend ist anzumerken, daß nicht alle homozygot von der Mutation betroffenenen Menschen tatsächlich erkranken. Warum das so ist, ist unklar.
Hämochromatose als häufigster Erbkrankheit in Mitteleuropa wird von der Medizinwelt leider immer noch viel zu wenig Beachtung geschenkt.
Jeder Facharzt (Diabetologe,Endokrinologe ,Kardiologe,Rheumatologe etc.) sollte in seinem Fachgebiet bei der Diagnosestellung Hämochromatose unbedingt als mögliche Ursache von Symptomen berücksichtigen. Oft vergehen beim Patienten wertvolle Jahre, bis Hämochromatose oft nur durch Zufall als Grunderkrankung erkannt wird.
In jedem Blutbild sollte daher auch die Transferrinsättigung miterstellt werden, ein Massenscreening ist anzuraten.
Es bleibt abzuwarten, inwieweit sich die Forschung dieser Erkrankung annehmen wird, um die vielen noch unklaren Zusammenhänge insbesondere auch auf dem Gebiet der Hämochromatose-Arthropathie zu ergründen.
Auflistung der Symptome
Frühzeichen
erhöhte Eisenwerte,evtl. leicht erhöhte Leberparameter im Blutbild
unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Leistungsschwäche,Gereiztheit
diffuse belastungsabhängige Gelenkbeschwerden, Gelenkveränderungen an den Fingern in Form von schmerzhaften und berührungsempfindlichen Auftreibungen an Grund-und Mittelgelenken insbesondere des 2.und 3. Fingers
diffuse Leibschmerzen,
Weitere Symptome und Folgeschäden
Leberschäden (Hepatomegalie,Leberzirrhose,Leberzellkarzinom)
Herzprobleme (Kardiomyopathie,Herzrhythmusstörungen)
Diabetes
Hautveränderungen (unregelmäßige Pigmentierung, aschgrauer Farbton oder im Spätstadium Bronzefärbung der Haut, Bronzediabetes )
Gelenkveränderungen wie bei Arthrose
fibromyalgieartige Symptome
Störungen der Geschlechtsfunktion (nachlassende Libido, Impotenz, schwache oder verkürzte, später ganz ausbleibende Monatsblutung)
psychiatrische Symptome ( u.a.depressive Verstimmung bis hin zu Depression )
Hämochromatose-Arthropathie
Bei rund 64% der Hämochromatosepatienten sind die Gelenke betroffen(1)
Der Gelenkbefall ist eher degenerativer als entzündlicher Art gleich einer Arthrose
In Ausnahmefällen jedoch findet sich ein entzündlicher Verlauf ähnlich einer chronischen Polyarthritis.
Gelenk-,Sehnen -und Muskelbeschwerden
-betroffene Gelenke:Fingergelenke, Handgelenke, Hüfte,Knie,Sprungelenk,Ellenbogen etc.
(sehr häufig: Arthropathie der kleinen Fingergelenke insbesondere des 2. und 3. Fingers, weitere häufig betroffene Gelenke sind Hüfte und Knie)
-chronische Gelenkschmerzen und Gelenkveränderungen ähnlich einer degenerativen Gelenkerkrankung(Arthrose)
-Kalkgicht (CPPD-Arthropathie)
Pseudogicht
-Sehnenscheidenenzündungen
Therapie der Gelenkbeschwerden
Behandelt werden die Gelenkbeschwerden der Hämochromatose mit cortisonfreien Entzündungshemmern, bei seltenem entzündlichem Erscheinungsbild ähnlich einer chronischen Polyarthritis ist eine langwirksame antirheumatische Therapie im Einzelfall zu erwägen. Physiotherapie und Ergotherapie bilden weitere Säulen der Therapie.
@all:fragt ruhig mal in eurer familie nach,ob es den ein oder anderen gibt mit erhöhten eisenwerten etc. oder aber ob jemand mal was davon gehört hat.
ich hab das dumpfe gefühl, das weitaus mehr betroffen sind,als wir nur erahnen..
...
in diesem sinne allen einen schönen erfreulichen sonntag.
liebi
inga hat ja lieberweise schonmal einen teil der info hier in ihrem beitrag eingestellt.
mir war aber wichtig, das mal alles an info hierhin kommt und so jetzt mal die vollständige von ihr selber zusammengestellte übersicht zu allen wichtigen dingen in kurzform
Die hereditäre=angeborene Hämochromatose wird auch Eisenspeicherkrankheit genannt. Diese angeborene Stoffwechselstörung ist die häufigste Erbkrankheit hierzulande (1:400 in der mitteleuropäischen Bevölkerung, d.h. es betrifft mindestens 1 von 400 Personen!).
Bei dieser Erkrankung ist die Aufnahme von Eisen aus der Nahrung und dessen Speicherung im Körper ist gestört:
Überflüssiges Eisen wird normalerweise vom Körper wieder ausgeschieden,
bei der Hämochromatose fehlt dem Körper jedoch durch ein fehlerhaftes Gen von Geburt an die Fähigkeit, das überflüssige Eisen wieder abzugeben. Dies führt auf Dauer zu einer zunehmenden Eisenüberladung.
Symptome
Das unkontrolliert aufgenommene Eisen lagert sich u.a. in Gelenken, Leber, Herzmuskel, Bauchspeicheldrüse, Hirnanhangsdrüse und Haut ab und verursacht dort teils erhebliche Schäden .
Als Frühzeichen der Erkrankung können neben unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit und Leistungsschwäche die für Hämochromatose charakteristische Gelenkbeschwerden in Form von schmerzhaften Schwellungen und Auftreibungen der Grund-und Mittelgelenke des Zeige-und Mittelfingers auftreten. (
Wann treten erste Symptome auf?
Bei Männern manifestieren sich klinische Symptome meist zwischen
dem 20.und 40.Lebensjahr, bei Frauen oft erst nach der Menopause;
Blutverluste wie Menstruation und Schwangerschaften bieten einen gewissen Schutz.
Frühsymptome einer Eisenüberladung wie erste Gelenkprobleme können bei Frauen in Einzelfällen jedoch schon vor der Menopause und bei geringer Eisenüberladung auftreten.
Genetik/ Erbgang
Bei den weitaus meisten Hämochromatosepatienten in Mitteleuropa findet sich
auf dem Chromosom 6 eine Mutation im Bereich des sog. HFE-Gens an Position 282 .
(c282y -Mutation)
Die Hämochromatose wird in autosomal-rezessivem Erbgang vererbt.
(autosomal =der Gendefekt liegt nicht auf einem Geschlechtschromosom,
rezessiv = der Gendefekt muß reinerbig also von Vater und Mutter geerbt werden, damit die genetische Disposition für Hämochromatose vorliegt.)
Meist sind die Eltern jeweils heterozygot für die Mutation,also selber nicht erkrankt.
Das betroffene "homozygote" Kind hat dann von beiden Elternteilen je ein defektes Gen geerbt.
Diagnose / Wie wird Hämochromatose festgestellt?
Zur Diagnosestellung werden neben dem Serumeisen die Laborparameter Ferritin und Transferrinsättigung gemessen.
Liegen diese Werte über der Norm, bringt der Hämochromatose-Gentest in rund 85 % der Hämochromatoseverdachtsfälle die sichere Diagnose.
Meist ist die sogenannte C282Y Mutation homozygot nachweisbar, seltener eine sog. Compound-Heterozygotie für C282Y +H63D Mutation (kombiniert Heterozygot).
Selten kann auch eine einfache Heterozygotie oder eine Homozygotie für die H63 Mutation zu einer wenn auch geringen Eisenüberladung führen z.B. bei eisenreicher Ernährung oder durch weitere noch unklare Zusammenhänge/ Mutationen
Der Ferritinwert kann bei jüngeren Menschen mit Hämochromatose-Mutation insbesondere bei Frauen noch recht unauffällig sein!
Verdacht auf Hämochromatose wenn
Serumeisen: >170µg/l (>31µMol/l)
Serumferritin: >150µg/l Frauen
>200µg/l Männer
Transferrinsättigung: >50% Frauen
>60% Männer
(Die Normwerte können je nach verwendeter Messmethode der Labore unterschiedlich ausfallen, also immer auch auf die Angabe des Normbereichs des jeweiligen Labors achten)
Der Gentest ersetzt heute die früher zur Diagnosestellung durchgeführte Leberbiopsie.
Eine Leberbiopsie ist nur noch bei negativem Gentestergebnis, bei sehr hohen Ferritinwerten(Ferritin> 1000µg/l) oder Hinweisen auf einen Leberschaden nötig.
Wer soll getestet werden?
Bei positivem Testergebnis eines Patienten sollten zumindest die Verwandten ersten Grades auf Hämochromatose untersucht werden.
Häufig scheuen die Verwandten zunächst eine Testung. Hier kann der Hämochromatosepatient seine Familienmitglieder aufklären, daß es nur Vorteile bringt, zu wissen, ob man die Mutation hat.
Rechtzeitiges Erkennen der Mutation vor Beginn einer Eisenüberladung verhindert die Erkrankung!. Somit ist nur die genetische Disposition für die Erkrankung Hämochromatose gegeben, erkranken wird man bei regelmäßig durchgeführten Aderlässen aber nicht.
Sollte sich nach Gentest Hämochromatose bei einem Familienmitglied als Grunderkrankung für seine bestehenden gesundheitlichen Probleme herausstellen, ist es umso wichtiger ,daß die Aderlaßtherapie begonnen wird. -besser spät als nie, ein Zuviel an Eisen ist Gift für den Körper. Wieso also nicht dieses Gift entfernen?
Psychologisch wichtig ist vielleicht, daß die Hämochromatose-Mutation in der Evolutionsgeschichte durchaus einen Vorteil bot bei eisenarmer Nahrung, vielen Geburten und häufigem Blutverlust durch Verletzungen.
Menschen mit der Hämochromatose-Mutation leben so gesehen heutzutage nur in unpassenden Verhältnissen...
Therapie/ Aderlässe
Die Frühdiagnose ist von entscheidender Bedeutung, da durch die wirksame Therapie in Form von Aderlässen sämtliche Spätschäden vermieden werden können und bei rechtzeitigem kontinuierlichem Eisenentzug Lebenserwartung und Lebensqualität nicht beeinträchtigt sind.
Die Aderlässe werden meist in Wochenabstand in individuell angepaßter Aderlaßmenge bis zur Entleerung der Eisenspeicher durchgeführt- bis das Ferritin mindestens unter 50µg/l liegt.
Für Hämochromatose-Patienten genügt es nicht, das Ferritin nur bis zum Erreichen des oberen Normbereichs zu senken! Laut Stand der heutigen Forschung soll bei Hämochromatose-Patienten der Ferritinwert immer zwischen 20 -50µg/l liegen.( die Transferrinsättigung idealerweise < 35% , wobei der entscheidende Wert für einen erneuten Aderlaß immer das Ferritin ist.)
Die ungefähre Faustregel für die jeweilige Aderlaßmenge ist 5-7 ml/kg Körpergewicht, für eine zierliche Frau kann die übliche Abnahmemenge von 500ml bereits zu hoch sein.
Lebenslang durchgeführte regelmäßige Aderlässe in größeren zeitlichen Intervallen erhalten die ausgeglichene Körpereisenbilanz (individuell verschieden ca.4-12 mal pro Jahr).
Die Aderlaßtherapie ist im allgemeinen gut verträglich, Müdigkeit und Kreislaufschwäche mit Schwindel können auftreten, dann kann die jeweilige Aderlaßmenge bzw. Häufigkeit gesenkt werden.
Nur wenn Aderlässe aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich sind, kommt als weitaus schlechtere Alternative als medikamentöse Therapie ein Eisenchelatbildner zum Einsatz.(Desferoxamin)
Leider sind Hämochromatose-Patienten auch nach erfolgter Entleerung der Eisenspeicher mittels Aderlässe hierzulande im Gegensatz zu zahlreichen anderen Ländern bislang noch nicht zur Blutspende zugelassen.
Viele Symptome verbessern sich unter der Aderlaßtherapie, manche verschwinden sogar gänzlich. Die Gelenkbeschwerden bleiben trotz Aderlässe meist bestehen, können sich weiter verschlimmern und im Laufe der Zeit einen Gelenkersatz nötig machen.
Weitere Formen der Hämochromatose
Es gibt Formen der Hämochromatose bedingt durch weitere Genmutationen (auf HFE2 Gen, TFR2 Gen, SLC40A1 Gen etc., )die durch den gängigen Gentest nicht erfaßt werden sowie sekundäre = erworbene Hämochromatose bei seltenen Blutbildungsstörungen (Thalassämie, sideroblastische Anämie u.a.).
Häufige Bluttransfusionen können ebenfalls eine Eisenüberladung verursachen.
Auffallend häufig ist die hereditäre(erbliche) Hämochromatose bei Patienten, die unter der Hauterkrankung Porphyria cutanea tarda leiden.
Auch bei Zöliakie scheint Hämochromatose gehäuft aufzutreten, was die Diagnose für die Ärzte erschwert: Zöliakie verursacht Eisenmangel. Zöliakiepatienten mit unentdeckter Hämochromatosemutation weisen daher anfänglich meist einen "erfreulich" normalen Eisenspiegel auf.
Sonstiges
Abschließend ist anzumerken, daß nicht alle homozygot von der Mutation betroffenenen Menschen tatsächlich erkranken. Warum das so ist, ist unklar.
Hämochromatose als häufigster Erbkrankheit in Mitteleuropa wird von der Medizinwelt leider immer noch viel zu wenig Beachtung geschenkt.
Jeder Facharzt (Diabetologe,Endokrinologe ,Kardiologe,Rheumatologe etc.) sollte in seinem Fachgebiet bei der Diagnosestellung Hämochromatose unbedingt als mögliche Ursache von Symptomen berücksichtigen. Oft vergehen beim Patienten wertvolle Jahre, bis Hämochromatose oft nur durch Zufall als Grunderkrankung erkannt wird.
In jedem Blutbild sollte daher auch die Transferrinsättigung miterstellt werden, ein Massenscreening ist anzuraten.
Es bleibt abzuwarten, inwieweit sich die Forschung dieser Erkrankung annehmen wird, um die vielen noch unklaren Zusammenhänge insbesondere auch auf dem Gebiet der Hämochromatose-Arthropathie zu ergründen.
Frühzeichen
erhöhte Eisenwerte,evtl. leicht erhöhte Leberparameter im Blutbild
unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Leistungsschwäche,Gereiztheit
diffuse belastungsabhängige Gelenkbeschwerden, Gelenkveränderungen an den Fingern in Form von schmerzhaften und berührungsempfindlichen Auftreibungen an Grund-und Mittelgelenken insbesondere des 2.und 3. Fingers
diffuse Leibschmerzen,
Weitere Symptome und Folgeschäden
Leberschäden (Hepatomegalie,Leberzirrhose,Leberzellkarzinom)
Herzprobleme (Kardiomyopathie,Herzrhythmusstörungen)
Diabetes
Hautveränderungen (unregelmäßige Pigmentierung, aschgrauer Farbton oder im Spätstadium Bronzefärbung der Haut, Bronzediabetes )
Gelenkveränderungen wie bei Arthrose
fibromyalgieartige Symptome
Störungen der Geschlechtsfunktion (nachlassende Libido, Impotenz, schwache oder verkürzte, später ganz ausbleibende Monatsblutung)
psychiatrische Symptome ( u.a.depressive Verstimmung bis hin zu Depression )
Bei rund 64% der Hämochromatosepatienten sind die Gelenke betroffen(1)
Der Gelenkbefall ist eher degenerativer als entzündlicher Art gleich einer Arthrose
In Ausnahmefällen jedoch findet sich ein entzündlicher Verlauf ähnlich einer chronischen Polyarthritis.
Gelenk-,Sehnen -und Muskelbeschwerden
-betroffene Gelenke:Fingergelenke, Handgelenke, Hüfte,Knie,Sprungelenk,Ellenbogen etc.
(sehr häufig: Arthropathie der kleinen Fingergelenke insbesondere des 2. und 3. Fingers, weitere häufig betroffene Gelenke sind Hüfte und Knie)
-chronische Gelenkschmerzen und Gelenkveränderungen ähnlich einer degenerativen Gelenkerkrankung(Arthrose)
-Kalkgicht (CPPD-Arthropathie)
Pseudogicht
-Sehnenscheidenenzündungen
Therapie der Gelenkbeschwerden
Behandelt werden die Gelenkbeschwerden der Hämochromatose mit cortisonfreien Entzündungshemmern, bei seltenem entzündlichem Erscheinungsbild ähnlich einer chronischen Polyarthritis ist eine langwirksame antirheumatische Therapie im Einzelfall zu erwägen. Physiotherapie und Ergotherapie bilden weitere Säulen der Therapie.
@all:fragt ruhig mal in eurer familie nach,ob es den ein oder anderen gibt mit erhöhten eisenwerten etc. oder aber ob jemand mal was davon gehört hat.
ich hab das dumpfe gefühl, das weitaus mehr betroffen sind,als wir nur erahnen..
...in diesem sinne allen einen schönen erfreulichen sonntag.
liebi


