Schulmedin kontra Naturmedizin?
Naturarzt und Anthrophosophische Heilkunst sind himmelweite Unterschiede. Es geht um Karma, Planetensphären, Engelhierarchie... nicht darum in diesem Leben glücklich und arbeitsfähig zu werden. Ein Arzt, der das behauptet, ist kein Anthroposoph. Darum sagen sie lieber nix.
Hallo Mariha,
in deiner Region kann ich dir jetzt keinen Arzt namentlich benennen.
In meiner Region, eigentlich in der ganzen Bundesrepublik, gibt es kaum Ärzte, die Naturheilkundliches ausschließen. Manche haben sich zusätzlich zum Studium dafür weiterbilden lassen. Gerade in der Rheumatologie ist die Physiotherapie und gesunde Lebensführung Standard. Im Grunde ist es Volkswissen, sich bei Schnupfen, leichtem Fieber, Magengrimmen, Muskelschmerzen... selbst naturheilkundlich zu behandeln. Darauf bauen die Kassenärzte. Wenn ich mir unsicher bin, schau ich im Internet nach. Ich frage allerdings immer Hausarzt oder Internisten, ob es sinnvoll ist, das auch anzuwenden. Sie nicken es ab. In zwei Rehas (Bad Liebenwerda) habe ich die für mich spezifischen "naturheilkundlichen" Sachen gelernt. Das passiert in jeder Rheuma-Reha.
Der Streit zwischen Schulmedizinern (die an der Uni studierten) und Naturheilkundlern (die Unstudierten, Heilkundigen, Frauen, Bader, Jahrmarktsschreier, Hexenkünstler) tobte im 19. Jahrhundert. Rudolf Virchow (1821 - 1902) war ein Verfechter der Schulmedizin. Es ging darum das Heilen wissenschaftlich zu machen. Es ging um Erkenntnisse, Hygiene, weniger Kinder- und Müttersterblichkeit, Operationen, Rehabilitation .... Letztendlich studierten dann auch die Militärärzte bei Professoren der Charité. Die Hebammen erhielten eine ordentliche Ausbildung. Die Heilpraktiker mussten eine staatlich anerkannte Prüfung ablegen.
Manchmal schlug das Pendel zu sehr in die eine oder andere Richtung aus. So diagnostizierte die Charité Otto von Bismarck mit einer unheilbaren, zum Tode führenden Krankheit. Familie von Bismarck hatte einen äußerst begabten jungen Arzt aus München kennengelernt. Auf die dringenden Bitten Otto von Bismarcks schlug dieser Doktor, Ernst Schweninger (1850 - 1924), eine Erfolg versprechende Stellung in München aus und folgte Bismarck nach Berlin. Bismarck verschaffte ihm einen Posten an der Charité, wodurch Neid und Feindschaft vorprogrammiert waren.
Schweninger war nicht nur ein ausgezeichneter Wissenschaftler, Arzt, Medizinhistoriker, er ging auch mit offenen Sinnen durch die Welt. Er erkannte bei Bismarck wie auch bei vielen anderen seiner zahlenden (und nicht zahlenden) Patienten, dass Krankheiten durch eine andere Lebensführung gelindert wurden oder überhaupt nur daran lagen. Er prüfte, was an Erkenntnissen der "Naturheilkundlchen" helfen konnte, machte Bäder, Diäten, Einreibungen, Wickel, Bewegung, Gymnastik als Heilmethode gesellschaftsfähig. Er zog darin gut Ausgebildete mit ein, lernte von ihnen und schulte sie. Ernst Schweninger, als berühmte Persönlichkeit, verknüpfte die Naturheilkunde Ende des 19. Jahrhunderts wieder mit der Schulmedizin.
Sein Schüler, der Arzt Georg Groddeck (1866 - 1934), führte Schweningers Schul- und Naturheilkundliche Medizin weiter und verknüpfte diese mit der neu entwickelten Psychiatrie. In enger Zusammenarbeit mit Freud und seinen Schülern entwickelte Georg Groddeck die Psychosomatik.
Heute können wir auf Erkenntnisse aufbauen, die den Menschen als physisches, seelisches, geistiges Wesen in seinem Umfeld ansehen. Apparatemedizin beweist geradezu, dass es so ist. Man muss sich nur einmal die Hirnforschung vor Augen führen.
Unser Problem ist, wie ich es empfinde, immer noch das selbe wie 1800. Es sind die Raffkes und Erfolgssüchtigen, die verhindern, dass Menschen sich gegenseitig helfen. Es ist Verzweiflung, die kranke Menschen solchen Marktschreiern folgen lässt.
Liebe Grüße
Clara
PS: Ich musste es schreiben. Ihr kennt mich doch.
