Hi,
unser, von den meisten geschätzte Doc L. besitzt zwei Wartezimmer. Schlimmer noch, er besitzt eine "Praxis" für Privatpatienten und eine Ambulanz für die Kassenpatienten. Ich bin seit Ende 2003 bei ihm, als Doc L. noch keine Kassenzulassung hatte und seine Rechnung direkt an mich geschickt hat. Zu Kassenpreisen.
Ich habe seit April diesen Jahres mein Enbrel und warte, wie jeder andere auch, 4 Wochen auf meinen Termin. Wenn es mir richtig schlecht ginge, würde ich dort auf der Matte stehen und solange warten bis ich dazwischen geschoben werde. Privat oder gesetzlich-das kann in diesem Fall keine Rolle spielen. Wenn die Praxis fair ist, dann versucht sie Notfälle immer in der Terminplanung zu berücksichtigen.
Ich bekomme übrigens meine Termin zum Röntgen und CT dann, wenn ich sie brauche. Also nicht jedes Jahr ein Standard - Röntgen von Hand und Fuss, sondern nur dann, wenn es notwendig ist. Und ich bekomme in der Röntgenpraxis, wo ich die Aufnahmen machen lasse, fast sofort einen Termin wenn etwas Schwerwiegendes ist. Als bei mir der Verdacht auf Hk-Nekrose bestand, bekam ich den Termin zur MRT innerhalb von 3 Tagen. Zum Röntgen kann ich jeder Zeit ohne Termin vorbeischauen. Natürlich mit Wartezeit. Ob die "Privaten" schneller drankommen oder weniger warten?
Als ich mich vor 3 Jahren selbstständig gemacht habe, habe ich mich freiwillig bei der ges. KV versichern lassen (ich war noch nicht öffentlich erkrankt, hatte also noch keinen Rheumastempel-> ich hatte also noch die Wahl), weil ich an das "System der Einzahler" geglaubt habe. Ich habe deswegen nicht mehr Rechte. Mittlerweile bin ich froh darüber, denn eine Packung Enbrel mit 24 Spritzen für ca. 5600 EUR kann und will ich nicht in der Apotheke "auslegen". Über die Krankenhauskosten und Op-Kosten der letzten 3 Jahre will ich nicht nachdenken. Mein Hausarzt hat mich trotzdem lieb, er verdient trotz ges. KV recht gut an mir.

Dafür bekomme ich die Ersatznadeln wegen dem Zwischenfall bei Wyeth bei ihm ganz umsonst. 24 abgezählte Stück. Ohne Unterschrift.
Was ist der Nachteil der ges. KV? Ich bekomme im KH kein Einzelzimmer. Bei der Katastrophenbesetzung beim letzten KH-aufenthalt hätte ich mir das gewünscht. Und wieder regiert Geld die Welt. Wenn ich dafür den Zuschlag zahle, bekomme ich das Einzelzimmer. Kann man vorher in der KH-Verwaltung festlegen.
Ich weiß nicht, ob ich die Welt im "Geld regiert die Welt"-Modus fair finden kann. Alles hat irgendwie mindestens zwei Seiten, will ich Leistung, dann muß ich dafür zahlen. Wenn ich das Geld nicht aufbringen kann, bleibe ich bald in der Minimalversorgung stecken.
Will ich Veränderungen? Ich glaube nicht. Es kann nur schlimmer kommen, wir reformieren uns dumm und dusselich und der Sinn fürs Wesentliche geht verloren. Die oben genannte Minimalversorgung muß besser werden. Ein Rheumapatient darf nicht 6 Monate auf einen Termin warten müssen. Er muß sofort eine adäquate Behandlung beim Rheumatologen bekommen und kein Cortison-Rumgedoktere beim Hausarzt. Das werden wir mit dieser "Gleichstellung" nicht hinbekommen. Wir brauchen mehr fähige Fachärzte, die die Praxis finanziell halten können. Und die Chance, ein wenig ernster von der
Gesellschaft genommen zu werden.
Ich habe bei der KG und in der Ergo haarsträubende Geschichten von ges. und privaten Krankenversicherungen gehört. Sie sind, wenn es um Geld geht alle gleich schlimm. Da wird einem Parkinson Patienten die Ergo verweigert, weil sich sein Zustand bestenfalls nur halten würde. Verbessern würde er sich nicht. Also ist die Behandlung nicht rentabel und wurde nicht erstattet. Übrigens ein Privatpatient. Als Mitte letzten Jahres die Dauerverordnungen für KG und Ergo gestrichen wurden, hatten viele Ärzte gar keine Lust mehr Rezepte auszustellen. Weil innerhalb weniger Monate sich nicht nur die Diagnoseschlüssel änderten sondern auch noch jede verdammte Verschreibung mit noch einer besch... Nummer begründet werden muß. Als ich letztens ein Rezept für KG brauchte, waren 3 Leute (1 Doc + 1 Arzthelferin + 1 Ärztin) damit beschäftigt irgendwelche Nümmerken zu suchen. Irgendwie kam ich mir unverschämt vor, sowas zu fordern.
Natürlich werde ich bei meiner Arbeit (Programmiererin) auch permanent mit Änderungen in irgendwelchem Computergedöns genervt und muß die auch lernen. Aber ich habe wenigstens keinen frustrierten Patienten vor mir sitzen der auf sein heiliges Rezept wartet. Ich kann still und heimlich meinem Monitor eine verpassen und geh mir dann einen Kaffee trinken.
Was ist richtig? Wie man beim Arzt behandelt wird, ist oft von der (Überlebens)strategie der Praxis abhängig. Aber auch vom Auftritt des Patienten. Wie es in den Wald... und so weiter. Es ist irgendwie so viel im kleinen schon kaputt und ich glaube die Kluft zwischen ges. und priv. KV ist gar nicht so groß wie viele glauben.
Ich entschuldige mich für die vielen Abk. Mein Mitteilungsdrang ist mal wieder größer als das Durchhaltevermögen meines Ellenbogens. Für alle, die es bis hierhin durchgehalten haben, eine gute Nacht.
Katharina