Erste und wichtigste Aufgabe - haben wir festgelegt - ist es meinen Darm zu heilen
und endlich Ruhe ins System zu bringen.
Damit könnte ich wieder Kräfte sammeln und mich ein Stück weiter von der
nächsten Toilette wegbewegen als zuletzt. Außerdem ist das Grundlage um die Nährstoffmängel zu beseitigen und mein Gewicht wieder in Bahnen zu kriegen.
So wichtig wie Mundhygiene für's Herz ist Darmgesundheit für den ganzen
Organismus. Hab ich kapiert.
Zucker hatte ich bereits vor einem Jahr aus meinem Leben verbannt. Jede Form
von Zucker. Ausnahme - zu meinem täglichen Salat nehme ich bis heute einen
Löffel Honig oder Ahornsirup und ich aß noch Obst ohne Einschränkungen.
Was ich ganz einfach sofort umsetzen konnte war einen Tag in der Woche für
36 Stunden zu fasten und neben Kräutertee's, kohlensäurefreiem Wasser nur
salzarme Gemüsebrühe zu mir zu nehmen.
Das – hab ich gedacht – kann ich niemals.
Ich ging fest davon aus, dass mein Kreislauf das nicht mitmachen würde.
Verpasste ich sonst eine Mahlzeit bin ich rasch unterzuckert, wurde zittrig und
fahrig. Ich bekam den Tipp zur letzten Mahlzeit vorm Fastentag keine
Kohlehydrate zu essen. Also ließ ich zunächst mal an diesen Vortagen
Kartoffeln, Brot und Co weg.
Die Fastentage sind überraschender Weise vom ersten Mal an kein Problem.
Ich habe mir einen festen Wochentag ausgeguckt und den halte ich ein, komme
was da wolle. Das war ein dünnes Geburtstagsessen sag ich euch

.
Mit bekommt das wunderbar.
Ich habe auch am Morgen nach dem Fastentag nicht das Gefühl überstürzt,
kopfüber in den Kühlschrank springen zu müssen. Ich gehe den Tag seitdem
immer mit einem großen Glas Wasser mit einem Schuß selbstgemachtem
Apfelessig an. Alles andere kommt dann in Ruhe.
Um den Darm zu heilen soll ich über mehrere Wochen eine Reinigung durchführen
und mich während dieser Zeit besonders streng an die Beschränkungen halten,
um nicht ungute Bakterien fettzufüttern. Sie sollen ja ausgehungert werden, um
eine Neubesiedelung zu ermöglichen.
Dazu fehlten zuerst noch die Laborergebnisse, aber ich konnte mich schon
meinem Fahrplan mit Autoimmunem Kochen, vollwertiger Vitalkost, Pegane
Gerichte auseinander setzen.
Mir wurde kein fertiger gängelnder Diätplan vorgesetzt, sondern man setzt
auf aktives Auseinandersetzen mit dem Thema. Fand ich gut, auch wenn ich
teilweise recht konfus nicht mehr wusste was ich nun wann und warum essen
soll, darf, muss. Ich empfinde es noch immer als etwas schwierig, weil sich
teilweise Inhalte meiner Unterlagen, Bücher, Laborempfehlungen widersprechen.
Durch das Einarbeiten mache ich mir das glaube ich aber mehr zu eigen, als
wenn ich mich quasi anhand einer Liste durchkochen würde und mir kaum
Gedanken machen müsste.
Was ich bekam war und ist Hilfestellung mittels eines Ernährungskorridors
und der Möglichkeit mich jederzeit mit Fragen zu melden. Ich bekam auch
Tipps wo ich mehr Info finden kann, zum Beispiel ein Buch das sich mit
Autoimmunküche beschäftigt und viele Erläuterungen, aber auch Rezepte
und ein bissel Durchhaltephilosophie bietet.
Was muss ich weglassen
Was sollte ich verstärkt einbinden
Was ist speziell während der Darmheilungsphase von Bedeutung
Was sollte ich dauerhaft verändern
Sobald die Laborergebnisse vorlagen wurden mir diese vollständig übermittelt,
jeder Wert mit Kommentar versehen, in der Bedeutung und Auswirkung erklärt.
Das hat meine Auswahl nochmals beschränkt, anderes aber gleich wieder
„freigegeben“ nach der Reinigung.
Beispiel:
Die Autoimmunküche setzt u.a. drauf keine Hülsenfrüchte zu essen, weil deren
Eiweiße oft unverträglich seien.
Der Ernährungsdoc vertritt seinerseits die Einstellung – es macht keinen Sinn,
den ohnehin schon eingeschränkten Speiseplan mehr zu beschneiden als
notwendig, vor allem um möglichst vielfältige Kost umzusetzen.
Nach Laborbefund habe ich in der Tat ein Problem mit Bohnen-Eiweiß jeder Art,
aber nicht bei Linsen und Erbsen oder Lupinen. Dieses kann ich also nach der
Darmreinigung langsam wieder hinzunehmen.
Ich bin nicht von Anfang an von 100 auf Null gegangen. Ich habe zwar in den
ersten paar Wochen meinen Gemüsekonsum vervielfacht, aber habe noch
ganz schön geschludert und einige Fehltritte gehabt.
Nach und nach wurde ich aber sicherer und bin auch ideenreicher geworden. Ich experimentiere viel und kombiniere ganz anders.
Zum Frühhstück ein Stück frischer Fisch mit Salat aus Gurke und Birne klingt
ungewöhnlich, ist aber mein Favorit zur Zeit.
Da es kein Brot gibt habe ich mich drauf verlagert nur noch in Mahlzeiten zu
denken und nicht in Frühstück - Mittagessen - Abendbrot. Dazu gehören für mich
feste Bestandteile wie ein Frühstücksei, knuspriges Brot usw.
Für die Reinigungsphase halte ich mich jetzt strikt an die Beschränkungen.
Essenziell oder nicht, das sind ein paar Wochen und ich hab keinen Nerv, dass ich
das Balaststoffgeschlabber und Heilerde futtern öfter oder länger machen muss
als nötig. Das ist nach Darmspiegelungsplempe das widerlichte was ich je
runtergewürgt habe.
Ich freu mich aber schon auf das breite Feld neuer kulinarischer Entdeckungen die
noch auf mich zukommen. Hab ich schon gesagt, dass ich unheimlich gerne esse?
Entstressen, erscheint mir derzeit als schwierigste Aufgabe.
Das liegt auch an dem Boot in dem seit dem letzten Jahr die ganze Welt sitzt.
Mir wurden Atemübungen beigebracht, die ich mehrfach am Tag unterbringe. Das
ist wenig aufwendig, kann ich theoretisch überall machen und bringt mich binnen
Minuten runter. Das geschieht viel leichter und zuverlässiger als Entspannung nach
Jacobsen, was ich seit 25 Jahren täglich betreibe, zeitaufwendiger ist und für mich
noch immer am besten im Liegen umzusetzen ist.
Zellgesundheit ist Thema, Mitochondrien - also Zellkraftwerke - machen mir
Schwierigkeiten. Das habe ich mal so hingenommen und weil ich alles begreifen
muss lese ich mich seit Monaten in Biochemie ein. Wenn ich bedenke, dass ein
Arzt sich damit zu Beginn seiner „Lehrzeit“ befassen muss und das verflixt dröger,
komplexer Stoff ist wundert mich das wenig, wenn viele das gleich zu verdrängen
scheinen nachdem sie ihre Prüfungen in der Tasche haben. Zu beneiden sind
die Studies nicht.
Ich habe inzwischen soviel begriffen, dass der Spruch „Bewegung ist wichtig“
außer lästig der Schlüssel für gesunde Zellkraftwerke und damit einen
funktionierenden Organismus ist, denn diese sitzen überall. Sich – vorzugsweise
an frischer Luft – auf einem niedrigen Pulslevel zu bewegen, weg von der im Alltag
zu flachen und unbewussten Atmung hin zu bewussten und kontrollierten tiefen
Atemzügen.
Anfangs konnte ich gar nicht so atmen wie ich sollte. Versucht das mal - durch die
Nase einatmen, bis vier zählen, kurz einhalten, durch den Mund ausatmen, bis
acht zählen. Ich hatte immer das Gefühl in meiner Brust knistert Badeschaum. Da
ging Luft nicht rein und und nur stocken wieder raus. Bis acht ausatmen? Utopie?
Zuerst ja, aber jetzt nicht mehr. Ich kriege das jetzt ganz unaufgeregt hin.
Bewegung - was mir immer gefehlt hat ist das Warum.
Wer sich dafür interessiert – das müsst ihr euch mal selber durchlesen. Ich gönne
euch den Selbsterfahrungstripp zur Selbsterkenntnis

. Das kann ich beim besten
Willen nicht zusammenfassen.
Die Atemübungen, obwohl ich das ja noch gar nicht so lange mache, erleichtern
mir trotz des vom Bechti nur noch beschränkt beweglichen Brustkorbs das Atmen
enorm über den ganzen Tag. Ich bin längst nicht mehr so erschöpft und die Sauerstoffversorgung ist schon deutlich besser geworden.